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Potsdam AfD-Kandidat: „Zwölf bis 13 Prozent in Potsdam“
Lokales Potsdam AfD-Kandidat: „Zwölf bis 13 Prozent in Potsdam“
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20:58 11.03.2018
Dennis Hohloch ist der Kandidat der AfD für die Oberbürgermeisterwahl im September. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Dennis Hohloch wird für die Alternative für Deutschland (AfD) in den Oberbürgermeisterwahlkampf in Potsdam ziehen. Der Stadtverordnete wurde am Samstag bei einer nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung mit 60 Prozent der Stimmen gewählt. Gegenkandidat war Herbert Heider.

Potsdamer AfD-Kandidat ist Chef der „Jungen Alternative“ im Land

Der gebürtige Potsdamer Hohloch hat Geografie und Geschichte studiert. Als Studienrat ist er beim Berliner Senat tätig. Bis 2013 war er Mitglied der SPD. Später trat er in die neu gegründete AfD ein; unter anderem weil ihm die SPD „nicht basisdemokratisch genug“ gewesen sei.

Der 28-Jährige ist Vorsitzender der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) Brandenburg. Die JA hatte zuletzt mit dem Verteilen eigener T-Shirts auf sich aufmerksam gemacht, auf denen indirekt zur Jagd auf Merkel aufgerufen wurde.

Hohloch verteidigt Symbolik auf „Merkel Jagd Club“-Shirt

„Merkel Jagd Club“ steht auf den mit einem Dackel und gekreuzten Schusswaffen verzierten Shirts – eine Anspielung auf die Aussage von AfD-Politiker Alexander Gauland, der nach der Bundestagswahl 2017 angekündigt hatte, Kanzlerin Angela Merkel „jagen“ zu wollen. Seitlich neben dem Logo sind auf dem T-Shirt Kornblumen zu sehen – sie galten als Erkennungszeichen der österreichischen Nazis in den 1930er-Jahren. Das Symbol ist in der Szene geläufig. Auch österreichische FPÖ-Politiker schmücken sich mit der Kornblume.

Zur MAZ sagte Hohloch am Sonntag, die Blume sei „ein gebräuchliches Freiheitssymbol, zurückgehend auf Königin Luise,“ und von den Nazis instrumentalisiert worden. Auch Wagner habe zu Hitlers Lieblingskomponisten gezählt – dennoch sei Wagner heute noch populär.

Provokation in der Stadtverordnetenversammlung

Für Aufsehen hatte 2017 ein Antrag der AfD in der Stadtverordnetenversammlung gesorgt, bei dem es darum ging, ein Begrüßungsgeld für Babys einzuführen. Der Pferdefuß: Es sollte nur an Eltern ausgezahlt werden, die einen deutschen Pass haben und ihren Hauptwohnsitz seit mindestens einem Jahr in Potsdam haben. Nach stürmischer Debatte – so warf man Hohloch „nationale Deutschtümelei“ vor – wurde der Antrag von allen anderen Fraktionen abgeschmettert.

Wahlkampf-Schwerpunkt: „Autofreundlichere Politik“ und Flüchtlinge

Im Oberbürgermeisterwahlkampf will sich der Kandidat auf Themen wie sozialen Wohnungsbau, Verkehrsprobleme, den Ausbau des Park&Ride-Systems und die schnelle Realisierung der Krampnitz-Tram fokussieren. „Empört“ sei er über „hohe Mieten und die Förderung linker Strukturen wie das Jugendzentrum ,Freiland’.“

Zudem schreibt sich Hohloch eine „autofreundlichere Politik“ auf die Fahnen. Und: „Die Problematik um die Asylbewerber wird ein Schwerpunkt des Wahlkampfs sein.“

Kandidat will sich von Antisemitismus „klar abgrenzen“

Mit Sorge betrachtet die F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz die Entwicklung der AfD. Am Freitag wurde bei einer Tagung in Potsdam, an der auch Vertreter jüdischer Gemeinden teilnahmen, ein Zusammenhang zwischen dem ansteigenden Antisemitismus in Ostdeutschland und der Partei von Alexander Gauland und Alice Weidel hergestellt: „Die AfD bedient Klischees und Fremdenfeindlichkeit“, kritisierte Susanne Krause-Hinrichs, Geschäftsführerin der Flick-Stiftung, gegenüber der MAZ.

Nach eigener Aussage kann Hohloch mit Antisemitismus indes nichts anfangen. Er werde sich davon „klar abgrenzen“ – zumal es in seinem Freundeskreis drei Juden gebe.

AfD sieht Ob-Wahl als Testlauf zur Kommunalwahl 2019

Aus AfD-Sicht ist die Oberbürgermeisterwahl am 23. September schon ein „Testlauf“ für die Kommunalwahl 2019. Im Wahlkampf wolle man durchaus „provokant“ sein, kündigte Hohloch an. In Potsdam könnte die Partei seiner Schätzung nach„zwölf bis 13 Prozent“ holen.

René Springer ist neuer AfD-Kreischef

Bei der Mitgliederversammlung am Sonnabend ist René Springer zum neuen Potsdamer AfD-Kreischef gewählt worden. Das gab der bisherige Kreischef Thomas Jung auf MAZ-Nachfrage bekannt. Jung war nicht erneut angetreten; Springer sei der einzige Kandidat gewesen, so Jung.

René Springer, Jahrgang 1979, ist seit 2015 AfD-Mitglied. Seit 2017 sitzt er im Bundestag.

Die AfD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung besteht aus Sylke Kaduk und Dennis Hohloch.

Von Ildiko Röd

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