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Abschied vom Brauhausberg

Letzte Schicht im Traditionsbad Abschied vom Brauhausberg

Joachim Pickert ist der dienstälteste Schwimmmeister in der alten Halle am Potsdamer Brauhausberg. Seit 1981 wacht der 60-Jährige darüber, dass alle wieder gut aus dem Wasser kommen und bringt den Anfängern bei, wie sie sich über Wasser halten. Bei mir ist nie jemand ertrunken, sagt er stolz.

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Erst gepöbelt und dann zugeschlagen

Bademeister Joachim Pickert an seinem letzten Arbeitstag an alter Wirkungsstätte. Ab Montag packt er die Umzugskisten.

Quelle: Jens Steglich

Teltower Vorstadt. Es sind die kleinen Momente, die bleiben. Wenn Joachim Pickert zurückblickt, sieht er zum Beispiel Herrn Wolf, der selbst in winterlicher Kälte schon vor 6.30 Uhr an der Tür steht und wartet, dass sie endlich aufgeht, damit er schwimmen kann. Joachim Pickert kommen auch die Kinder in den Sinn, wie sie ängstlich am Beckenrand stehen und den ersten Sprung ins tiefe Wasser scheuen, um ein paar Wochen später stolz den Seepferdchen-Aufnäher in der Hand zu halten, der an die Badehose kommt und allen zeigen soll: Dieser kleine Badehosenträger kann schwimmen!

Und Pickert sieht den 81-jährigen Mann, der nach überstandener Krankheit im Anfängerkurs das Schwimmen neu erlernt. Es ist sein bisher ältester Schüler. „Er übt tapfer weiter. Wir haben ihn immer gut im Auge. Gestern hat er das erste Mal ohne Pause die 50 Meter geschafft“, erzählt er. Für Joachim Pickert sind solche Erfolge eigene Freuden. Er ist der dienstälteste Schwimmmeister im Bad am Brauhausberg. Seit 1981 wacht der 60-Jährige darüber, dass alle wieder gut aus dem Wasser kommen und bringt den Anfängern bei, wie sie sich über Wasser halten. Am Samstag war sein letzter Arbeitstag in der alten Halle am Brauhausberg, die Sonntag für immer geschlossen wurde.

Für ihn und seine Kollegen am Beckenrand und an der Kasse heißt es jetzt ausräumen und umziehen – ins neue Freizeitbad blu. Der Umzug lässt nicht viel Zeit für Wehmut. „Traurig wird es für uns ältere Kollegen noch einmal, wenn die Abrissbagger kommen“, sagt Pickert. Der Termin für den Abriss des Bades, in dem einst Schwimmlegende Roland Matthes (Olympiasieger 1968 und 1972) trainierte und das auch als Kulisse für Dreharbeiten diente, steht noch nicht fest. Die Kinder etwa, die im Video-Clip zum Rosenstolz-Song „Ich bin ich“ vom Drei-Meter-Brett springen, taten das im Bad am Brauhausberg. Auch Szenen für den Defa-Film „Hasenherz“ und die Krimiserie mit dem bärbeißigen Detektiv „Peter Strohm“ spielten dort.

„Im alten Hallenbad sind Freundschaften entstanden mit Menschen, die ich ein Leben lang begleitet habe“, sagt Joachim Pickert. Als Leiter des Anfängerkurses kennt er Badegäste von Kindheitstagen an und weiß: Aus manchem wasserscheuen Kind wird später ein richtig guter Schwimmer. Bei einigen geschieht das mental innerhalb von Minuten. „Wenn es das erste Mal ins Tiefe geht, haben sie große Angst. Ist die Hürde überwunden, werden einige fast schon tollkühn“, sagt der Bademeister, der eine stolze Bilanz ziehen kann. „In meiner Dienstzeit ist nie jemand ertrunken.“

Eingreifen mussten er und seine Kollegen ab und an. An Tagen, an denen er einen Menschen gerettet hat, war da eine tiefe Befriedigung, sagt er. Pickert, der in einem See bei Wusterhausen (Prignitz) schwimmen lernte und 1977 nach Potsdam zunächst ins Werner-Alfred-Bad kam, wollte nie etwas anderes machen als Rettungsschwimmer und Bademeister zu sein.

Gerd Aschbrenner ist eigentlich Segler, gehört aber zu den Badegästen der ersten Stunde, seit die Schwimmhalle 1971 eröffnet wurde. Am Anfang war er unregelmäßig da, später im Winter jedes Wochenende. Der Vize-Vorsitzende des Märkischen Segelklubs Teltow e.V. ging immer mit den Nachwuchs-Seglern ins Hallenbad, um zu testen, wie gut sie schwimmen können. Im Bad hat er mit ihnen das Tauchen mit offenen Augen trainiert. Am Samstag war er mit seinen Schützlingen Ibragim (13), Seif (12) und Moussa (13) ein letztes Mal im alten Bad. Sie holten Tauchringe vom Hallenboden hoch und tauchten unter der Gummi-Schikane durch. „Ich verlange nichts, was ich nicht selbst machen kann“, sagt der 71-jährige, der auch Jugendleiter des Segelklubs ist. Inzwischen sei es aber ein Kampf, zum Startblock hochzukommen. Das Schwimmtraining gebe er aber nicht ganz uneigennützig: „Es tut auch mir gut“, sagt er und verweist auf seinen Bauch. Er gehe mit seinen jungen Leuten jetzt erstmal segeln. „Wenn der große Andrang vorbei ist, probieren wir das neue Bad aus.“

Für die Babelsbergerin Liane Müller und ihren Mann waren die letzten Bahnen am Samstag Nostalgieschwimmen. „Wir haben hier als Kinder in den 1970er Jahren schwimmen gelernt und uns heute spontan entschlossen, zum Abschiedsschwimmen herzukommen“, sagt sie. Ein Erinnerungsfoto haben sie auch geschossen. Joachim Pickert hat sich für sein Abschiedsfoto vor dem Taucher-Relief am kleinen Becken fotografieren lassen. „Der Abschied fällt leichter, wenn man das neue Bad vor der Tür hat“, sagt er. Am 7. Juni hat er mit Benedikt Hinkelmann, seinem jungen Bademeister-Kollegen, den ersten Dienst im blu. Der 19-Jährige hat im alten Hallenbad schwimmen gelernt. „Ich freue mich total auf die neue Halle“, sagt er.

Ein Weltrekord und viele Meisterschaften

Die Schwimmhalle am Brauhausberg wurde von 1969 bis 1971 erbaut, um das Werner-Alfred-Bad zu entlasten – damals Potsdams einzig nutzbares Hallenbad.

Eröffnet wurde die Schwimmhalle zum Tag der Republik am 7. Oktober 1971.

Mit ihrer nach internationalem Standard gebauten 50-Meter-Bahn diente sie als Austragungsort für Kreis-, Bezirks- und DDR-Meisterschaften.

Auch die Nachwuchsschwimmer haben in der Halle bei Kinder- und Jugendspartakiaden und beim Pionierpokal ihre Kräfte gemessen.

Im Jahr 1978 schwamm die litauische Schwimmerin Lina Kačiušyte in Potsdam einen neuen Weltrekord über 200 Meter Brust.

Nach der Wende war das Bad 1993 Schauplatz der 105. Deutschen Schwimmmeisterschaften.

Von Jens Steglich

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