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Potsdam Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen
Lokales Potsdam Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen
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15:38 25.11.2018
Jana Mittag und Heiderose Gerber vom Frauenzentrum, die Schülerin Hong Anh Nguyen und die Sozialarbeiterin Elena Riese (von links) stellen sich gegen Gewalt an Frauen. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Es gilt jetzt, keine Zeit zu verlieren. Blaulicht, Tempo, schnell zur Tür und helfen: 441 Mal ist die Potsdamer Polizei im vergangenen Jahr zu Fällen von häuslicher Gewalt gerufen worden. In den allermeisten Fällen waren die Opfer Frauen. Körperverletzung, Vergewaltigung oder Freiheitsberaubung heißen die Delikte dann. Und die Fälle, in denen die Polizei tatsächlich einschreitet, sind nur ein Bruchteil derer, die tatsächlich Tag für Tag hinter Potsdams Türen stattfinden. Zum Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, der am 25. November stattfindet, beleuchten Aktivistinnen das Dunkelfeld.

„Man rechnet damit, dass lediglich jeder Fünfte Fall von häuslicher Gewalt angezeigt wird“, sagt Heideorse Gerber vom Autonomen Frauenzentrum Potsdam. „Zudem geht den Hilferufen sehr oft eine jahrelange Geschichte voraus.“ Im Durchschnitt erlebten die Opfer sieben Jahre lang Verletzungen und Demütigungen, bis sie sich an die Polizei wandten, berichtet Heiderose Gerber. Sie hat den Überblick über die verschiedenen Hilfsangebote für Frauen in der Stadt. Das Frauenhaus, die Beratungsstelle und die Notfallwohnung sind ständig ausgelastet.

Trauriger Spitzenreiter

Im vergangenen Jahr gab es eine Steigerung von 9,7 Prozent bei den Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in Brandenburg. Die meisten Delikte fanden in Potsdam statt.

Mehr als 100 Frauen und Kinder fanden Schutz im Frauenhaus. Gleichzeitig mussten aber auch 62 Schutzsuchende in andere Städte geschickt werden, weil nicht genug Plätze vorhanden sind.

Auch die Frauennotwohnung war im letzten Jahr voll ausgelastet. Sie wird bewohnt, wenn längerfristig betreut werden muss.

Gerade erst habe ein Frauenhaus in Frankfurt/Oder schließen müssen. Dabei steigt die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen jährlich an. Seit 2001 wird sie erhoben. „Anfangs dachten wir beim Anstieg, es liege vor allem daran, dass es die Statistik erst seit kurzem gebe“, sagt Gerber. „Aber mittlerweile sehen wir alle, dass es ein realer Anstieg ist, es wird jedes Jahr schlimmer.“

Prävention und Täterarbeit sind wichtig

Helfen, da sind sich die Expertinnen im Frauenzentrum sicher, würden vor allem Prävention und die Arbeit mit den Männern, die bereits zu Tätern geworden sind. Jana Mittag ist im Frauenzentrum für Kommunikation und Vernetzung zuständig, sie kennt die Situation auch außerhalb Potsdams gut. „Wir müssten an alle Grundschulen gehen und dort mit der Gewaltprävention anfangen“, sagt sie. Und auch später, wenn bereits Gewalt geschehen ist, fehlt in Brandenburg ein wichtiges Werkzeug. „In jedem Bundesland haben Gerichte die Möglichkeit, Täter zu so genannter Täterarbeit zu zwingen“, sagt Jana Mittag. „In Brandenburg aber nicht, das ist ein großes Manko.“

Doch die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums sind vorsichtig optimistisch. „Ich habe das Gefühl, die Öffentlichkeit nimm diese Thematik immer mehr wahr“, sagt Jana Mittag. „Da wachsen viele kluge, besonnene Männer nach.“ Heiderose Gerber setzt auf bessere Infrastruktur: „Die Bundesregierung hat häusliche Gewalt auf dem Schirm und arbeitet an einem Masterplan, durch den unsere Region nur profitieren kann.“

Selbsttest für jede und jeden

Auch jetzt schon laufen viele kleinere Projekte. Eins davon ist die Kampagne „Was geht bei euch“, die sich an junge Menschen richtet und ein gesundes, gleichberechtigtes Bild von Partnerschaften vermitteln soll. In drei Themenkomplexen –Kommunikation, Nähe und Sexualität – testen sich die Jugendlichen selbst. „Es ist ein bisschen wie ein Test aus der Bravo“, sagt Jana Mittag. „man hangelt sich an verschiedenen Antworten entlang und reflektiert dabei, wie man eigentlich über die Themen denkt.“ Die 16-jährige Ho Angh Nguyen aus Potsdam hat den Test gemacht.

Aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern gemeinsam mit einer Freundin vor der Kamera. Die beiden jungen Frauen treten in einem Videoclip zur Kampagne auf. „Ich glaube, mit einer solchen Aktion kann man meine Generation viel besser ansprechen als mit trockenem Aufklärungsunterricht in der Schule“, sagt Ho Angh Nguyen. Unter www.was-geht-bei-euch.de kann jeder diese Tests ausprobieren. „Ich glaube, das kann für Menschen jeder Altersstufe wertvoll sein“, sagt Heiderose Gerber. „Schließlich sollte jeder ab und an das eigene Handeln hinterfragen und reflektieren.“

In dem Clip sind auch zwei junge Männer zu sehen, Zion und Hessam. Sie sprechen über Sexualität, ganz offen, als gäbe es kein einfacheres Thema. „Wenn meine Partnerin etwas nicht möchte, dann mache ich das auch nicht“, sagt Hessam. Jana Mittag sieht zufrieden aus, als sie das hört. Denn genau so sprechen die besonnenen Männer, die sie sich für die Zukunft wünscht.

Von Saskia Kirf

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