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Abschied von Christine Kilian

Nachruf Abschied von Christine Kilian

Christine Kilian (61) hat die letzten fünf Wochen ihres Lebens im Hospiz auf Hermannswerder verbracht – jetzt ist sie gestorben. In einem bewegenden Gespräch hatte sie der MAZ geschildert, wie es ist, auf den Tod zu warten. Eine Erinnerung.

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Christine Kilian (61) am 12. Oktober im Hospiz: In einem bewegenden Gespräch schilderte sie der MAZ, wie es ist, auf den Tod zu warten.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Christine Kilian ist tot. Die 61-Jährige hat am Donnerstagnachmittag im Hospiz auf Hermannswerder für immer die Augen geschlossen. „Sie ist still und leise von uns gegangen“, teilte Hospizleiterin Bettina Jacob der MAZ mit.

Still und leise – das hatte sich Christine Kilian gewünscht. Mit großer Offenheit sprach sie zum Welthospiztag am 14. Oktober über das Warten auf den Tod, über die Angst vor dem Sterben und den Trost, den sie an ihrem Lebensende auf Hermannswerder finden konnte. „Es geht nicht mehr allein zu Hause“, sagte Christine Kilian, die unheilbar an Krebs erkrankt war und sich zwei Jahre lang gegen ihr Schicksal gestemmt hatte. Bereits im Frühling hatte sie beschlossen, dass sie ins Hospiz möchte, wenn es einmal soweit ist. Am letzten Donnerstag im September packte sie ihren Koffer: „Als ich hier ankam, war ich erlöst – es war eine kleine Rettung.“ Nachts ließ sie gern die Zimmertür einen Spalt breit offen: Die Schritte und Stimmen draußen auf dem Gang beruhigten sie, wenn die Gedanken aufbrausten, wenn sie keinen Frieden finden konnte.

„Durch muss man doch allein“

Am Ende ihres Weges war Christine Kilian gefasst. Sie war bereit. Und doch gab es sie noch immer, die dunklen Momente, den Zwiespalt. „Hier im Hospiz macht man alles, was ich möchte“, sagte sie. „Aber: Was möchte ich?“ Manchmal half es ihr, die Meisen am Fenster zu beobachten. Manchmal, das hölzerne Windspiel anzutippen, das sie im Japanischen Bonsaigarten in Ferch entdeckt hatte und schon beim Kauf wusste, dass es einmal über ihrem Sterbebett klingen würde. Auch professionelle Hilfe hatte sie sich an die Seite geholt und viele Gespräche geführt: „Durch muss man doch allein.“

Christine Kilian liebte Blumen, Gärten, die Natur, gutes Essen und die Sonne. Das alles fand sie in Potsdam, der Stadt, in der einst die Großeltern lebten, der Stadt ihrer Kindheit und unbeschwerter Ferientage. Im Spätsommer 2015 erfüllte sich Christine Kilian den lang gehegten Wunsch, hierher zu ziehen. Sie wollte noch einmal neu beginnen. Trotz ihrer Krankheit führte sie ihre Gäste glückselig in der Stadt herum, zeigte ihnen Schlösser, Parks und am liebsten all jene Ecken, auf die man als Tourist nicht so leicht stößt: „Das hat mich begeistert“, sagte Christine Kilian. „Das hat mich beseelt.“

Ein Platz im Garten der Erinnerung

Im Grünen soll sie nun ihr Grab finden. Ein paar Mal ist sie über den Neuen Friedhof an der Heinrich-Mann-Allee spaziert und hat dort den Garten der Erinnerung für sich ausgewählt: „Dort soll es sein – die genaue Stelle sucht mein Bruder für mich aus.“ Christine Kilian hinterlässt zudem zwei erwachsene Söhne, einen Enkel und ihre Eltern.

„Ich glaube an ein Leben nach dem Tod“, sagte Christine Kilian. „Ich stelle es mir auf einer anderen Ebene vor – nicht wie das Menschsein, wie Energie, wie einen Lichtpunkt. Ich glaube, dass es eine Seele gibt und dass man nach dem Tod Seelen begegnen kann. Das tröstet mich.“

Von Nadine Fabian

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