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Alles rund ums Lernen unter der Lupe

Neues Bildungsbüro für Potsdam Alles rund ums Lernen unter der Lupe

Mit einem Bildungsbüro will die Stadt Akteure aus Kita, Schule und Ausbildung besser vernetzten und Defizite bis auf Stadtteilebene erforschen. Auch die Arbeit mit Flüchtlingen soll verbessert werden.

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Bildungsbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU, l.) und Bildungsbüro-Leiterin Jutta Laukart.

Quelle: Gartenschläger

Potsdam. Der Einstieg in den Job wird immer komplizierter, fehlende Deutschkenntnisse erschweren den Wechsel in die Grundschule und Jungen hinken bei der Bildung häufig hinterher. Diese und ähnliche Beobachtungen hat Jutta Laukart in den vergangenen Jahren oft gemacht. Ob dies auch in Potsdam der Fall ist, soll die Erziehungswissenschaftlerin nun herausfinden: Zusammen mit dem Soziologen Daniel Wilsdorf führt sie das neue Bildungsbüro der Stadt. Dieses soll Schwachstellen in puncto Bildung aufzeigen und zum Handeln animieren. Am Montag wurde es im Rathaus vorgestellt.

„Ein solches Projekt ist nötig, weil wir Verantwortung für unsere Bürger tragen, präventiv tätig werden müssen, damit sich keine sozialen Brennpunkte entwickeln“, sagt die scheidende Potsdamer Bildungsbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU), die das Bildungsbüro mit aufgebaut hat. Die wachsende Stadt müsse ihr bildungspolitisches Engagement verstärken. In einem ersten Schritt sollen Laukart und Wilsdorf nun die thematischen Schwerpunkte setzen, anschließend eine Analyse der Potsdamer Bevölkerung durchführen. „Wir zeigen die Schwächen auf, schauen, an welchen Schrauben gedreht werden muss. Auf dieser Grundlage kann weiter diskutiert werden“, sagt Jutta Laukart und fügt hinzu: „Die bereits bestehenden Netzwerke wollen wir sensibilisieren, Handlungsempfehlungen geben wir nicht.“ So könnte als Resultat aus der Arbeit des Bildungsbüros beispielsweise die Schulsozialarbeit weiter ausgebaut werden.

Jungs sind bei Bildung oft im Nachteil

Unter die Lupe kommen alle Bereiche rund ums Lernen: Der Übergang vom Kindergarten in die Schule, von der Grundschule in die Sekundarstufe eins, der Einstieg ins Berufsleben. „Früher waren vor allem die katholischen Mädchen vom Lande bei der Bildung benachteiligt“, so Laukart. „Heute geraten oft die Jungen beim Lernen ins Hintertreffen. Wenn sie dann noch einen Migrationshintergrund haben, wird es richtig schwer.“ Stolpersteine gebe es auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder bei der Übernahme in den Beruf. „Im Vergleich zu früher dauern diese Phasen länger“, sagt Bildungsbeigeordnete Magdowski. Hinzu kommen unrealistische Erwartungen von Jugendlichen. So würden sie heute schneller den Job hinschmeißen als noch vor einigen Jahren. „Das liegt auch daran, weil sie unzureichend bei der Berufswahl begleitet werden.“

Nicht nur das Lernen von Kindern und Jugendlichen ist Thema im Bildungsbüro, auch die Weiterbildung kommt bei Laukart und Wilsdorf auf den Prüfstand. Zusammen mit der Potsdamer Volkshochschule und dem Amt für Statistik untersuchen sie beispielsweise, welche Bevölkerungsgruppen Kurse zur Weiterbildung besuchen und ob das Interesse daran in bestimmten Stadtteilen größer als in anderen ist. „Bildungserfolg ist immer noch an die soziale Herkunft gekoppelt. Auch deshalb müssen wir unsere Analyse auf Stadtteilebene ausweiten“, sagt Jutta Laukart: „Und nicht zuletzt kommen mit den bei uns lebenden Flüchtlingen neue Bildungsaufgaben auf uns zu.“

Drei Jahre lang soll im Potsdamer Bildungsbüro nun geforscht werden. Anschließend wird über eine Fortsetzung entschieden. „Ich gehe davon aus, dass das Projekt erfolgreich sein wird“, sagt Bildungsbeigeordnete Iris Jana Magdowski. „In manche Schulsanierung ist schon mehr Geld geflossen.“

Vom Bundesministerium gefördert

Mit insgesamt 300 000 Euro wird das Bildungsbüro der Stadt Potsdam finanziert. Mit 230 000 Euro steuert das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Löwenanteil bei. 70 000 Euro trägt die Stadt.

Rund 40 Kommunen in Deutschland haben mit einem Bildungsbüro einen Bildungsbericht erstellt.

Um Bildungsziele für die Stadt zu entwickeln, soll auch mit Bürgern gesprochen werden.

Vorgängerprojekt für das Bildungsbüro war das Programm „Lernen vor Ort“. Für eine Weiterführung fehlten aber die personellen Ressourcen. Die Förderung des Bundes macht eine Fortsetzung nun möglich.

Von Anne Mareile Walter

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