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„Am liebsten Eisbein mit Fettkruste“

Charlotte Cords feierte ihren 103. Geburtstag und ist damit die sechstälteste Bürgerin der Landeshauptstadt „Am liebsten Eisbein mit Fettkruste“

Ein Schlückchen Bier, mal einen Schnaps oder auch ein deftig fettiges Eisbein. Charlotte Cords weiß auch mit 103 Jahren, wie man sich verwöhnen kann. „Am liebsten esse ich Eisbein, schön mit Fettkruste“, sagt sie.

Die gebürtige Potsdamerin wurde am 10. Mai 1910 in der Dortustraße geboren und feierte gestern den dritten „Ü-Hundert“-Geburtstag.

„An und für sich bin ich wunschlos glücklich“, sagt die alte Dame, die von Tochter Rita und Schwiegersohn Hajo täglich versorgt wird. „Geistig ist sie noch total auf der Höhe“, sagt Tochter Rita Dauber, die täglich mit dem Fahrrad bei ihrer Mutter in Bornstedt vorbeischaut. „Wir können uns über aktuelle Themen unterhalten.“ Genau 106 Maiglöckchen bekam sie von ihrem Schwiegersohn geschenkt. „Dies ist das Ziel, das gehen wir an“, sagt Hajo Dauber.

Wegen ihrer Bein- und Hüftbeschwerden fällt es der Jubilarin zunehmend schwer zu laufen. „Dabei war mein Leben geprägt von Sport“, sagt sie und verweist stolz auf ihren Werdegang. 1926 wurde die damals 16 Jahre alte Charlotte Potsdamer Stadtmeisterin im Fünfkampf und war Mitglied im Verein für Leibesübungen. Auch heute macht sie noch Gymnastik. „Aber nur mit den Armen, damit sie fit bleiben“, erklärt die Jubilarin, deren Wohnung am Freitagvormittag gut besucht war. Das gesamte Team der benachbarten Pathologie-Praxis schaute ebenso vorbei wie ihr Hausarzt, Dr. Hans-Rüdiger Otto. „Ich denke, dass sie mich auch noch überleben wird“, erklärt der Doktor. Von der Stadt erhielt Charlotte Cords persönliche Glückwünsche, die von der Sozial-Fachbereichsleiterin Anke Latacz-Blume überbracht wurden.

Auf ihr bewegtes Leben samt Weimarer Republik, den zwei Weltkriegen und der DDR, schaut Charlotte Cords mehr als zufrieden zurück. Gemeinsam mit ihrem Mann Johann betrieb die gelernte Verkäuferin ihr erstes Restaurant, das 1941 nach einem Brand neu eröffnet werden muss. Am Alten Markt machten die beiden die Gaststätte „Der Mecklenburger“ auf. Während ihr Mann erst im Krieg und später in Gefangenenschaft ist, schmeißt Cords den Betrieb alleine und steht ihren Mann, wie sie sagt. Bei der Bombardierung Potsdams verliert die Familie mit Mutter Charlotte und den beiden Kindern fast alles, die Gaststätte wird ausgebombt. Seit 1937 nennt sie das Haus in Bornstedt ihr Eigen und ist auch bei den Mietern sehr beliebt, 1980 folgte der Anbau im Hinterhof. Dort wohnt sie alleine, pflegt aber den Kontakt zu den Nachbarn und erkennt fast alle.

Nun plagen sie in ihrem betagten Alter neben den Hüftproblemen kleine Wehwehchen. Das Hören funktioniert nicht mehr so gut. Um sich verständlich zu machen, ist es notwendig, sehr laut mit ihr zu sprechen. Aber das macht dem Geburtstagskind nichts aus. Mit ihrem Alter strahlt sie dennoch eine ungemeine Kraft aus, die sie auch beim Fernsehschauen tankt. „Am liebsten verfolge ich natürlich Leichtathletik und Fußball. Aber leider kommt der Pflegedienst so früh, dass ich meist die Abendspiele nicht schauen kann“, sagt sie. Im Bundesliga-Alltag drückt sie natürlich der Hertha aus Berlin die Daumen. „Gerade jetzt, wo sie aufgestiegen sind“, erzählt sie und ihre Augen zeigen, dass sie auch heute noch immer für die Leichtathletik brennt. Nur der richtige Sportsender ist derzeit noch nicht eingestellt. „Dies nehmen wir nun für das 104. Jahr in Angriff“, sagt Charlotte Cords, die doch einen Wunsch hat: „Dass meine Tochter sich weiterhin so gut um mich kümmert“. (mja)

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