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Potsdam Ärger um Sex und Hunde am Luisenplatz
Lokales Potsdam Ärger um Sex und Hunde am Luisenplatz
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00:22 11.08.2018
Ele stellt eine Passantin zur Rede, die ihren Hund in der Fontäne baden ließ. Quelle: Rainer Schüler
Brandenburger Vorstadt

Nicht nur die sengende Sonne macht Eleanora Terrelonge-Griffith de Franke derzeit zu schaffen, die kennt sie aus ihrer costarikanischen Heimat zur Genüge. Gedankenlose, rücksichtlose Menschen auf „ihrem“ Luisenplatz setzen der „Blumenfee“ zu, die alle nur als Ele kennen. Mit unglaublichen privaten Kosten verschönert sie den Platz seit rund vier Jahren, lässt dank breiter, oft nachbarschaftlicher Hilfe immer wieder aufhorchen durch neue Gestaltungselemente und hält ihre üppigen Pflanzungen das ganze Jahr hindurch am Leben.

„Ich wollte die Blumen gießen, aber da hatten welche Sex auf einer Bank“

Doch zuweilen gehen der Mittelamerikanerin auch mal die Nerven durch, wenn sie sieht, was so passiert auf diesem Platz. Als die Stadt am Dienstag die „Betonschüssel“ der großen Fontäne abließ und die Abläufe und Filter reinigte, wurde deutlich, was Ele meint: Steine, Sand, Kronkorken, Tütenreste, Tampons und ein Kondom –benutzt, sie hat es selbst gesehen.

„Das war letzte Woche, nachts früh um zwei“, erzählt sie dem MAZ-Reporter: „Ich wollte in der Kühle meine Blumen gießen gehen“ und glaubte nicht, was sie da sah: Auf einer Bank auf der Sparkassenseite des Platzes steckte ein Pärchen im heftigen Liebes-Spiel und bemerkte die Frau mit den weißblonden Rastazöpfen nicht, die auf sie zu kam und unerschrocken zur Rede stellte.

Der Mann sprang fluchend von seiner Partnerin, riss sich das Verhüterli von seinem „besten Stück“ und warf es ins Wasserbecken der Fontäne. Ele geriet in Zorn; das hier könnten sie doch wohl nicht machen, wies sie das Paar zurecht. „Das geht dich gar nichts an“, zischte der Mann und verschwand mit seiner Liebes-Partnerin. Wo das Kondom geblieben war, zeigte sich nun beim Wasser(ab)lassen der Fontäne.

Ketten wie in Sansscouci?

Und während Ele der MAZ davon und von Kindern erzählt, die Steine aus ihren Pflanzungen an den Platzbäumen pulen und ins Becken werfen und von täglich mindestens einem Dutzend badenden Hunden, denen Herrchen oder Frauchen auch noch im Becken das Fell waschen und den Hintern, stapft eine junge Frau mit einem eher kleinen Hund durchs flache Becken, bespritzt ihn der Hitze wegen mit Wasser. „Da kommen Hautpartikel und Haare ins Wasser“, ärgert sich Ele: „Und dann steigen reihenweise Kinder rein, haben dieses Hundewasser am Körper, an den Händen und auch im Gesicht!“ Sie beobachte sogar Hundehalter, die mit eigenen Kindern im Becken planschen, sorglos ob des hygienischen Problems.

Ele wünscht sich „solche Hängeketten wie in Sanssouci“: Das verhindere zwar nicht das Betreten der Fontänenschüssel, mache aber deutlich, dass das eigentlich nicht erlaubt ist. Und sie hätte gerne kleine Strahler zwischen ihren Pflanzkübeln und dem Becken. Das holt den Platz aus seinem nächtlichen Dunkel, macht ihn anschaubar auch nachts und dient der Orientierung für Orientierungslose.

Schon mehrfach hat sie von ihrem Balkon aus Männer beobachtet, die etwa in der „Cuhibar“ zu viel getrunken hatten, lautstark über den Platz torkelten, über ihre Pflanzzäune an den Bäumen stolperten und sogar ins Becken stürzten. „Wenn da mal keiner dabei ist, ist am Morgen vielleicht jemand tot.“ Auch eine Wegebefestigung gehört zu Eles Wünschen.

Zapfrohre für die Hydranten von der Stadt

Erfüllt hat sich indes ihr jahrelanger Wunsch nach einem Wasseranschluss; sie hat jetzt sogar zwei. Die Stadt hat ihr zwei Zapfrohre für die unterirdischen Hydranten ausgehändigt und verlangt kein Wassergeld für die Pflege der Pflanzen. „Ich habe geweint, als ich die Pumpenanschlüsse bekam“, freut sich die Blumenfee, die noch „Leckerli“ zu zeigen hat: Am Tiefgaragen-Treppenturm gegenüber dem Brandenburg prangen in einem geschwungenen Rahmen aus buntem Glasbruch drei goldene Königskronen.

„Blumenfee“ Ele zeigt der MAZ die drei vergoldeten Kronen am Tiefgaragenzugang sollen an drei Frauen von Kaisern und Königen erinnern, über die kaum jemand spricht. Quelle: Rainer Schüler

„Alle Welt spricht immer über die Könige und Kaiser, aber nie über die Frauen neben und hinter diesen Männern, die Kinder kriegen und die wahren Könige sind.“ Die oberste Krone –alle drei sind von ihr selbst vergoldet worden –gebührt Victoria, der britischen Frau an der Seite des sogenannten 99-Tage-Kaisers Friedrich Wilhelm III., die zweite versinnbildlicht das Leben von Augusta, der Ehefrau des Prinzen Wilhelm von Preußen (später Wilhelm I.), Vater des späteren 99-Tage-Kaisers Friedrich III., eigentlich Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen. Wilhelm I. war mit Luise von Mecklenburg-Strelitz verheiratet –Krone Nr. 3 am Luisenplatz. Über eine erklärende Tafel für Passanten denkt Ele noch nach.

Viel nachgedacht hat sie seit zweieinhalb Jahren über diese Kronen und in Andreas Klein den ausführenden Bildhauer Stukkateur; die Monate besorgten Thomas Pauli und Karten Ebell vom Stuckgeschäft Potsdam. Jan Seifert brachte ihr im Schnelldurchgang das Vergolden bei. Am 24. August sollen die Kronen präsentiert werden, dann auch sie mit einem Bruchglas-Hintergrund. Die neuen Pflanzgefäße aus Recycling-Beton mit den Königslilien daran hat die Firma Beton und Naturstein Potsdam zu extremen Vorzugspreisen angefertigt und geliefert.

Die neuen Pflanzgefäße der Potsdamer Firma BNP tragen Königslilien. Quelle: Rainer Schüler

Sogar Müllfahrer der Step halfen beim Aufstellen am Platz.

Von Rainer Schüler

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