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Potsdam Alle zwei Jahre Tests
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13:09 14.08.2014
Diese Kinder aus der Bürgel-Schule lesen gern. Über Motivation und Fähigkeiten lesender Kinder forschen Entwicklungspsychologen. Quelle: Köster
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Golm

Anna liest gut. Am liebsten mag sie Abenteuergeschichten. „Das macht einfach Spaß“, sagt die Achtjährige. Kann Anna so gut lesen, weil sie verrückt nach Geschichten ist und sich anstrengt? Oder hat sie nur deshalb Spaß am Lesen, weil es ihr von Anfang an leicht fiel? Was war zuerst da: Motivation oder Fähigkeit?
Das Beispiel ist fiktiv, aber Fragen, die hier auftauchen, interessieren die Entwicklungspsychologin Birgit Elsner und ihre Mitarbeiterin Juliane Felber von der Universität Potsdam schon lange. Wie hängen bestimmte Wesenszüge von Kindern und Jugendlichen mit Problemen wie Rechtschreib- oder Leseschwäche, Übergewicht, aggressives Verhalten und Depressivität zusammen? Die seit 2005 laufende „Potsdamer Intrapersonale Entwicklungsrisiken-Studie“ (Pier-Studie) ist ambitionierte entwicklungspsychologische Forschung. Auf die Ergebnisse ist die Fachwelt weit über Deutschland hinaus gespannt. Rund 3000 Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Lehrer vor allem aus Potsdam und dem Land Brandenburg sind über viele Jahre einbezogen. Alle zwei Jahre werden die Teilnehmer zu ihren Verhaltensweisen und Interessen befragt. Dazu gibt es Tests zur Konzentration oder zur Lese- und Schreibfähigkeit. Die jeweils bis zu zweistündigen Tests finden vorwiegend an Schulen statt, mit denen die Wissenschaftler sehr erfolgreich zusammenarbeiten.

„Für die Kinder bedeutet es, unterhaltsame, zum Teil sehr spielerisch aufbereitete Dinge zu tun“, sagt Birgit Elsner. Für die Professorin, ihre Kollegen und einen Stab von zwölf Doktoranden sind die gewonnenen Daten eine unerschöpfliche Quelle. Die Zusammenhänge, die sich die Forscher dabei ansehen, sind keine komplett unbekannten Größen. „Es geht uns nicht primär darum, etwas herauszufinden, was noch nie jemand gedacht hat, sondern darum, angenommene Ursache-Wirkungs-Mechanismen und die Folgen für die Entwicklung genauer zu erforschen“, sagt Birgit Elsner. Man wisse, dass Kinder, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, häufig Ess-Störungen und Übergewicht haben. Unklar war bislang, ob die Unzufriedenheit am Anfang steht oder ob Übergewicht die Einstellung zum eigenen Körper verändert.

Die Pier-Studie soll langfristig zeigen, welche Wesenszüge die Ursachen von Verhalten sind und Probleme hervorrufen. Ein scheinbar naheliegender Faktor spielt dabei nur eine Nebenrolle. Ungünstige familiäre Verhältnisse nehmen die Potsdamer kaum in den Blick. „Wir sehen vor allem auf die inneren Faktoren des Kindes, weniger aufs Umfeld“, sagt Birgit Elsner. „Uns geht es vor allem darum, später Präventions- und Interventionsangebote bereitzustellen. Es gilt, Kinder und Jugendliche aus sich selbst heraus zu stärken und ihre eigenen Ressourcen zu fördern.“ Das familiäre Umfeld können Lehrer oder Psychologe nur schwer beeinflussen, bestimmte Wesensmerkmale eines Kindes schon. „Wir wollen erkennen, was Risiken erhöht und wie man sie verringern kann.“ Wenn sich zum Beispiel Konzentrationsschwäche als Ursache für Lernstörungen erweist, können Pädagogen Übungen entwickeln, die die Konzentration stärken.

Diese neue Stärke könnte sich auf andere Lebensbereiche auswirken. Das haben die Forscher schon entdeckt: Die Eigenschaften heranwachsender Kinder bilden ein großes Netz mit überraschenden Zusammenhängen. So zeigen die bisherigen Ergebnisse der Pier-Studie zwar jetzt schon, dass fehlende Einfühlungsgabe eine Ursache von Aggression sein kann. Aber wenn Kinder, die sich nur schwer in ihr Gegenüber hineinversetzen können, zugleich in der Lage sind, ihren Ärger gut zu kontrollieren, tritt Aggressivität seltener auf. Wie diese Faktoren zusammenhängen, hängt auch vom Alter ab. Zur Rolle des Alters kann die Studie noch viel beitragen. Bleibt eine Rechtschreibschwäche bestehen, oder wächst sich das Problem aus? Ziehen einige Störungen neue Störungen nach sich? Häufen sich Probleme ohne lern- oder psychotherapeutische Hilfe? „Darüber wissen wir noch ziemlich wenig“, sagt Birgit Elsner. Gerade deshalb will sie die Pier-Studie zunächst bis 2020 verlängern. Dann wären einige Teilnehmer schon junge Erwachsene. Ob ihre fast 3000 Studienteilnehmer aber dieselbe Geduld aufbringen, wie einst die „Kinder von Golzow“ für die berühmte filmische Langzeitstudie von Regisseur Winfried Junge, bleibt abzuwarten.

Von Rüdiger Braun

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