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Adenauer glaubte fest an das Recht

In Potsdam wird am Mittwoch ein Konrad-Adenauer-Platz eingeweiht Adenauer glaubte fest an das Recht

Nach seiner Entlassung als Oberbürgermeister von Köln durch die Nazis zog Konrad Adenauer 1934 nach Potsdam. Dort wurde der spätere Bundeskanzler während des sogenannten Röhm-Putsches am 30. Juni 1934 inhaftiert, kam aber wieder frei.

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Bundeskanzler Konrad Adenauer (r.) folgt 1963 einer Debatte im Bundestag, neben ihm Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (beide CDU).

Quelle: AP

Potsdam-Babelsberg. Am 19. April jährt sich zum 50. Mal der Todestag des Gründungskanzlers der Bundesrepublik, Konrad Adenauer. Der im Jahr 1876 Geborene hatte bereits 1909 als erster Beigeordneter und damit erster Stellvertreter des Kölner Oberbürgermeisters seine politische Karriere begonnen. In der Weimarer Republik galt Adenauer als Zentrumspolitiker einigen sogar als Kanzlerkandidat. Nach dem Machtantritt Hitlers am 30. Januar 1933 wurde er als Oberbürgermeister der Stadt Köln entlassen und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Vom 1. Mai 1934 bis zum 25. April 1935 lebte Adenauer in Potsdam-Babelsberg in der Augustastraße, der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße 40. Aus diesem Grund erhält am Mittwoch das Areal zwischen der Rosa-Luxemburg- und Domstraße während einer Feierstunde den Namen Konrad-Adenauer-Platz. Die Potsdamer CDU hatte sich dafür seit Jahren eingesetzt.

Während des Dritten Reiches wurde Adenauer, der wie viele Vertreter seiner Generation zwar kein großer Freund der Weimarer Demokratie war, sich aber mit den Nazis nie gemein machte, mehrfach inhaftiert. So auch während des sogenannten Röhm-Putsches am 30. Juni 1934. Nach seinem Machtantritt hatte Hitler zunächst Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und weitere politisch Andersdenkende beseitigen oder einsperren lassen. Doch es gab noch eine Kraft, die sich den absoluten Machtgelüsten des Führers der NSDAP widersetzte: Die paramilitärische, kleinbürgerlich-plebejische Sturmabteilung (SA), die jetzt, da die „ nationalsozialistische Revolution gesiegt hatte“, an der Macht beteiligt werden wollte. Allen voran ihr Stabschef Ernst Röhm.

Das Wohnhaus von Konrad Adenauer 1934/1935 in der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße 40  in Potsdam-Babelsberg

Das Wohnhaus von Konrad Adenauer 1934/1935 in der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße 40 in Potsdam-Babelsberg.

Quelle: Roman Dahm

Hitler beschloss, Röhm und seine Führungsclique mit Hilfe der SS „auszuschalten“. Zugleich aber sollte an diesem Sonnabend, dem 30. Juni 1934, die „Nacht der langen Messer“ dazu genutzt werden, politisch Andersdenkende einzuschüchtern und private Rechnungen zu begleichen. Zu den „privaten Rechnungen“ zählte beispielsweise der ehemalige Reichskanzler General a.D. Kurt von Schleicher, der sich noch während seiner Amtszeit Ende 1932/Anfang 1933 deutlich gegen Hitler ausgesprochen hatte. Er und seine Gattin wurden von SS-Leuten in ihrem Haus in Neubabelsberg erschossen.

Zu den politisch Andersdenkenden, die eingeschüchtert werden sollten, gehörte auch Konrad Adenauer. Die Nazis hatten ihn aus seinem Amt getrieben, da er als Zentrumspolitiker nicht bereit war, deren Politik zu vertreten. Demzufolge war in Köln kaum auf eine neue Arbeit zu hoffen. Dann schon eher in Berlin, wo Adenauer einen weiten Bekanntenkreis besaß. In der Reichshauptstadt hatte er als Präsident des preußischen Staatsrats, der er seit 1921 war, häufig zu tun gehabt. Auf Wohnungssuche folgte er der Empfehlung eines Freundes und mietete ab Mai 1934 für seine Familie in der Neubabelsberger Augustastraße eine leerstehende Villa. Die Monatsmiete betrug 400 Mark.

Am 30. Juni wurde Adenauer – wie viele andere auch – im weit geworfenen Netz Hitlers gefangen und ohne Angabe von Gründen ins Potsdamer Gefängnis geworfen. Das war jedoch bald hoffnungslos überfüllt und nur seiner persönlichen Bekanntschaft zum Bankier Herbert Gutmann verdankte er „Hafterleichterung“.

Dem Bankier nämlich, so berichtete Marion Whitehorn, die Tochter des Bankiers, später, war gestattet worden, gemeinsam mit anderen Häftlingen in seiner Villa in der Bertinistraße in Hausarrest zu gehen. Adenauer wurde im Zimmer der Tochter Gutmanns untergebracht. Die Villa und der Garten wurden von der SS und der SA bewacht. Keiner durfte hinaus oder hinein. Die Telefonleitung wurde – wie auch die Radioverbindung – unterbrochen, Zeitungen zurückgehalten, die Briefpost geöffnet. Die inhaftierten Männer waren von der Welt abgeschnitten und konnten nur mutmaßen, was mit ihnen geschehen würde. In den folgenden Tagen wurden sie ohne Angabe von Gründen entlassen. Adenauer am 2. Juli 1934 – nicht eingeschüchtert in seinem Glauben an die Sieghaftigkeit des Rechts.

Doch nicht nur politische Repressalien sondern auch persönliche Schläge ereilten die Familie Adenauer in Neubabelsberg. Darüber berichtete Adenauer am 16. Juli 1934 dem Vermieter des Hauses: „...Vor einigen Tagen ist abends zwischen 10 und 11 Uhr ein Dieb mittels einer großen Leiter, die er sich von dem Nachbargrundstück Vittorius geholt hat, in unser Schlaf-zimmer auf der ersten Etage eingestiegen und hat für etwa 5000 Mark Schmuck gestohlen. Wir waren alle im Hause, haben aber nichts gemerkt.“

Vor allem die ergebnislosen Bemühungen um eine Arbeit in Berlin veranlassten Konrad Adenauer dazu, am 25. April 1935 mit seiner Familie Neubabelsberg zu verlassen und in seine rheinische Heimat zurück zu kehren. Dort wurde er am 4. Mai 1945 durch die US-Militärregierung wieder als Oberbürgermeister von Köln eingesetzt.

Bundeskanzler Konrad-Adenauer

Konrad Hermann Joseph Adenauer (1876 – 1967) war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik absolvierte der Jurist und Angehörige der katholischen Zentrumspartei eine politische Karriere: Er war Oberbürgermeister von Köln, gehörte dem preußischen Herrenhaus an und verteidigte als Präsident des preußischen Staatsrats die Interessen des Rheinlands, dem er zeitlebens eng verbunden blieb.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er seiner Ämter enthoben und war zeitweise inhaftiert.

Adenauer gehörte zu den Begründern der CDU, deren Partei­vorsitzender er von 1950 bis 1966 war.

Als Bundeskanzler stand für eine Politik der Westbindung und eine aktive Rolle der Bundesrepublik in der Nato.

Er verfolgte einen antikommunistischen Kurs im Inland wie gegenüber der Sowjetunion und der DDR, die er als „Ostzone“ bezeichnete.

Von Kurt Baller

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