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Abschied vom Staudenhof

Stadtumbau in Potsdam Abschied vom Staudenhof

Landschaftsarchitektin Hiltrud Berndt führt am Donnerstag ein letztes Mal über den von ihr in den 1970er Jahren gestalteten Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt. Begleitend zum bevorstehenden Abriss der alten Fachhochschule hat das letzte Kapitel der bei vielen Potsdamern beliebten Parkanlage begonnen.

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Landschaftsarchitektin Hiltrud Berndt im Staudenhof.
 

Quelle: Volker Oelschläger

Potsdam.  Ein letztes Mal wird es am Donnerstag um 18.30 Uhr einen Rundgang mit der Landschaftsarchitektin Hiltrud Berndt über den von ihr gestalteten Staudenhof geben. Das letzte Kapitel der bei vielen Potsdamern beliebten kleinen Parkanlage zwischen dem Platz der Einheit und dem Alten Markt hat dann gerade begonnen. Wie berichtet, soll die aus den 1970er Jahren stammende, drei Meter hohe künstliche Aufschüttung zwischen der alten Fachhochschule und dem Wohnblock am Staudenhof abgetragen werden, um Baufreiheit für die Rekonstruktion der Kaiserstraße zu schaffen. Dafür wird zunächst das Grün entfernt. Baubeginn: Noch diese Woche, so am Mittwoch die Sprecherin des Sanierungsträgers, Anna Winkler.

Kunsthistoriker Christian Klusemann wies am Mittwoch im Gespräch mit der MAZ auf den Umstand hin, dass die Forschung zur DDR-Architektur gerade zum Zeitpunkt ihres Verschwindens an Fahrt gewinnt. Klusemann hatte im vergangenen Jahr als Herausgeber des DDR-Architekturführers „Das andere Potsdam“ zusätzliche Substanz in die Diskussion zur Umgestaltung der Potsdamer Stadtmitte gebracht. Neue Texte zu diesem Thema gibt es im Buch „Architekturen des Gebrauchs | Die Moderne beider deutscher Staaten“, das heute um 19.30 Uhr im Rechenzentrum vorgestellt wird. Der Rundgang mit Hiltrud Berndt ist die Einstimmung dazu.

„Fachhochschule Potsdam – Machtkampf um Potsdams Mitte“ ist der Titel für insgesamt drei Kapitel zur Neugestaltung der Potsdamer Innenstadt. Auch die bereits seit Jahren laufende Demontage des Staudenhofs ist ein Thema in diesem Buch. Auf die Verwahrlosung in den 1990er Jahren folgte mit des Abbau der „Wasserharfe“ genannten Brunnenplastik von Christian Roehl unmittelbar vor der Bundesgartenschau 2001 der erste massive Eingriff.

Mit dem Umbau der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek zum Bildungsforum 2010 bis 2013 wurden erste Teile der unmittelbar angrenzenden Parkanlage des Staudenhofs abgetragen. Der ebenfalls in dieser Zeit errichtete Bretterzaun vor dem Treppendurchgang zwischen Bibliothek und Fachhochschule gab einen Vorgeschmack auf den 2,5 Meter hohen Bauzaun der ab Montag rings um die alte Fachhochschule errichtet werden soll. Fenster in dieser Barriere sollen den Blick auf den Abriss des 1970er-Jahre-Baus freigeben.

Ironie schwingt mit, wenn Anne Klinnert in ihrem Beitrag „Die politische Dimension von Architektur – am Beispiel der FH Potsdam“ für „Architekturen des Gebrauchs“ feststellt, dass Abriss und Sprengung der Stadtschlossruine 1959/60 „von Auseinandersetzungen von Abriss- und Wiederaufbaubefürwortern“ begleitet wurden, „wie sie heute in ähnlicher Weise um das Gebäude der FH geführt werden“.

Buchvorstellung im Rechenzentrum

Das Buch „Architekturen des Verbrauchs“ wird heute um 19.30 Uhr im Rechenzentrum, Dortustraße 46, in einer Podiumsrunde vorgestellt. Gesprächspartner sind Hiltrud Berndt, André Tomzcak und Christian Klusemann. Vorab gibt es einen gemeinsamen Rundgang um die alte Fachhochschule. Treff ist um 18.30 Uhr am Alten Markt.

Das im Weimarer Verlag M Books erschienene Buch „Architekturen des Gebrauchs | Die Moderne beider deutscher Staaten“ mit der ISBN 978-3-944425-05-4 kostet 39 Euro.

Eine Runde zum Umgang mit DDR-Architektur am konkreten Beispiel gibt es Freitag, 18 Uhr, zum zweiten Jahrestag des Kunsthauses im Rechenzentrum: Klaus Overmeyer, Harald Kümmel, Sophia Pietryga, Stefan Zabarowski reden über die Zukunft des Hauses.

Von Volker Oelschläger

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