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Alltagsrassismus: Die Angst einer Mutter um ihre Kinder

Potsdamer Bloggerin Alltagsrassismus: Die Angst einer Mutter um ihre Kinder

Die Potsdamer Autorin Sophie Sumburane hat sich nach dem Wahlergebnis ihre Angst vor Gewalt und Übergriffen von der Seele geschrieben – als „Mutter äußerlich nicht deutscher Kinder zum Erfolg der AfD“. Ihr Text wurde im Netz vielfach geteilt. Worum ging es ihr damit?

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Sophie Sumburane und ihr Mann Cremildo in Potsdam-West.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  Sophie und Cremildo Sumburane haben immer eine Karte im Kopf. Es geht ihnen nicht um den schnellsten Weg durch ihre Stadt, die früher Leipzig war und jetzt Potsdam ist. Ihre Fragen sind: Können wir dort entlanggehen, mit der Straßenbahn fahren, einkaufen gehen? Sind wir dort sicher vor Beleidigungen, vor Affenlauten, vor Sprüchen, die alle hören, aber auf die keiner reagiert?

Die Kulturjournalistin Sophie Sumburane ist in Potsdam geboren und aufgewachsen, hier ging sie auf die Sportschule, war Leistungs-Ruderin. Im Schüleraustausch fuhr sie das erste Mal nach Mosambik, und das Land ließ sie nicht mehr los. In Leipzig studierte sie Germanistik und Afrikanistik, in Mosambik lernte sie Cremildo kennen. Er zog zu ihr. Sie bekamen drei Töchter, denen man die Herkunft ihres Vaters ansieht. Denen Wildfremde über die Haare streichen, auch ungefragt. Und mit denen einige andere Kinder in der Kita nicht spielen wollen.

Wohlfühlen in Potsdam-West, unwohl in ostdeutschen Dörfern

Wenn sie an die Ostsee in den Urlaub fahren, legen sie möglichst keine Zwischenstopps ein, was mit drei kleinen Töchtern nicht so einfach ist. Aber zwischen Potsdam und der Ostsee liegt eben das platte Land, und die Dörfer Ostdeutschlands sind auf ihrer Karte im Kopf als No-Go-Area markiert. In den Ostseebädern ist es sicherer – meistens. „Auch in Graal-Müritz am Strand gab es Menschen, die sich am Strand nicht neben uns setzen wollten. Die haben laut gerufen: „Hier stinkt’s!“ Sophie Sumburane erzählt das in einer Bar in Potsdam-West. Ein sicherer Kiez auf ihrem inneren Stadtplan. Der Kiez, in dem sie aufgewachsen ist und in dem Cremildo sich immer wohl fühlte wenn sie von Leipzig aus zu Besuch kamen. „Leipzig hat zwar den Anspruch, eine weltoffene Stadt zu sein. Und es gab auch Stadtteile, in denen wir uns gut aufhalten konnten. Anderswo aber schlug uns ständig Aggressivität entgegen.“

Wahlabend: Erst Schock, dann Diskussion

Am Wahlabend saßen sie lange zusammen, schockiert vom Ergebnis der AfD. Erst waren sie sprachlos, dann diskutierten sie, was es für ihre Familie bedeutet. Was noch kommen wird. Die Anzeichen hatte es schon gegeben: So entspannt, wie es immer wirkte, sind auch die Potsdamer nicht mehr zu ihnen. Seit mehr augenscheinlich fremde Menschen in der Stadt unterwegs sind, haben auch die Sprüche zugenommen. Ältere Damen in der Straßenbahn lästern darüber, aus welchem Flüchtlingsheim Cremildo und die Töchter wohl kommen würden. Er hört ruhig zu und antwortet dann auf Deutsch. Aber die Sprüche treffen.

Sophie hat sich dann hingesetzt und einen Text für ihren Blog verfasst: „ Gedanken einer Mutter äußerlich nicht deutscher Kinder zum Ergebnis der AfD“. Er wurde hundertfach geteilt, traf einen Nerv im Netz. Die Kommentare waren zustimmend bis erschrocken. Und das wiederum fand sie erschreckend. „Für mich ist das Alltag. Und für so viele Leute war das absolut neu.“ Es gehe ihr nicht um Cremildo und sich selbst „Wir beide sind erwachsene Leute. Wir können das ab. Und Rassismus gab es schon immer.“ Es geht ihr um ihre Töchter. Und um die schweigende Masse. Schlimm sei es, wenn Mütter ihren Kindern sagen: „Spielt nicht mit denen.“ Und auch der umgekehrte Fall sei wenig hilfreich: „Es gab auch Eltern, die ihren Kindern gesagt haben: Spiel doch mal mit dem schwarzen Mädchen da. Aber damit werden die Kinder doch erst darauf hingewiesen, dass Hautfarbe irgendeine Bedeutung hat.“

Die Rassisten will sie nicht belehren, aber die Schweigenden aufrütteln. „Die braune Soße ist uns hinterher geflossen“, hat sie geschrieben. „Ich habe Angst vor der AfD, vor dem Menschenbild, das diese Partei schürt, vor dem Feuer, das sie legt.“

Von Jan Sternberg

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