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Potsdam Böhmische Tage: Kein Budenzauber mehr
Lokales Potsdam Böhmische Tage: Kein Budenzauber mehr
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00:21 29.06.2018
ZU den Böhmischen Tagen wird Tatjana Ranglack als Betreiberin einer Pension und eines historischen Backofens wieder hausgemachtes Brot und Kuchen anbieten. Quelle: Christel Köster
Babelsberg

Genießen und entdecken, ist der Anspruch der Böhmischen Tage, mit denen am kommenden Wochenende die Nachfolge des Weberfestes angetreten wird. Statt Budenzauber mit böhmischen und deutschen Schaustellern am Weberplatz gibt es nun für drei Tage jeweils einen Veranstaltungsort. Bis auf ein Konzert in der Friedrichskirche sind alle Angebote gratis. Die Tage finden statt vom Freitag, dem 29. Juni, bis Sonntag, den 1. Juli.

20 Jahre lang hatte es das Böhmische Weberfest gegeben, zu dem auch zahlreiche Schausteller und Handwerker aus Böhmen auf den Weberplatz gekommen waren, wo rund 100 Stände aufgebaut waren, doch zuletzt reichten dem Veranstalter Coex die Einnahmen nicht mehr, um die Kosten zu decken: Im Jahre 2016 kamen nur 5000 Gäste, es hätte 7000 gebraucht.

Die Friedrichskirche auf dem Weberplatz wird ab diesem Jahr nicht mehr vom Markttreiben des Weberfestes umgeben, sondern „nur“ von einem Böhmischen Biergarten. In der Kirche finden zwei Konzerte statt. Babelsberg Quelle: AG Babelsberg

2017 war die Lage ähnlich. Coex zog die Notbremse, und die ausrichtende Händlergemeinschaft AG Babelsberg musste sich etwas Anderes ausdenken. Man besann sich auf die böhmischen Wurzeln des Stadtteils und gruppierte die eher beschaulichen Angebote um Schauplätze, die diesen geschichtlichen Hintergrund haben: das ehemalige Rathaus von Nowawes (Neuendorf), den Neuendorfer Anger, das Heimatmuseum Weberstube und die Friedrichskirche auf dem Weberplatz. Wer was wann anbietet, kann man auf Bannern und Schautafeln am Rathaus sehen und auf der Website www.babelsberg-potsdam.de nachlesen. 29. Juni, AWO Kulturhaus Babelsberg

Das alte Rathaus ist der Schauplatz am Freitag

Veranstaltungsort des Freitag ist das ehemalige Rathaus und heute AWO-Kulturhaus, in dessen historischem Ratssaal die Tage offiziell eröffnet werden. Der Entwicklungsträger Stadtkontor stellt 25 Jahre Sanierung im Stadtteil vor. „Das passt perfekt zum Jubiläum 1000 und 25 Jahre Potsdam“, findet Jan Kickinger von Stadtkontor: „Auf den Tag genau vor 25 Jahren wurde die Sanierungssatzung Babelsberg beschlossen.“ Spätestens 2021 wird das Sanierungsgebiet aufgelöst; doch wird man eine Erhaltungssatzung aufstellen, um Wildwuchs für die Zeit danach zu verhindern. Stadtkontor lädt zu einem Vortrag, Filmen und einer Bilderschau ein. Fotos von Ivo Olias zeigen Babelsberg vor und nach der Sanierung.

Apotheken-Haus ist letztes Sanierungsobjket

Letztes Highlight der Sanierung im Stadtteil ist das derzeit eingerüstete Eckhaus auf der Hauptkreuzung von Rudolf-Breitscheid- und Karl-Liebknecht-Straße.

Das Haus der heutigen Linden-Apotheke in Babelsberg an der Kreuzung Rudolf-Breitscheid- und Karl-Liebknecht-Straße war zu DDR-Zeiten über zwei Stockwerke ein Herren-Kaufhaus. Dem Haus (links) daneben nahm man nach dem Zweiten Weltkrieg allen Fassadenschmuck; der kommt nun wieder dran. Quelle: Archiv

Apotheker Hartmut Kulka saniert dieses und das in Richtung Bahnlinie angrenzende Gebäude, die kurz nach 1900 errichtet worden waren in einer opulenten Architektursprache. Die sieht man dem heruntergekommenen Eckhaus noch an, dem Nebenbau aber gar nicht. Der bekommt Kickinger zufolge seinen auf alten Fotos abgebildeten reichen Fassaden-Stuck wieder. Das gesamte Vorhaben wird durch Stadtkontor mit 200000 Euro gefördert.

„Feuerwehrball“ von Forman im Freiluftkino

Im Hof des Kulturhauses gibt es ab 20 Uhr eine Jazz- und Filmnacht unter freiem Himmel; das Wetter soll ja gut werden. Dann wird auch der mit vielen Laiendarstellern gedrehte Film „Der Feuerwehrball“ (1967) des tschechischen Regisseurs Milos Forman von 1967 („Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“) gezeigt: eine Kleinstadt-Satire über Vereinsmeierei, die in Jan Kickingers „auch irgendwie zu Babelsberg“ passt. Burkhard Baese von der AG Babelsberg kündigte an, man werde auch für die Folgejahre Filme auswählen, die mit Babelsberg zu tun haben, die hier entstanden oder spielen, und sei es nur in Szenen. So sorgt die alljährliche Aufführung der „Feuerzangenbowle“ von 1944 immer an einer bestimmten Stelle für Jubel, wenn nämlich die Babelsberger Rathausuhr zu sehen ist. Der Film wurde von der Babelsberger Ufa gedreht.

Quizfragen bei Schaufenster-Rallye für Kinder

Am Samstag, dem 30.Juni, ist ab 11 Uhr die Weberstube an der Karl-Liebknecht-Straße 23 der Dreh- und Angelpunkt der Böhmischen Tage. „Ankommen in Babelsberg“ heißt der Vortrag von Ulrich Schmelz. Man kann das Museum besichtigen und sich selber im Spinnen und Weben versuchen. Für Kinder gedacht ist eine Schaufenster-Rallye: sie gehen Läden ab und beantworten dabei zehn spannende Fragen zu Babelsberg und seiner Geshichte. Start ist um 12 Uhr an der Weberstube. Das Museum ist bis 17 Uhr geöffnet.

Geführte Radtour durch den Kiez

Um 13 Uhr beginnt an der Friedrichskirche eine geführte Radtour durch den Stadtteil, eine Stunde später ein Begegnungsfest im Böhmischen Biergarten. Die Kunstschule lädt zum Malen und Basteln ein, die Kantorei der Kirche zum geistlichen Sommerkonzert „Meine Seele singe“. Für 15 Uhr hat sich das Puppentheater „Locci und das Hexengärtchen“ angesagt; zu 16 Uhr sind die Bürgel-Dancing-Stars avisiert. Die satirische Kunstfigur Professor Böswetter tritt um 17 Uhr auf; eine halbe Stunde später gibt es die Cross Level Tanzperformance und um 18 Uhr die Cello Perkussion Improvisation.

Böhmisches Konzert in der Friedrichskirche

Einzige eintrittspflichtige Veranstaltung des Fest-Wochenendes ist um 19 Uhr in der Friedrichskirche das Konzert „Böhmische Klassik“ von Antonin Dvorak –eine Streicherserenade und Suite mit dem Sinfonie Orchester Schöneberg (SOS). Das Ticket kostet 5 Euro, ermäßigt 3. Kinder bis 8 Jahre sind frei dabei. Hotline: 0331-7049264.

20.15 Uhr tritt in der Kirche das Gospelquartett Potsdam auf.

Backen auf Geschichtliches am Anger

Ganz gemächlich geht es am Sonntag, dem 1. Juli, auf dem Neuendorfer Anger zu. Die bürgerschaftlich wiederaufgebaute, aber ungeweihte Kirche ist von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Das Rekonstruktion wird als „Wunder von Babelsberg“ bezeichnet und ab 14 Uhr in einem Vortrag von Andreas Kitschke dargestellt. Dazu ist eine Fotoausstellung zu sehen sowie zwischen 15.15 und 16.45 Uhr ein Kurzfilm über den Wiederaufbau (Dauerschleife). 17 Uhr folgt einer der extrem seltenen Gottesdienste, denn die Kirche ist eigentlich kein Gotteshaus mehr, sondern ein Ort für Kulturveranstaltungen und Eheschließungen.

Im romantischen und weitläufigen Hofgelände der Anger-Apartments findet von 14 bis 17 Uhr wieder ein Backtag am historischen Ofen statt.

Von Rainer Schüler

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