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Potsdam Ankunft auf der Gewürznelkeninsel
Lokales Potsdam Ankunft auf der Gewürznelkeninsel
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17:43 12.07.2017
Viele Farbtupfer in der Altstadt von Sansibar. Quelle: Ildiko Röd
Potsdam/Sansibar

Wie oft mag Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg seinen besten Dauerfehdefreund, Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), wohl schon bei Debatten dorthin gewünscht haben, wo der Pfeffer wächst? Jetzt geht Scharfenbergs Wunsch endlich in Erfüllung – und der OB ist mutmaßlich gar nicht traurig darüber. Am Dienstag vor Tau und Tag ist die Potsdamer Delegation um Jakobs und Stadtverordnetenpräsidentin Birgit Müller (Linke) auf der Pfeffer-und-Gewürznelken-Insel Sansibar im Indischen Ozean gelandet, um die neue Partnerstadt zu besuchen.

Um 6.50 Uhr am Montagmorgen startete der Flieger von Berlin-Tegel nach Paris. Von dort weiter nach Nairobi und dann endlich mit Verspätung die Landung in Sansibar-Stadt. Nachts um 2.30 Uhr (in Potsdam war es da eine halbe Stunde nach Eins) dann die Ankunft im Hotel Maru Maru mitten in der Unesco-Welterbe-Altstadt Stone Town und schnell ab ins Bett unterm Moskitonetz.

Doch was erwartet die Delegation auf der Insel, die 40 Kilometer vor der Küste Tansanias liegt? Auf jeden Fall wird es kein Cocktail-Schlürf-Urlaub, sondern ein Reise mit straffem Programm. Auf dem Plan stehen unter anderem der Besuch in einer Klinik, um Krebsvorsorgeprojekte zu diskutieren. Natürlich wird auch das Kikwajuni-Viertel besucht, wo die DDR in den 1960er Jahren Plattenbauten errichtete. Hier steht die Frage im Mittelpunkt: Wie kann man die abgewrackten „Platten“ wieder zukunftsfit machen? Heimatgefühle könnten aufkommen, wenn es um zwei weitere wichtige Themen geht: Unesco-Welterbe und Film. Was den Potsdamern Sanssouci und die anderen Schlösser sind, ist den Sansibari ihre Altstadt Stone Town mit den alten Palästen der arabischen und indischen Kaufleute.

Im Zentrum von Stone Town erinnert eine Straße mit dem schrecklichen Namen „Suicide Alley“ (Selbstmord-Allee) an jene Zeiten, als Sansibar der größte Sklavenumschlagplatz der Welt war. Wer von den Gefangenen die Qualen nicht mehr aushielt, versuchte auf dem Weg zum Sklavenmarkt seinem Leiden selbst ein Ende zu setzen.

„In Stone Town wurden zeitweilig bis zu 70 000 Menschen pro Jahr als Haussklaven, Plantagenarbeiter oder Konkubinen verkauft“, schreiben Sabine Heilig und Christina Gottschall in ihrem Sansibar-Reiseführer. 1873 kam endlich das Verbot des grauenhafte Treibens. Anstelle des Sklavenmarktes wurde eine anglikanische Kirche gebaut.

Kulturell liegt das Land an der Schnittstelle zwischen Afrika, Indien und Arabien. Die günstige strategische Lage und der Gewürzreichtum ließen die Multikulti-Insel aufblühen. 1840 verlegte der Sultan von Oman sogar seine Hauptresidenz von Maskat nach Sansibar. 1890 wurde die Insel zum britischen Protektorat erklärt. Auch die Deutschen hätten – fast – eine Aktie an Sansibar gehabt. Doch das deutsche Kaiserreich verzichtete auf alle Gebietsansprüche auf Sansibar und bekam im Gegenzug Helgoland von den Briten. Kritiker schimpften, dass man wertvolle Kolonien gegen „eine Badewanne in der Nordsee“ getauscht habe. Und wie sieht das moderne Leben auf Sansibar aus? Über 90 Prozent der Sansibari sind Muslime. Normalerweise funktioniert das Zusammenleben mit den anderen Glaubensgemeinschaften, doch 2013 kam es zu einem Brandanschlag auf eine christliche Kirche. Der Tourismus wird immer mehr zum Wirtschaftsmotor in dem immer noch stark bäuerlich geprägten Land, und die Internet-Cafés sprießen schon seit Langem aus dem Boden der pittoresken Altstadt.

www.MAZ-online.de/sansibar

Von Ildiko Röd

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