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Alleinerziehende haben es in Potsdam schwer

Aktionswoche der Awo Alleinerziehende haben es in Potsdam schwer

In Potsdam leben rund 5300 Alleinerziehende. Ihnen fehlt es oft an Zeit und Geld. Die Arbeiterwohlfahrt fordert mehr Entlastung, unter anderem durch kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für Kinder und Jugendliche.

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Die alleinerziehende Mutter Julia Sammler verbrachte mit Tochter Ariva (7), die sich von Anne Rahm schminken lässt, einen Nachmittag im Karli.

Quelle: Foto: Köster

Potsdam. Der größte Wunsch der Kinder Alleinerziehender ist kaum zu erfüllen. „Das Mutti mal richtig Zeit hat“, habe ein Kind auf die Frage geäußert, was sich an der Situation zu Hause denn ändern sollte, berichtet Angela Basekow, Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbandes Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (Awo). In einer Aktionswoche „Armutsfalle alleinerziehend“ hat die Awo nachgehakt, woran es Kindern und Elternteilen, die die Erziehung alleine bewältigen müssen, fehlt: an gemeinsamer Zeit und Zeit für die Mütter und Väter, sich auch einmal um sich zu kümmern.

„Als Alleinerziehende den Alltag zu organisieren, ist enorm zeitaufwendig“, sagt Angela Basekow. Am Freitag bekamen die „Super-Moms“ und „Super-Dads“ die Gelegenheit, zum Abschluss der Aktionswoche im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion einen Nachmittag mit ihrem Nachwuchs beim Probe-Fußballtraining mit dem SV Babelsberg 03 und Turbine Potsdam, Malen, Kinderschminken und Musikinstrumententest zu verbringen. Zudem gab es eine Diskussionsrunde mit Potsdams Gleichstellungsbeauftragter Martina Trauth-Koschnick zum Thema „Logistikunternehmen Familie – wie organisiere ich die Fahrwege vom Job nach Hause plus Shuttledienst zu den Freizeitbeschäftigungen meiner Kinder plus Fahrten zu eigenen Hobbys?“

Die nicht vorhandene Zeit hat dann auch wieder mit dem zweiten Problem von Ein-Eltern-Familien zu tun: Zeit ist Geld. Um allein über die Runden zu kommen, müssen Single-Mütter schuften. Gleichzeitig können viele wegen der fehlender Betreuungsmöglichkeiten nicht Vollzeit oder in gut dotierten Jobs arbeiten, die ganzen Einsatz erfordern. „Alleinerziehende sind besonders oft von Armut betroffen“, sagt die Awo-Chefin. „Diese Spirale müssen wir unterbrechen.“

Zahl Alleinerziehender in Potsdam steigt

Eine Aufgabe, der sich auch die Stadt stellen muss, denn die Zahl der Alleinerziehenden in Potsdam steige jährlich, so Stadtsprecher Jan Brunzlow. Im Vorjahr lebten in 5298 Potsdamer Haushalten Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren. 2006 waren es noch 4797.

In der Landeshauptstadt haben gerade Alleinerziehende Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden, so Angela Basekow. „Sie wohnen meist nicht in der Mitte der Stadt, weil die Mieten dort hoch sind.“ Von Wohngebieten am Stadtrand sind wiederum die Wege länger und teurer, um etwa den Nachwuchs zum Fußballtraining zu bringen. Eine Forderung der Awo deshalb: kostenfreier öffentlicher Personennahverkehr für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Auch Bildung müsse schon ab der Kita kostenfrei sein. Das Argument, dass Alleinerziehende zum Beispiel durch das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes und andere Sozialleistungen Unterstützung bekommen, lässt Basekow nicht gelten. „Dahinter steckt viel Bürokratie. Fürs Formulareausfüllen bleiben oft nur die Abendstunden“ – und wieder fehlt die kostbare Zeit fürs Kind.

Die meisten Alleinerziehenden sind Frauen

In Deutschland leben 1,6 Millionen Alleinerziehende. Das hießt in jeder fünften Familie lebt nur ein Elternteil mit Kindern zusammen.

In neun
von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter.

In den neuen Bundesländern sind Alleinerziehende laut einem aktuellen Bericht der Bundesregierung etwas häufiger vorzufinden als in den alten Bundesländern.

Von Marion Kaufmann

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