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Potsdam Alternativer Stadtplan für Potsdam
Lokales Potsdam Alternativer Stadtplan für Potsdam
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11:43 04.06.2015
Besetztes Haus Gutenbergstraße 22 im Jahr 1990, nebenan wird gerade eine Geschäftsstelle der Grünen eröffnet. Quelle: Hassan J. Rchter
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Potsdam

Mit mehr als 30 besetzten Häusern in der maroden Innenstadt und in Babelsberg hatte Potsdam in der Nachwendezeit den Ruf einer „Besetzerhauptstadt“. Nirgendwo sonst in Deutschland gab es im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr besetzte Häuser; nicht in Hamburg, nicht in Leipzig und auch nicht in Berlin.

Insgesamt soll es von 1989 bis in die Gegenwart hinein mehr als 70 Besetzungen gegeben haben; beginnend mit der „Ersten unabhängigen Kunstfabrik“ im Lagerhaus der einstigen Brauerei Kanitzberg in der Hermann-Elflein-Straße 10 am 25. November 1989 sowie dem Straßenfest zur Eröffnung des Wohn- und Kulturprojekts Dortustraße 65 am 16. Dezember 1989.

Geblieben ist als letztes besetztes Haus das Kulturzentrum „La Datscha“ an der Humboldtbrücke. Geblieben sind nach Legalisierung Adressen wie die „Zeppi 29“ in der Brandenburger Vorstadt, das „Archiv“ in der Leipziger Straße 60 oder das Wohnprojekt Pasteurstraße 13 in Babelsberg.

Einen umfassenden Überblick über die Besetzerszene der Landeshauptstadt gab es bisher nicht. Am Dienstag wurde im Internet eine interaktive Stadtkarte freigeschaltet, in der die mehr als 70 Adressen eingetragen sind – jeweils versehen mit unterschiedlich ausführlichen Steckbriefen. So heißt es beispielsweise: „Lennéstraße 54. Besetztes Hinterhaus in den 90ern. Genauer Zeitraum unbekannt. Besetzungszeitraum, 1991 besetzt, 1999 geräumt.“ Oder: „Waldmüllerstraße 3. Das Haus wurde Anfang 1992 besetzt. Im Sommer 1996 vereinbarten die Besetzer mit dem Eigentümer ein Nutzungsrecht bis zum März 1997, dann sollte geräumt werden. Im Jahr 2000 war das Haus immer noch besetzt, ist aber mittlerweile geräumt. Besetzungszeitraum: 1992 besetzt, 2001 geräumt.“

Aufbereitet und veröffentlicht wurde der alternative Stadtplan von dem Potsdamer Historiker Jakob Warnecke (37), der in den 1990er Jahren als Bewohner unter anderem des „Breiti“ in der Rudolf-Breitscheid-Straße 6 selbst Hausbesetzer war und heute an der Universität Leipzig an einer Dissertation arbeitet. Das Thema ist einschlägig: „Schwarzwohnen und Hausbesetzungen von 1980 bis 2000 – zur Praxis des illegalen Wohnens über zwei Systeme“ am Beispiel Potsdams. Der Stadtplan ist in gewissem Sinne ein Anfallprodukt der Recherchen für die Dissertation.

Vom Wendeherbst 1989 bis zur „La Datscha“

Die Internetseite
http://sqek.enif.uberspace.de/de/cities/potsdam/squats über besetzte Häuser in Potsdam zeigt in einer Übersicht alle bislang recherchierten Adressen. Nach Angaben ihres Urhebers Jakob Warnecke soll sie sukzessive ergänzt werden. Hinweise sind erwünscht unter squat.map.potsdam@gmail.com.

Die Erläuterungen zu den einzelnen Objekten basieren oftmals auf gesammelten Materialien der jeweiligen Bewohner, aber auch auf Presseartikeln und anderen Veröffentlichungen. Unterlagen fand Warnecke selbst in der landeskundlichen „Brandenburgica“-Sammlung der Stadt- und Landesbibliothek.

Ergänzt wird die Seite mit einem umfassenden Textbeitrag über die Entwicklung der Besetzerszene in Potsdam von der politischen Wende 1989 bis zur bislang letzten Besetzung der „La Datscha“ im Jahr 2008.

Eingebettet ist Potsdam in eine Reihe anderer Stadtpläne mit besetzten Häusern von Amsterdam bis Sevilla, die laut Warnecke von einem internationalen Netzwerk ins Internet gestellt wurden. Den Anfang machte www.berlin-besetzt.de. Nicht berücksichtigt sind auf der Potsdam-Seite bekannte Adressen wie die Uhlandstraße 24 oder die Zeppelinstraße 26 mit dem „Black Fleck“, die als Ausweichobjekte für geräumte Häuser legal bezogen wurden.

Von Volker Oelschläger

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