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„Ängste abbauen, damit kein Hass entsteht“

Flüchtlinge in Potsdam „Ängste abbauen, damit kein Hass entsteht“

Die Potsdamer Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger im MAZ-Gespräch: Sie habe trotz der aufgeheizten Stimmung in der Stadt keine Angst vor Angriffen auf ihre Person, sagt sie. Die Sorgen der Menschen in der Flüchtlingsfrage nehme sie allerdings wahr und sehr ernst.

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Elona Müller-Preinesberger (l.) bei einer der zahlreichen Info-Veranstaltungen zu geplanten Flüchtlingsunterkünften.

Quelle: P.D.

Potsdam. Die Potsdamer Sozialdezernentin Ilona Müller-Preinesberger hat die meisten Informationsveranstaltungen zu Flüchtlingsunterkünften geleitet. Dass sich die Stimmung mehr und mehr aufheizt, bestreitet sie. Dennoch vermisst sie manchmal den Respekt der Zuhörer.

MAZ : Hatten Sie Angst am Donnerstag in Drewitz? Brauchen Sie jetzt Schutz?

Elona Müller-Preinesberger : Nein, Angst ist auch kein guter Ratgeber. Ich verstehe die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Das müssen wir ernst nehmen, auch wenn manchmal die Formen der Höflichkeit und des Respekts leider nicht eingehalten werden.

War die Stimmungslage überraschend für Sie?

Müller-Preinesberger : Die Veranstaltung hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Sachaufklärung ist. Wir müssen noch mehr informieren und Transparenz zeigen. Das nehme ich aus der Anwohnerversammlung mit.

Ist etwas schief gelaufen im Vorfeld? Wurde zu spät informiert?

Müller-Preinesberger : Nein, wir haben die Einladungen rechtzeitig verschickt.

Wer hat den Flyer herausgegeben, in dem von 87 Parkplätzen die Rede ist, die wegen der Flüchtlingsunterkunft verloren gehen könnten?

Müller-Preinesberger : Wir prüfen das im Moment. Klar ist, dass wegen der Flüchtlingsunterkunft keine Parkplatznot entstehen wird.

Ist der Standort Slatan-Dudow-Straße jetzt noch vertretbar? Oder muss man diesen Punkt wieder streichen auf der Unterkunftsliste?

Müller-Preinesberger : Der Standort ist vertretbar. Die Diskussion hat ja auch gezeigt, dass es viele Unterstützer gibt. Ich vertraue darauf, dass durch Informationen und gegenseitige Kontakte viele Ängste und Sorgen genommen werden können.

Wie bewerten Sie die Akzeptanz der anderen drei Hallenstandorte?

Müller-Preinesberger : Eine Veranstaltung kommt am Montag ja noch. Bei den anderen habe ich das Gefühl, dass die Akzeptanz da ist.

Sind ein oder zwei Wachschützer des nachts ausreichend zum Schutz der Einrichtung?

Müller-Preinesberger : In Zusammenarbeit mit der Polizei und Sicherheitsdiensten gibt es einen ausreichenden Schutz.

Ist das Klima auf den Bürgerversammlungen härter geworden? Woran liegt das?

Müller-Preinesberger : Ich finde nicht, dass das Klima rauer geworden ist. Die Menschen fühlen sich aufgerufen, sich zu äußern. Das ist gut. Sie wollen aber auch Informationen. Und die geben wir ihnen.

Muss man die Veranstaltungen jetzt anders vorbereiten? Sollte man nicht vielleicht einen Filmzusammenschnitt aus den Kriegsgebieten einspielen, ehe es zur Diskussion kommt?

Müller-Preinesberger : Nein, noch einmal: Wir brauchen weiter Information, Aufklärung und Transparenz. Wir müssen die Ängste aufnehmen und abbauen, damit kein Hass entsteht. Das ist unsere Aufgabe.

Zur Person

Elona Müller-Preinesberger ist die Beigeordnete der Landeshauptstadt für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung. Sie ist 62 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder. Sie ist parteilos und lebt in Berlin.

Mit Zuwanderung hat Elona Müller-Preinesberger langjährige berufliche Erfahrung, so war sie Mitte der 1980er die Ausländerbeauftragte beim Bezirksamt Spandau und ist seither vor allem im Sozialwesen in diversen Berliner Verwaltungen tätig gewesen.

In Potsdam ist Elona Müller-Preinesberger seit Juni 2003 als Beigeordnete tätig.

Der Sozialbeigeordneten ist es mitzuverdanken, dass Potsdam in vielen Belangen der Flüchtlingspolitik Vorreiter war. So hat Potsdam zum Beispiel als erste Kommune das Gutscheinsystem abgeschafft und sich dafür eingesetzt, dass die Residenzpflicht gelockert wird.

Von Rainer Schüler

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