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Alltag ohne Kleidung: Im Zweifel lieber nackt

Neue Coaching-Praxis in Potsdam Alltag ohne Kleidung: Im Zweifel lieber nackt

Alice Moustier ist hochbegabt. Das war nicht immer einfach für sie. In ihrer Coaching-Praxis in Potsdam möchte sie Menschen anleiten, wie man als „Andersdenkender“ gut durchs Leben kommt. „Zeig dich, wie du wirklich bist“ – das ist ihr Lebensmotto. Zu diesem wahrhaften Sein gehört für Alice Moustier unbedingt auch die Nacktheit. Und so wirbt sie für einen Alltag ohne Kleidung.

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Ganz entspannt im Hier und Jetzt: Alice Moustier rät ihren Klienten, sich zu befreien – auch von der Kleidung.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Alice Moustier ist keine Freundin von Konventionen. Sie hinterfragt alles. Akzeptiert nur Dinge, die ihr logisch erscheinen. Nach sieben Jahren in der Waldorfschule, in der sie lernte, selbstbestimmt eigene Entscheidungen zu treffen, eckte sie bereits als Jugendliche in der Regelschule an. In Prüfungen gab sie leere Seiten ab, verweigerte die Teilnahme an Leistungskontrollen. Noten passten nicht in ihre Welt. Dennoch hat Alice Moustier ihr Abitur gemacht, anschließend sogar Mathematik und Physik studiert. Man entdeckte, dass sie hochsensibel ist, hochbegabt bis an die Grenze des Asperger-Autismus gar. Und förderte sie entsprechend.

Coaching nicht nur für Hochbegabte und Hochsensible

Am 27. Januar eröffnet Alice Moustier, heute Mitglied der Hochbegabtenvereinigung Mensa, eine Praxis in Potsdam-West, um Menschen anzuleiten, wie man auch als „Andersdenkender“, wie sie es nennt, gut durchs Leben kommt. Ein Coaching für jedermann, das sich auch, aber nicht nur an Hochsensible und Hochbegabte richtet. Nach Potsdam gekommen ist Alice Moustier indes aus einem ganz anderen Grund. Seit Jahren kämpft sie gegen eine weitere Konvention: den Zwang zur Bekleidung im Alltag. Für das Nacktsein.

„Zeig dich so, wie du wirklich bist! Das ist die Botschaft, die ich in allen meinen Coachings vermittle“, so Alice Moustier. Den eigenen Körper nicht mit Kleidung zu verhüllen sei nur die konsequenteste Form, dieses Motto anzuwenden. Alice Moustier selbst entdeckte die für sie befreiende Wirkung textillosen Agierens im Alltag während eines Hochschulseminars über Interkulturelles Arbeiten. Es ging um die Rechte von Naturvölkern. Einem indigenen Volk im Rahmen einer Exkursion bekleidet zu begegnen, sei ein Akt kultureller Dominanz und Respektlosigkeit, war sich ihr Dozent damals sicher. Und verlegte den Kurs kurzerhand auf einen Nacktcampingplatz. „Ich war fasziniert, wie eng die Gruppe nach nur zehn Tagen zusammengeschweißt war“, erinnert sich Alice Moustier.

Ihren Plan, ein Nackthotel zu eröffnen, durchkreuzten die Behörden

Das Sich-Nacktmachen, das Zeigen von Schwächen und Verletzungen, führte zu einem großen Vertrauen untereinander. „Als Andersdenkender bin ich immer aufgefallen. Ich wusste immer nur: ich bin anders, ich bin komisch. Nackt darf ich ich selbst sein. Ohne Masken. Ganz bei mir.“ In Quedlinburg schloss sich Alice Moustier einem Nudistenverein an, wollte ein Nackthotel eröffnen. Durch die Nähe zum Harzer Naturistenstieg im Wippertal, Deutschlands erstem offiziellen Nackt-Wanderweg, schien die Stadt prädestinierter Ort für die Umsetzung ihrer weitreichenden Pläne. Nackte Wohn- und Lebensformen schwebten ihr vor, Kurse, Seminare, Workshops. Alice Moustier warb für ihre Idee. Zweimal trat sie im MDR-Fernsehen auf, im Herbst 2016 begab sie sich mit Sat.1-Moderator Luke Mockridge auf Nacktwanderung und kam nebenher mit ihrem Konzept noch bis ins Finale eines Businessplan-Wettbewerbs. Aber am Ende spielten die Behörden nicht mit. Also suchte Alice Moustier nach einer aufgeschlosseneren Region.

Nackt muss niemand sein, der das nicht möchte

Das liberale Berlin vor der Tür und trotzdem beschaulich und ruhig: in Potsdam meint sie diesen Ort gefunden zu haben. In der Zeppelinstraße 47a eröffnet sie nun ihre Praxis. Auf „Etage 3“ finden sich mehrere Berater, Coaches und Heilpraktiker. In einem kleinen Zimmer führt Moustier die Einzelgespräche, für Gruppen oder Seminare steht ihr zusätzlich ein weitläufiger Aktionsraum zur Verfügung, den sich die Etagengemeinschaft teilt. Hier können alle Fenster verhängt werden, „zum Beispiel für den Nackttanz“, so Alice Moustier. Zum Coaching ist jeder willkommen: Menschen in persönlichen Lebenskrisen, Eltern mit verhaltensauffälligen oder scheinbar lerngestörten Kindern, Paare, Konfliktparteien auf der Suche nach Schlichtung. „Ich möchte schwerpunktmäßig Andersdenkende unterstützen“, so Alice Moustier, „aber nicht ausschließlich.“ Nackt muss niemand sein, der das nicht möchte. Das Coaching findet bekleidet statt, die Seminare je nach Wunsch. Doch Alice Moustier freut sich über jeden, der sich dazu entschließen kann – denn „Nacktsein war die eigentliche Idee“.

Von Marcel Kirf

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