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AfD gegen Schauspiel über Flüchtlingshelfer

Streit um Inszenierung an Potsdamer Theater AfD gegen Schauspiel über Flüchtlingshelfer

Mit der geplanten Inszenierung des dokumentarischen Stücks „Illegale Helfer“ feiere das Potsdamer Hans-Otto-Theater „Gesetzesbrecher“, erklärt die AfD-Fraktion im Potsdamer Rathaus. Das Theater „täte gut daran, sein Programm noch einmal zu überdenken“. Intendant Tobias Wellemeyer weist die Kritik entschieden zurück.

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Die HOT-Schauspieler Andrea Thelemann, Denia Nironen, Friedemann Eckert in „Illegale Helfer“. Premiere ist am 9. Juni.

Quelle: HOT/HL Böhme

Potsdam. Das Hans-Otto-Theater (HOT) weist Kritik der AfD-Fraktion im Potsdamer Rathaus an der geplanten Aufführung des dokumentarischen Stücks „Illegale Helfer“ zurück. Autorin Maxi Obexer hat Interviews mit Menschen aus der Bundesrepublik, aus Österreich und der Schweiz geführt, die aus verschiedenen Beweggründen illegalen Einwanderern und Flüchtlingen helfen oder geholfen haben. Das Stück wurde mehrfach ausgezeichnet und vom WDR als Hörspiel produziert. Das HOT ist laut Intendant Tobias Wellemeyer das erste Theater in Deutschland, das den Text auf die Bühne bringt. Premiere ist am 9. Juni.

Die Afd-Fraktion erklärt in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Hans-Otto-Theater feiert Gesetzesbrecher“, sie lehne „die Aufführung von Theaterstücken, in denen Gesetzesbrüche honoriert und für gut befunden werden, kategorisch ab. Das Hans-Otto-Theater täte gut daran, sein Programm noch einmal zu überdenken“. Auch humanitäre Hilfe müsse sich an Recht und Gesetz halten.

Das ist die Grundidee des öffentlichen Theaters

Intendant Wellemeyer hält dem entgegen: „Jenseits der Debatte über Gesetze, die die Politik führt und führen muss, geht es hier um den Raum des persönlichen Gewissens.“ Theater sei „geradezu verpflichtet, diese dramatische und moralische Debatte zu führen“, das sei „ quasi die Grundidee des öffentlichen Theaters“. Maxi Obexer setze „sich seit Jahren kontinuierlich recherchierend und schreibend mit diesen Fragen um Recht und Gewissen auseinander“. In „Illegale Helfer“ lege sie den Fokus „auf die innere moralische Entscheidung jedes Einzelnen – wann ist der Punkt da, wo ich überzeugt bin, helfen zu müssen“.

Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) bestärkte Wellemeyer: „Der Intendant des Hans-Otto-Theaters hat nach seinem Intendantenvertrag die volle künstlerische Freiheit über das, was an der Bühne gespielt wird.“ Mit dem Stück „Illegale Helfer“ greife das HOT eine „aktuelle gesellschaftliches Themenstellung auf, die gegenwärtig zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Kirchenasyl diskutiert“ werde.

„Alternative“ verhält sich „wie eine Diktatur“

Linken-Kreisschef Sascha Krämer kommentierte, „die sogenannte Alternative“ verhalte sich „wie eine Diktatur“: „Was nicht passt, muss verboten werden.“ Er empfehle der AfD-Fraktion: „Gehen sie ins Theater, schauen sie sich das Stück an bevor sie urteilen und respektieren sie die Freiheit der Kunst.“

Die Frage der MAZ nach vergleichbaren Äußerungen zu früheren Inszenierungen des HOT wurde vom Intendanten am Donnerstag verneint. Der letzte prominente Fall von Zensur hat sich am HOT vor 27 Jahren ereignet, als die Inszenierung „Revisor oder Katze aus dem Sack“ (in der Hauptrolle Jörg Schüttauf) nach drei Vorstellungen aus dem Spielplan genommen wurde. Legendär ist das Verdikt von SED-Bezirkschef Günther Jahn nach der Premiere am 21. Mai 1989: „Die Konterrevolution marschiert!“

Vorstellungen unter Polizeischutz gab es etwa am 30. Januar 2001, als Serdar Somuncu im damaligen Theaterhaus am Alten Markt aus Hitlers „Mein Kampf“ las – eine „Nationale Bewegung“ hatte mit einem Anschlag gedroht, und am 30. März 2008 in der Schiffbauergasse zur Uraufführung der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie, der für dieses Werk im Iran in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde.

Von Volker Oelschläger

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