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Alberichs Traum im Kunsthaus „Sans titre“

Kultur in Potsdam Alberichs Traum im Kunsthaus „Sans titre“

Mehr als 50 Künstler, darunter Größen der ostdeutschen Szene wie Harald Metzkes, Gerd Sonntag und Strawalde, vereint die aktuelle Ausstellung „Gold Geld Luxus Mensch“ im Potsdamer Kunsthaus „Sans titre“.

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Glasskulptur von Gerd Sonntag.

Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Schon der Auftakt der Ausstellung „Gold Geld Luxus Mensch“ ist dramatisch. „Die Falschmünzer“ werden in ihrem Keller mitten bei der Arbeit von anderen Gangstern überfallen. Schüsse fallen, ein Mann liegt schon am Boden. Peter Hartmann, bis 1990 stellvertretender Direktor des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR und Direktor der Neuen Berliner Galerie im Alten Museum, ist einer der ausgewiesenen DDR-Kunst-Experten. Nun ist er im Potsdamer Kunsthaus „Sans titre“ Harald Metzkes wieder begegnet. Mit einer Laudatio auf dessen 1999 entstandenes Ölgemälde gratulierte der Potsdamer dem Maler vor wenigen Tagen in der Ausstellung nachträglich zu dessen 88. Geburtstag.

Harald Metzkes

Harald Metzkes: „Die Falschmünzer“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Metzkes ist einer von mehreren Größen der Kunst-Szene Deutschland-Ost, die sich an der Gruppenausstellung mit mehr als 50 Künstlern beteiligen. Gleich neben seinen „Falschmünzern“ direkt am Eingang hängen an der himmelblau gestrichenen Wand drei charismatische Aktaufnahmen der fast 60-jährigen Primaballerina Steffi Scherzer in Schwarz-Weiß. Bildautor Manfred Paul, der zu den wichtigen Vertretern der Autorenfotografie in der DDR zählt, war einer der Mentoren von Mikos Meininger, Vorstand des „Sans titre“, der die Ausstellung gemeinsam mit dem Galeristen Werner Ruhnke und der Kunstagentin Isolde Nagel kuratiert hat.

Mikos Meininger mit Michael Jastrams Bronzeskulptur „La Luna“

Mikos Meininger mit Michael Jastrams Bronzeskulptur „La Luna“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Immer wieder wird das auf Glanz und materiellen Reichtum fixierte Thema der Ausstellung ironisch oder sarkastisch gebrochen. In einem Kopf aus Glas von Gerd Sonntag, in den 1980er Jahren Meisterschüler bei Theo Balden, pocht gierig wie in Alberichs Schädel ein Block aus Gold. Nur wenige Schritte weiter hängt das Fotoporträt eines Obdachlosen von Gerald Adam neben einem Porträt von Angelika Platen ohne Titel, das mit Jeff Koons einen der kommerziell erfolgreichsten Künstler der Welt zeigt. Meditative Raumstudien des Potsdamer Fotografen Hassan J. Richter von vergessenen Sälen, deren Farbe in dichten Fetzen von Decke und Wänden blättert, blicken auf Michael Jastrams Bronzeskulptur mit einer endlich zur Ruhe gekommenen „La Luna“ und Volker Bartschs Linolschnitt „Belle Etage“ mit seinem auf güldenem Grund wütend wogenden Häusermeer.

Strawalde hat eigens für die Ausstellung eine „Aprilmünzcollage“ geschaffen, die einen Platz im zweiten, purpurrot getünchten Raum der Galerie gefunden hat; es ist eine Arbeit angefüllt mit kapitalistischer Betriebsamkeit und einem Flaschengeist, der einer schlanken, schwarzen Wolke gleich am rechten Bildrand aufsteigt, bereit, all diesen Reichtum zu verschlingen.

„Gold Geld Gier Luxus schafft den Menschen ab, damit die Reichen unter sich bleiben“, hat der Potsdamer Regisseur Günter Simon zur Vernissage mit dem Stift an eine Wand geschrieben. Auf dem Hof des „Sans titre“ liegt im Schatten eines Verschlages die voluminöse Installation „AugenZuUndDurch“ von Karola Rückholz, ein bräunlich-bunter Haufen aus schmutzigen Plüsch- und Stofftierteilen, der unter Nässe, Staub und Birkenresten allmählich in sich zusammensinkt. Auch das ist ein Kommentar zu „Gold Geld Luxus Mensch“.

Das Kunsthaus „Sans titre“

Das Kunsthaus „Sans titre“ (ohne Titel) wurde vor knapp acht Jahren von den Künstlern Constanze Henning, Chris Hinze und Mikos Meiniger in einem leer stehenden Gebäude der Energiewirtschaft an der Französischen Straße 18 eröffnet.

Vermieter ist die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft PWG 1956, die auf dem Grundstück mittelfristig neue Wohnungen bauen will. Im Mai haben die Stadtverordneten auf SPD-Antrag jedoch beschlossen, dass das Kunsthaus per Ergänzung des Bebauungsplans nicht nur gesichert werden, sondern zudem eine Erweiterungsoption zur Französischen Straße bekommen soll.

Neben dem Ausstellungsbetrieb gibt es im „Sans titre“ mit seinen insgesamt 800 Quadratmetern Nutzfläche mehrere Ateliers. Aktuell arbeiten in dem Haus neben Mikos Meininger die Erlebnispädagogin Karen Münzer und der Fahrradverleih 33 Tandems.

Die Ausstellung „Gold Geld Luxus Mensch“ ist mit „Sans titre“ noch bis 3. September zu sehen, geöffnet Do-So 14-19 Uhr und nach Vereinbarung 0172/394 20 39.

Von Volker Oelschläger

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