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Potsdam Kläranlagen stoßen an ihre Grenzen
Lokales Potsdam Kläranlagen stoßen an ihre Grenzen
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21:29 26.09.2018
Das Klärwerk Nord muss erweitert werden. Quelle: Friedrich Bungert
Nedlitz

Die Stadt wird ihres Abwassers kaum noch Herr. Die Kläranlagen arbeiten an der Kapazitätsgrenze und müssen drastisch erweitert werden. Deshalb investiert die Stadt jetzt 22,8 Millionen Euro in die Erweiterung der größten Abwasserbehandlungsanlage am Lerchensteig in Nedlitz. Die nimmt derzeit das Abwasser von 90000 Menschen auf; Gewerbebetriebe einbegriffen. Künftig sollen 120000 „Einwohnergleichwerte“ erreicht werden. Die Erweiterung geht im Sommer 2021 ans Netz. Auch dem Klärwerk Satzkorn steht eine Aufrüstung bevor, wenn Nedlitz fertig ist.

Ohne diese Erweiterungen könne Potsdam sein Wachstum auf 220000 Menschen im Jahr 2035 nicht bewältigen, sagte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Mittwoch beim symbolischen ersten Spatenstich. Die Infrastruktur müsse mitwachsen.

Kann das Klärwerk Nedlitz bisher 2400 Kubikmeter Ab- und Regenwasser pro Stunde Stunde aufnehmen und behandeln, sind es künftig 3000. Damit will man dem Bevölkerungszuwachs im Potsdamer Norden gerecht werden; allein am Ex-Kasernenstandort Krampnitz sollen künftig 10.000 neue Potsdamer leben. „Die Erweiterung reicht für die nächsten 20 Jahre“, sagt Ulf Altmann, Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam.

Nedlitz nimmt die Abwässer des Stadtgebietes nördlich der Havel auf; die südlich liegenden Viertel schicken das Schmutzwasser nach Kleinmachnow, wo es durch die Berliner Wasserbetriebe geklärt wird.

Weil das Werk Nedlitz bald die 100000-Einwohner-Marke überschreitet und in die höchste Größeklasse 5 aufsteigt, gelten noch schärfere Qualitätsstandards. So muss der Stickstoff- und der Phosphorgehalt des geklärten Wassers weiter gesenkt werden, so weit, dass der Nachweis schon eine labortechnische Herausforderung wird. Dazu baut man eine neue Sandfilteranlage, in der Eisenoxide Flocken bilden, an denen sich Phosphat anlagert. Das muss dann wieder aus dem Sand herausgespült werden und geht bei der Verbrennung des Klärschlamms dann endgültig verloren. Der Phosphatgehalt sinkt von heute 1 Milligramm je Liter auf künftig 0,3 Milligramm.

Gestern begann die Freimachung des Baufeldes, über das noch eine große Abwasserleitung läuft. Ein 110 Kilovolt-Starkstromkabel ist bereits verlegt worden.

Neu gebaut werden zwei je 40 Meter durchmessende Kreisbecken zur biologischen Klärung des Abwassers; Mikroorganismen erledigen das. Die beiden bisherigen Becken, die hälftig geteilt sind und als vier Becken arbeiten, müssen umgebaut werden, um die neuen Standards zu erfüllen. Für die Erweiterungsanlagen muss das Gelände aufgeschüttet werden; trotzdem stehen die neuen Becken noch im Grundwasser. Man muss Spundwände in den Boden treiben und den Raum dazwischen auspumpen, um die riesigen Becken auslaufsicher betonieren zu können.

Von Rainer Schüler

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