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Alexander Finkenwirth verlässt das HOT

Theater Spielzeit 2016/2017 Potsdam Alexander Finkenwirth verlässt das HOT

Er war einer der herausragenden Schauspieler im 25-köpfigen Ensemble des Hans-Otto-Theaters. Alexander Finkenwirth will sich künftig auf seine Arbeit für den Film konzentrieren. Der 30-Jährige verlässt zum Ende der Spielzeit das Potsdamer Theater. Am Dienstag wurde der neue Spielplan vorgestellt.

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In guter Erinnerung: Alexander Finkenwirth.

Quelle: HL@HLBOEHME.COM

Potsdam. Vor zehn Jahren bezog das Ensemble des Hans-Otto-Theaters (HOT) den markanten Neubau am Tiefen See. Aus Potsdams Stadtbild sind die drei Hahnenkämme von Pritzker-Architektur-Preisträger Gottfried Böhm nicht mehr wegzudenken. Doch entscheidend ist natürlich, was unter dem Dach des Theaters passiert.

Die aktuellen Zahlen

109  000 Zuschauer hatte das Hans-Otto-Theater in der laufenden Saison. Die Auslastung im Neuen Theater liegt bei 65 Prozent. „Wenn an einem Donnerstagabend im Parkett 200 Zuschauer sitzen, ist das eine Menge, aber gemessen an der Kapazität des Hauses bedeutet das eine Auslastung unter 50 Prozent.“

Sechs Aufführungen für Kinder- und Jugendliche bringt das HOT in jeder Spielzeit mit Gastschauspielern heraus. Die Zuschauerauslastung in diesem Segment in der Reithalle liegt bei 98 Prozent. Durch die niedrigen Ticket-Preise lassen sich mit den 31  500 jungen Besuchern (Tendenz steigend!) aber nur ein Viertel der sonst üblichen Einnahmen erzielen.

„Stadt der Zukunft“ , heißt ein neues Format in der Reithalle. Das „nachtboulevard“, das hier 300 Mal stattfand, wird es nicht mehr geben. Künftig soll hier „zwei Mal im Monat ein Ort für die Träume, die Kreativität und die Visionen unserer Stadt“ entstehen. Kulturelle, soziale und politische Akteure aus Potsdam und Umgebung werden als Referenten eingeladen.

Intendant Tobias Wellemeyer stellte am Dienstag im lichtdurchfluteten Glasfoyer mit Blick auf den Babelsberger Park das Programm der kommenden Spielzeit vor. Mit seinem 25-köpfigen Ensemble setzt er vor allem auf aktuelle Stoffe und gesellschaftspolitisch brisante Themen. Der Reigen der 22 Neuproduktionen wird am 23. September mit „Geächtet“ eröffnet. Das Stück von Ayad Akhtar, das 2013 auf dem New Yorker Broadway lief, handelt von einem Einwanderer aus einem islamischen Land, den in der westlichen Welt seine alte Identität einholt. Ein dokumentarischer Theaterabend mit Flüchtlingen, die es in den letzten Monaten nach Potsdam verschlagen hat, steht am 17. März 2017 auf dem Programm. Regie wird Clemens Bechtel führen, der 2008 mit seinem Projekt „Staatssicherheiten“ schon einmal wichtige Diskussionen angestoßen hat.

Als einziger Klassiker hat es Lessing mit „Nathan der Weise“ ins Programm geschafft. Das überrascht insofern, da das Potsdamer Poetenpack eben dieses mustergültige Plädoyer für religiöse Toleranz bereits im letzten Herbst mit einer ähnlichen Intention herausgebracht hat. Dem professionellen Privattheater brachte die Einbindung einer Willkommensklasse der Potsdamer Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule bundesweite Beachtung ein. „Ein Nathan mehr ist besser als einer weniger“, konterte Wellemeyer den Einwand. Er wollte nicht auf ein anderes Stück aus der Vergangenheit zurückgreifen, etwa auf einen Aristophanes, Shakespeare oder Schiller, da ihm die Vergegenwärtigung alter Stoffe derzeit nicht relevant erscheint.

Noch in der laufenden Saison, am 9. Juni, steht mit „Illegale Helfer“ eine Premiere vor der Tür, die dem Theater bereits von der AfD-Fraktion den Vorwurf eingebracht hat, hier würden Gesetzesbrecher verherrlicht. Im Mittelpunkt werden Menschen stehen, die illegalen Einwanderern und Flüchtlingen geholfen haben. „Uns und der Autorin Maxie Obexer geht es vor allem um Gewissensfragen“, sagte Wellemeyer vor Journalisten. „Aber als jemand mit ostdeutscher Herkunft finde ich es schon ziemlich krass, wie sich der AfD das Verhältnis von Kultur und Demokratie vorstellt.“

Das 250-seitige Spielzeit-Heft, das ab sofort überall ausliegt, verrät, dass drei Schauspieler das HOT- Ensemble verlassen. Holger Bülow wechselt nach Dresden und Axel Sichrovsky möchte künftig auch als Regisseur frei arbeiten. Einen deutlichen Verlust stellt der Weggang von Alexander Finkenwirth dar, der als großes Talent gilt und in Inszenierungen wie „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“, „Wie im Himmel“ oder auch jüngst als Peer Gynt überragende Leistungen ablieferte. Er will künftig der Arbeit für den Film den Vorrang geben.

Aus 50 Bewerbern, die zum Vorspiel nach Potsdam eingeladen wurden, wählte sich Wellemeyer drei Neuzugänge aus. Frédéric Brossier, Moritz von Treuenfels und Jonas Götzinger sollen die Lücken schließen. Sie werden in der blauen Broschüre in Wort und Bild kurz vorgestellt. Wie jedes Ensemble-Mitglied haben sie den Satz vervollständigt: „Ich möchte in einem Land leben, ....“

Intendant Tobias Wellemeyer weiß noch nicht, ob die Stadt Potsdam seinen Vertrag, der 2019 ausläuft, verlängert. „Das wird sich noch im Laufe dieses Jahres klären“, sagte er. Mit dem Oberbürgermeister sei er im Gespräch.

Von Karim Saab

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