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„Alle Räume werden von allen genutzt“

Potsdamer Synagogenbau „Alle Räume werden von allen genutzt“

Abraham Lehrer ist der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle für Juden in Deutschland (Zwst). Zum ersten Mal, seitdem das Kulturministerium der Zwst im Frühsommer das „heiße Eisen“ des Synagogenbaus an der Schlossstraße übertragen hat, spricht Lehrer nun über die Fortschritte und möglichen Perspektiven des schwierigen Langzeit-Projekts.

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Abraham Lehrer engagiert sich für die Synagoge.

Quelle: POOL/dpa

Potsdam. Seit Jahren stagniert das Synagogenprojekt. Nach vergeblicher Moderation zwischen den jüdischen Gemeinden übertrug das Kulturministerium vor einigen Monaten die Aufgabe an die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (Zwst). Wie es um eine Einigung steht, erklärt der Zwst-Vorsitzende Abraham Lehrer im MAZ-Interview.


MAZ:
Wann ist endlich der Baustart für die Synagoge?

Abraham Lehrer: Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich weiß es wirklich nicht. Wir sind im Kerngespräch mit den beteiligten Parteien. Ursprünglich hatten wir gesagt, wir versuchen einen Kompromiss bis Jahresende abzuschließen. Die grundsätzlichen Gespräche sind zwar jetzt beendet und es ist gelungen, einen Konsens zwischen den Beteiligten herbeizuführen. Jetzt wird es noch um Details der Raumstruktur und der Nutzung gehen. Es wird also noch ein bisschen dauern.

Konsens – das klingt fast wie ein Wunder. Haben Sie es wirklich geschafft, alle widerstreitenden Parteien unter einen Hut zu kriegen?

Lehrer: Wir sprechen ja von vier Parteien – der Jüdischen Gemeinde Potsdam, der Synagogengemeinde, den Gesetzestreuen, der Mizwa-Gemeinde – und dem Landesverband der Juden als fünfter Partei. Die Gesetzestreuen haben auf unsere Einladung nicht reagiert – leider! Die anderen drei Parteien und der Landesverband waren bei den Gesprächen dabei. Mizwa ist keine klassische Gemeinde: Sie hat andere Vorstellungen, wo der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt. Jüdische Gemeinde und Synagogengemeinde sind die zwei klassischen Gemeinden, die sich auch die Hauptarbeit in der Synagoge teilen werden.

Und wie sieht die Einigung nun konkret aus?

Lehrer: Es besteht insofern Konsens, dass wir das Projekt gerne gemeinsam entwickeln wollen. Wir haben ein paar Eckpunkte festgelegt, zu deren Inhalt ich vor der offiziellen Vorstellung nichts sagen möchte. Diese müssen unterfüttert werden. Ein paar Gesprächsrunden werden wir noch brauchen. Wenn das bewältigt ist, kommen wieder das Kulturministerium und der Architekt ins Spiel.

Wie wollen Sie auf so kleinem Raum mehrere Gemeinde unterbringen, ohne dass der Dauerstreit um die Aufteilung der Räume vorprogrammiert ist?

Lehrer: Es geht nicht darum, zu sagen: „Diese zwei Räume gehören dir, diese zwei Räume gehören mir.“ Es muss doch möglich sein, dieses Projekt auf andere Weise zu realisieren. Das funktioniert dann so, dass die eine Gemeinde eine Beratung in einem Raum durchführt, während die andere parallel beispielsweise den große Veranstaltungssaal für eine Kulturveranstaltung nutzt – und umgekehrt.

Das heißt: Alle Räume werden von allen genutzt?

Lehrer: Ja, genau. Anders wird es auch nicht gehen, und das ist mittlerweile von allen Seiten akzeptiert.

Trotzdem: Werden die Gemeinden Teile ihrer Räume an andere Orte auslagern müssen, weil der Bedarf in dem kleinen Bau schlicht nicht befriedigt werden kann?

Lehrer: Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Im Synagogenstreit war auch der Gebetsraum ein großes Thema: Ob er ins Dachgeschoss kommt oder aber ins Erdgeschoss, um am Sabbat nicht mit dem Fahrstuhl fahren zu müssen. Wie sehen Sie das?

Lehrer: Unsere Vorstellung ist, dass er ins Erdgeschoss kommt und der Veranstaltungssaal nach oben.

Für die durchschnittlichen Potsdamer ist die spannendste Frage sicher die nach der Fassade.

Lehrer: Darüber ist bislang überhaupt noch kein Wort verloren worden in meinem Beisein. Für uns steht das Konzept im Vordergrund. Aber es ist die Vorgabe von der Landesregierung, dass einer der Entwürfe des Architekten Haberland umgesetzt werden soll. Dass wir noch Änderungen umsetzen werden, steht außer Frage.

Die Zentralwohlfahrtsstelle hat ihren Potsdamer Standort an der Berliner Straße. Stimmt es, dass es Überlegungen gibt, diese Büros aufgelöst und im Synagogenbau untergebracht werden?

Lehrer: Das ist ein Teil der Überlegungen, die derzeit angestellt werden – noch ist keine Entscheidung getroffen.

Angeblich soll die Zentralwohlfahrtsstelle auch Interesse an der Nachbarimmobilie angemeldet haben: dem „Einsiedler“ an der Ecke Schlossstraße/Ebert-Straße, der von der Stadt zum Verkauf angeboten wird. Ist da was dran?

Lehrer: Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass unser Konzept auf dem Raum der Synagoge nicht umgesetzt werden kann, würden wir versuchen, mit der Landesregierung zu reden, um anderswo Quadratmeter dazuzubekommen. Aktuell gibt es aber von unserer Seite keine Forderung an die Landesregierung. Auch am „Einsiedler“ haben wir bis dato kein Interesse.

Von Ildiko Röd

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