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Potsdam Amtsgericht verschickt Räumungsaufforderung an Gartensparte „Angergrund“
Lokales Potsdam Amtsgericht verschickt Räumungsaufforderung an Gartensparte „Angergrund“
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06:39 27.04.2018
Luftbild vom Kleingartenareal rund um den Horstweg. Die Verluste werden größer; der Verwertungshunger Grundstückseigentümer lässt nicht nach. Quelle: Lutz Hannemann
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Babelsberg

Der „Angergrund“ ist kampfbereit: Die Kleingärtner der räumungsbedrohten Sparte zwischen Dieselstraße und Horstweg haben in einer Mitgliederversammlung beschlossen, den Wohnungsbauplänen des Berliner Immobilienentwicklers und Grundstückseigners Tamas zu widerstehen und die Parzellen nicht zu verlassen. Tamax will hier bis zu 500 Wohnungen errichten. Ein zu Mitte März gestelltes Ultimatum zur Herausgabe von 24 ihrer 30 Gärten ließen die Gartenpächter verstreichen. Nun rüsten sie sich für rechtliche Auseinandersetzungen und haben ein Finanzfonds aufgelegt, um Anwalts-, Verfahrens- und Gerichtskosten zu bezahlen. Das war dringend nötig, denn am Mittwoch bekamen die ersten Pächter vom Amtsgericht Räumungsklagen der Tamax zugeschickt. Binnen zwei Wochen muss jeder Pächter erklären, ob er sich gegen die Klage verteidigen will; zwei weitere Wochen Zeit sind dann, dies im Detail zu begründen.

Ein Berliner Anwalt wird das machen; er kann einen weiteren Monat Fristverlängerung beantragen, was in der Regel auch gewährt wird, wenn der Fall so schwierig ist wie dieser. Das Gericht muss nämlich entscheiden, ob die Sparte zum Tag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 eine gesetzeskonforme Kleingartenanlage war. Das war sie offenbar und würde damit unter den Schutz des Bundeskleingartengesetzes fallen; auch die Stadt sieht das bislang so.

Schwierig macht den Fall, dass die Pächter keine gültigen Pachtverträge mehr haben. Die hatten sie einst mit dem DDR-Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK), der aber den rechtsgültigen Übergang in den nachfolgenden Verband der Garten– und Siedlerfreunde nicht hinbekam; die Verträge von einst sind heute nicht mehr gültig. Sollte aber der Fortbestand der Kleingartensparte gerichtlich gesichert werden, träte nach Auskunft des Babelsberger Anwaltes Walter Schröder die Tamax in die Verträge ein. Bleibt die Stadt hart in ihrer Festlegung des Flächennutzungsplans für Potsdam, dass es hier um Dauerkleingärten geht und jede Neubebauung verboten ist, würde die Tamax unfreiwillig zum Verpächter, der mit Kleingärten nichts verdienen kann, etwas mehr mit Erholungsgrundstücken und richtig viel mit Wohnungen zur Mieter oder als Eigentum.

Keiner im „Angergrund“ will einer Räumung zustimmen. Das lief anders in der Nachbarsparte „Südwest“, von deren 93 Parzellen 8 im „Angergrund“ liegen und Tamax gehören. Einer der acht tritt dem „Angergrund“ bei; sieben geben auf und müssen Ende September runter von den Parzellen.

Die Tamax habe den Süd-Westlern erklärt, man werde alles platt machen und dann Erholungsgrundstücke daraus machen, berichtet Fischer: „So einfach haben sie das nicht bei uns.“ Nun setzt ein Wettlauf ein. Die Stadt möchte die Unbebaubarkeit mit einen Bebauungsplan festschreiben, braucht dafür in der Regel aber bis zu zwei Jahre. Tamax will sich früher durchsetzen.

Mehr als zehn Jahre hält das Kleingartensterben in Potsdam nun schon an. Allzu schnell werden Sparten teilweise oder sogar ganz platt gemacht, um auf dem Land Wohnungen ooder Gewerbeobjekte zu errichten.

So ungewiss die Zukunft im „Angergrund“ auch ist und so mulmig sich mancher auch fühlt; der Frühling ist gekommen, und die Arbeit in den Gärten hat begonnen. Überall wird Altbewuchs geschnitten und gerodet, werden Beete hergerichtet, Schoten gesät, Kartoffeln gepflanzt und Blumen eingetopft. „Wir bleiben“, gibt sich Nadine Brunzel (26) kämpferisch; sie beackert ihre Parzelle für sich und ihre Tochter; auch ihre Schwester hat eine im „Angergrund“. Man erhalte alles, investiere aber nicht mehr neu, sagt sie und setzt neue Erdbeeren als Ableger der alten.

Ein Viertel ist schon weg

Der Verband der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) Potsdam hat nach der Wende rund 25 Prozent der von ihm unterverpachteten Kleingärten verloren.

Das sind 340 Parzellen, vor allem in den Sparten „Selbsthilfe“, „Moosgarten“ und „Käthe Kollwitz“. Die Sparte „Selbsthilfe“ etwa schrumpfte von 90 auf 19 Gärten, der „Moosgarten“ von 130 auf 23

2012 wurde zusammen mit der Stadt eine Kleingartenentwicklungskonzeption beschlossen, die besagt, dass bis zum Jahr 2022 keine Kleingärten überplant werden dürfen.

Die Gärten fielen dem Verwertungsdrank der Käufer zum Opfer, die dort vor allem Eigentums- und Mietwohnungen bauen wollen, erst in zweiter Linie Gewerbeobjekte.

Auch Birgit Heinrich (64) lässt das Gärtnern nicht bleiben. Sie hat sich einen Sack Pflanzkartoffeln gekauft und legt die angekeimten Knollen im 60-Zentimeter-Raster in kaum handtiefe Löcher. Die eigene Voll-Bio-Ernte vom Oktober 2017 reichte immerhin bis März des Folgejahres - überwintert in der Hartenlaube. Ganz besonders freut sie sich auf eine reiche Ernte bei den Knubber-Kirschen und den Renekloden, einer eiergroßen gelben Pflaumenart.

Von Rainer Schüler

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