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Potsdam Alter Markt war ein gemütliches Wohnzimmer
Lokales Potsdam Alter Markt war ein gemütliches Wohnzimmer
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03:46 27.02.2018
Wohnzimmer für alle am Obelisk.  Quelle: Friedrich Bungert
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Innenstadt

 Das neue Bündnis „Stadtmitte für alle“ hat am Sonntag seinen Einstand mit einer Homestory der ganz besonderen Art gefeiert: Direkt am Obelisken auf dem Alten Markt lud ein Open-Air-Wohnzimmer mit Teppichen, Sofa, Stühlen, Stehlampen und Tischen die Passanten zum Zwischenstopp ein. Musik, Snacks und Seifenblasen inklusive.

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Was auf den ersten Blick wie eine Kreuzung aus Ikea-Außenstelle und Flohmarkt aussah, könnte künftig politische Strahlkraft entwickeln. Mehr als ein Dutzend Initiativen, Vereine und Einzelpersonen sind unter dem Dach des neuen Bündnisses versammelt, darunter die Initiative „Kulturlobby“, die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“, das Kulturzentrum Kuze, die Volkssolidarität und der am vergangenen Donnerstag gegründete Verein Rechenzentrum e.V. rund um Zauberkünstler Christian de la Motte und Foto-/Videokünstlerin Dominique Raack. Inoffizielles Motto des Bündnisses: „Aus der Judäischen Volksfront die Volksfront von Judäa machen“ – eine Anleihe aus dem Monty-Pythons-Klassiker „Das Leben des Brian“.

Relaxen bei fast frühlingshaften Temperaturen. Quelle: Friedrich Bungert

Das neue Bündnis will die Aktivitäten ihrer Mitglieder bündeln, um „die großen gesellschaftlichen Potenziale der bestehenden Gebäude und Flächen in Potsdams Mitte in den öffentlichen Blick“ zu rücken. Die Forderung: „Öffentliche Mitsprache bei der weiteren Entwicklung der Mitte.“

Die Initiativen-Sprecher – Carsten Linke (Verein für antimilitaristische Traditionen), Schauspieler und Musiker Christian Näthe und Gabriele Herzel von der Volkssolidarität – schilderten am Sonntag ihre Beweggründe. „Es wäre nichts schlimmer, als wenn man die bestehenden Verhältnisse so hinnimmt – sonst ist der Drops irgendwann abgelutscht“, sagte Näthe, der die Gefahr einer einseitigen Entwicklung der Stadtgesellschaft sieht – das Auseinanderbrechen nicht ausgeschlossen. Näthes Eindruck: Viele Menschen seien bereits resigniert, nicht zuletzt durch die juristische und politische Ablehnung des Bürgerbegehrens zur Potsdamer Mitte, das 2016 rund 15 000 Unterschriften gesammelt hatte.

Freiluft-Sofaecke am Obelisk. Quelle: Friedrich Bungert

„Wir wollen ein Sprachrohr sein für Menschen, die sich ohnmächtig fühlen“, betonte Linke. Das Bündnis will ausloten, wo Engagement noch Sinn macht. Im Fokus steht dabei nicht nur die Fachhochschule am Alten Markt, wo aus Linkes Sicht das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Beispiel: Anstelle einer neuen Innenhofbebauung in den zwei neuen Karrees, die anstelle der FH entstehen sollen, könnten Teil der FH erhalten bleiben.

Auch in Sachen Garnisonkirche und Rechenzentrum will man sich keine Denkverbote auferlegen – das Rechenzentrum könnte zum Kirchenschiff werden. Gabriele Herzel wirbt für den Erhalt der FH als „kulturellem Begegnungszentrum. Ihr Wunsch: Eine „lebendige Mitte“ mit Angeboten für ältere Bürger.

Video der Aktion auf Facebook >

„Die Aktion hat gezeigt, die Mitte lässt sich nur gemeinsam, mit der Stadtgesellschaft entwickeln“, sagte Linken-Kreischef Sascha Krämer, der dem Bündnis als Einzelperson beigetreten ist. „Die Diskussion um die öffentliche Gestaltung der Potsdamer Mitte wird weiter gehen.“

Von Ildiko Röd

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