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Potsdam Ängste und Vorbehalte in Drewitz
Lokales Potsdam Ängste und Vorbehalte in Drewitz
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07:49 23.10.2015
Volle Turnhalle der Drewitzer Priesterweg-Schule. Quelle: Foto: SChüler
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Drewitz

Die Ängste sitzen tief in Drewitz, die Vorbehalte, die falschen Informationen. Enttäuschung und Wut prägten am Donnerstagabend die Einwohnerversammlung zu Flüchtlingsunterkünften in Drewitz. So harten Gegenwind wie in der Turnhalle der Stadtteilschule hatte die Stadtverwaltung bislang noch nie. „Wir wollen das nicht!“ fasste eine Frau die Stimmung schon ganz am Anfang der zweistündigen Veranstaltung zusammen, als Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger schon kämpfen musste, ihre Einführung ins Thema durchzubringen. Rund 500 Menschen saßen, standen, hockten in der Halle; nicht alle hatten drinnen Platz.

Keiner der Auskunftgeber vorn im Podium durfte ausreden, nicht die Dezernentin, nicht Sozialamtsleiter Frank Thomann, nicht Polizeichef Maik Toppel. Bernd Richter, Chef des Kommunalen Immobilienservice KIS, der den Leichtbauhallenstandort an der Slatan-Dudow-Straße vorstellen wurde, gab schnell auf.

Kinder, Kitaplätze und Sicherheit

„Das wurde uns auferlegt, keiner hat uns gefragt“, rief einer von hinten. „Wir wollen das nicht“, ergänzte eine Frau. Woher die Kita-Plätze für die Flüchtlingskinder und die Plätze in den Wilkommensklassen kämen, wurde gefragt; es gäbe schon für Potsdamer Kinder nicht genug Plätze; die Schulen seien überfordert. Da half es wenig, dass die Dezernentin garantierte, jedes Potsdamer Kind werde versorgt, und das Land stelle neue Lehrer ein. „Ihr belügt euch doch selber“, schrie einer in der Halle; Beifall brandete auf.

Immer wieder waren die Kinder Thema. Wer garantiere deren Sicherheit auf dem Schulweg und dem Spielplatz, wurde gefragt. Wer ziehe Flüchtlinge zur Rechenschaft, die stehlen und Bürger angreifen - jemand hatte von soetwas gehört, wusste aber nicht, wo das passiert sein soll. Die Sicherheitsfirma City Control und Polizeichef Toppel versicherten, es gebe an den Flüchtlingsunterkünften kein Kriminalitätsproblem. Die Asylbewerber würden behandelt wie jeder Deutsche auch.

Kritik an Bundesregierung

Entrüstung über die Politik des Bundes und der Stadt brach sich Bahn. Man sei nicht informiert worden, habe keine Alternativen und müsse alles hinnehmen. Die Stadt habe ihr Vertrauen verspielt. „Warum gab es keine Bürgerbefragung?“ fragte einer. Weil die Entscheidung den Stadtverordneten obliege, die von den Bürgern gewählt wurden, entgegnete Elona Müller-Preinesberger. „Wir haben die nicht gewählt“, war da das lautstarke Echo. Die Zorneswogen glätten wollte ein Drewitzer, ein junger Mann, der Flüchtlinge betreut im Erstaufnahmeheim am Horstweg. „Macht Euch keinen Kopf“, sagte er: „Die haben vor Euch mehr Angst als Ihr von denen.“

Sozialamtsleiter Frank Thomann nahm die Ängste der Drewitzer vor einer „ Flut von jungen Männern“ auf und sagte, auch Frauen würden in den Leichtbauhallen unterkommen; nur Familien mit Kindern wolle man in festen Wohnungen unterbringen.

Appell einer Rentnerin

„Irritiert“ war eine Rentnerin , die selber mal ein Weltkriegsflüchtling war. Sie habe „Riesenangst“, dass in Drewitz künftig was passiert. „Diesen Menschen muss doch geholfen werden“, rief sie: „Benehmen wir uns anständig und suchen gemeinsam eine ordentliche Lösung!“ Auch dafür gab es Beifall, laut sogar.

INFO: Der Liveticker von der Infoveranstaltung zum Nachlesen

Von Rainer Schüler

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