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Potsdam So schön ist Potsdam aus der Luft
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00:22 21.09.2018
Ein Selfie mit ferngesteuerter Kamera unter der Tragfläche: Luftbildfotograf Robert Grahn im Cockpit seiner leuchtend roten Cessna C 172 H. Quelle: Euroluftbild/Robert Grahn
Potsdam

Felix fliegt auf Flieger. Der getigerte Kater wohnt auf dem Flugplatz Werneuchen (Barnim). In den Hangars findet er Unterschlupf – und wenn sich einer der Piloten blicken lässt, auch leicht erbeutetes Futter. Heute ist es Robert Grahn, dem Felix um die Beine streift, bis der kleine Napf endlich gefüllt ist. Der Kater ignoriert, was hinter ihm passiert: dass Robert Grahn die beiden Torflügel aufschiebt, dass er – die Hände in die Hüften gestemmt – die knallrote Cessna gemessenen Schritts umrundet und sich schließlich an einem grauen Schrank zu schaffen macht, aus dem er einen langen, schwarzen Schlauch zieht.

Robert Grahn tankt selbst. Die Cessna ist genügsam. Mit 100-Oktan-Benzin schnurrt sie wie Felix an seinem Napf. Zur Not könnte Robert Grahn auch an die Tankstelle rollen und „Super plus“ zapfen. Die Tanks sitzen bei der Cessna wie auch bei den ganz großen Kisten in den Tragflächen. Jede Seite fasst 74 Liter, von denen etwa 68 ausgeflogen werden. „Wie auch immer“, sagt Robert Grahn: „Nach drei Stunden und fünfundvierzig Minuten hört der Propeller auf, sich zu drehen – und wir fallen runter wie ’ne Ente.“

Der Potsdamer grübelt, wann er zuletzt durch Potsdam geschlendert

Drei Stunden und fünfundvierzig Minuten reichen heute locker, denn Robert Grahn – Gründer, Inhaber, Pilot und Chef-Fotograf der im Berlin ansässigen Agentur „Euroluftbild“– will mal wieder Potsdam aus der Vogelperspektive in den Sucher nehmen. Hier ist er geboren, hier hat er einen Teil der Kindheit und Jugend verbracht – wann er allerdings zum letzten Mal durch die Straßen geschlendert ist, wann er das letzte Mal die Parks erkundet, am Havel­ufer den Wellen nachgeschaut hat, das weiß er nicht so genau. „Ewigkeiten ist das her“, sagt Robert Grahn: „Ach nein, Moment. Vier Jahre sind’s.“ Eine Praktikantin der Agentur hatte ihren Master an der FH Potsdam gemacht – zur Abschlussfeier war er rüber gefahren.

Kater Felix fliegt auf Flieger. Quelle: Nadine Fabian

Normalerweise fliegt er rüber. Gefühlt tausend Mal sei er schon durch den Potsdamer Luftraum geknattert, ganz sicher aber siebenhundert Mal, sagt Robert Grahn. Bricht er mit der Cessna zu Fotosessions im Süden auf, etwa nach Leipzig oder München, ist Potsdam An- und Abflugsektor. Heute aber soll Potsdam der Star vor – oder viel mehr unter – seiner Kamera sein.

Der Start ist entspannt. Die Cessna nimmt gemächlich Anlauf und schiebt sich ebenso gemächlich in den grauen Himmel. Robert Grahn ist unzufrieden. Bläst der Vormittag auch in Potsdam Trübsal, bringt der Ausflug nichts. „Das kannst du keinem anbieten“, sagt der Luftbild-Profi. „Für gute Fotos muss der Himmel einfach wolkenfrei sein und die Sonne scheinen.“

Trotz Smartphone und Tablet: Mit dem Tower hält er Funkkontakt

Natürlich hat Grahn längst via Handy-Regenradar gecheckt, welches Spiel Petrus über Potsdam treibt. Die Digitalisierung macht auch hier oben bei drei-, viertausend Fuß vieles leichter, so hat sich Robert Grahn allerlei Kartenmaterial aufs Tablet geladen und das Gerät ins Cockpit geklemmt. Mit dem Tower in Schönefeld hält er aber immer noch guten, alten Funkkontakt. Sechs Checkpoints führen von Werneuchen über Berlin nach Potsdam. Das Kraftwerk Rummelsburg ist so ein Punkt, von dem aus sich Robert Grahn bei den Lotsen der Deutschen Flugsicherung zurückmelden muss, das Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal und das Autobahndreieck Babelsberg.

Auch aus der Vogelperspektive eine Pracht – das Neue Palais. Quelle: Euroluftbild.de/Robert Grahn

Robert Grahn hat schon früh davon geträumt, alles Irdische hinter sich zu lassen. 1979 hat er bei der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik, mit dem Segelfliegen begonnen. In den Kader der Luftstreitkräfte der DDR und in ihre MiGs schafft er’s aber nicht – Robert Grahn wird bei der flugmedizinischen Untersuchung ausgemustert. „Wenn du achtzehn, neunzehn, zwanzig bist und für deinen Berufswunsch glühst, glaubst du, die Welt geht unter“, sagt Robert Grahn.

Dem Fotografen Robert Grahn gelingen aus seiner Cessna ganz besondere Blickwinkel auf seine Heimatstadt.

Er beginnt damals eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker in Schönefeld und hängt – angeregt von seinem Vater Siegfried Gebser, Kameramann bei der Defa, ein Volontariat bei der Märkischen Volksstimme dran. Robert Grahn wird sowohl zum Redakteur als auch zum Fotografen ausgebildet – ein Novum, das ihn wenig später, als er ein Angebot aus Berlin erhält, vor eine kitzlige Entscheidung stellt: Schreiben oder fotografieren?

Über dem Normannischen Turm und dem Bassin auf dem Ruinenberg. Quelle: Euroluftbild.de/Robert Grahn

Robert Grahn entscheidet sich fürs Fotografieren, verlässt Potsdam und geht in die Hauptstadt zum Militärverlag, bei dem er bis zur Wende bleibt. 1992 macht er eine Marktlücke aus und gründet „Euroluftbild“. Zunächst mietet er sich in kleine Maschinen ein. „Das Problem ist, dass der Pilot nicht weiß, was der Fotograf gerade im Sucher hat“, so Grahn. „Es dauert lange, bis man eingespielt ist.“ 1994 macht er den Pilotenschein. Seither fliegt und fotografiert er selbst – gleichzeitig.

Robert Grahn öffnet das Fenster – und lässt das Steuer los

Entgegen aller Sorgen geizt Potsdam nicht mit Sonnenschein. Keine halbe Stunde hat der Flug gedauert. Die Cessna 172 – mit solch einem Exemplar war Mathias Rust 1987 auf dem Roten Platz in Moskau gelandet – bringt es „mit Rückenwind“ auf 240 Sachen. Übliche Reisegeschwindigkeit sind um die 160/170 Stundenkilometer. Über Potsdam drosselt Robert Grahn auf 100. Er kreiselt über Sanssouci, über dem Alten Markt, dem Luftschiffhafen. Motiv für Motiv fliegt die Cessna, dieser „Trabi mit Flügeln“ an. Motiv für Motiv folgt ein magischer Moment: Robert Grahn öffnet das Fenster, lässt das Steuer los und neigt sich ganz leicht mit der Kamera an die Bordwand. Das Schönste, was er jemals von oben gesehen hat? „New York bei Nacht – das war schon gut“, sagt Robert Grahn. „Potsdam ist aber auch nicht schlecht.“

Vom Foto bis zu Infrarot

Die Agentur Euroluftbild ist seit 27 Jahren im Geschäft und verfügt über europaweite Referenzen. Darunter sind neben Medienhäusern, Verlagen, Bild- und Nachrichtenagenturen auch Banken, Unternehmen, Stiftungen, Museen, Hochschulen und Architekten.

Robert Grahn fotografiert nicht alles allein. Fotografen können ihr Luftbildmaterial bei Euroluftbild hochladen und so weltweit vertreiben lassen. Im Portfolio sind nicht nur Fotografien zu finden, sondern auch Video- und Infrarot- sowie Nacht-Luftbildflüge.

Euroluftbild bietet sowohl freie als auch Auftragsarbeiten an. Mehr auf www.euroluftbild.de

Von Nadine Fabian

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