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Angriff auf dunkelhäutigen Nachbarn

Geständnis bei Prozess in Potsdam Angriff auf dunkelhäutigen Nachbarn

Patric L. und seine Lebensgefährtin sollen einen dunkelhäutigen Nachbarn angegriffen und übel beleidigt haben. Der Angeklagte ist zwar vor Gericht weitgehend geständig, sich aber dennoch keiner Schuld bewusst. Seine Mitangeklagte behauptet sogar, ihr mutmaßliches Opfer habe sich selbst verletzt.

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Im Potsdamer Justizzentrum findet der Prozess gegen die beiden Angeklagten statt.

Quelle: Bettina Hamann

Potsdam. Im Fall eines rassistischen Angriffs im Potsdamer Wohngebiet Am Schlaatz hat der Angeklagte Patric L. (48) die Tat weitgehend gestanden. Er kann jedoch alles erklären – zumindest in seiner eigenen Sicht der Dinge. Dem Angeklagten und seiner vier Jahre älteren Lebensgefährtin werden Beleidigung und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Die beiden sollen im September 2014 den aus Nigeria stammenden Paul M. angegriffen und rassistisch beleidigt haben.

Zunächst wollen sich die angeklagten nicht äußern

Zunächst wollen sich weder Patric L. noch seine Verlobte Kerstin G. zu den Vorwürfen äußern. Patric L. belässt es während der Verhandlung lieber bei bohrenden, höhnischen Blicken und zur Schau gestellter Entrüstung gegenüber den Zeugen. Diese, darunter auch das mutmaßliche Opfer, beschreiben den Tathergang weitgehend identisch.

Die beiden Angeklagten wollten Paul M. demnach davon abhalten, den Wohnblock zu betreten, in dem fast alle Prozessbeteiligten leben. Paul M. wohnte damals erst wenige Tage im Haus. Der als hochaggressiv beschriebene Angeklagte soll Paul M. zunächst heftig mit der Faust ins Gesicht geschlagen und anschließend noch Pfefferspray aus nächster Nähe gegen ihn eingesetzt haben. Das mutmaßliche Opfer berichtet zudem von Stichverletzungen an der Hand. Diese, so wird es die Mitangeklagte später behaupten, habe sich Paul M. vor ihren Augen selbst zugefügt. Und auch sonst sei, so die Sicht der beiden Angeklagten, alles ganz anders gewesen.

Gereizter Angeklagter legt Geständnis ab

Patric L. war 2007 schon einmal auffällig geworden. Er bedrohte mit einer Gaspistole Passanten, von denen er sich verfolgt fühlte. Ein Experte stellte damals eine schuldmindernde Psychose fest, deshalb bestellte das Amtsgericht auch im aktuellen Fall einen psychiatrischen Gutachter. Dessen Aussagen wollte der Angeklagte nicht im Raum stehen lassen. Gegen den Rat seines Pflichtverteidigers äußerte er sich, legte schließlich sogar ein Geständnis ab: „Ja, ich habe versucht, den zu schlagen und habe auch Pfefferspray eingesetzt, aber ich habe ja gar nicht getroffen.“ Zunächst habe er Paul M. vor dem Wohnhaus in drei Sprachen angesprochen, doch „dann hat der einfach in seine Tasche gegriffen. Da hat es einfach Klick gemacht.“ Patric L., der zum Tatzeitpunkt drei Promille Alkohol im Blut hatte, fürchtete, M. habe nicht seine Schlüssel, sondern ein Messer aus der Tasche ziehen wollen. Eine weitere Nachbarin soll das alles bestätigen, trotz seines Geständnisses erhofft sich Patric L. Entlastung von ihrer Aussage.

Auch Kerstin G. sieht sich zu Unrecht angeklagt. Höflich sei sie gewesen, sagt sie. Die 52-Jährige will stattdessen von Paul M. beleidigt worden sein, eine „Nazi-Bitch“ habe er sie genannt. Dass mehrere Zeugen übereinstimmend von Kerstin G.s lautstarken Beleidigungen gegenüber Paul M. berichten, lässt sie kalt: „Ja, das tut mir dann auch leid.“

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

Von Saskia Popp

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