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Anti-Rassismus-Demo in Potsdam

Am Abend vor Prozess gegen Neonazis Anti-Rassismus-Demo in Potsdam

Am frühen Mittwochabend wurde zu einer Demonstration in der Potsdamer Innenstadt aufgerufen. Unter dem Motto „Rassismus beim Namen nennen“ versammelten sich rund 100 Demonstrationsteilnehmer, um „gegen Terror und den deutschen Normalzustand“ zu protestieren.

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Die Anti-Rassismus-Demo auf der Friedrich-Ebert-Straße.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Rund 100 Menschen haben am Abend vor dem Prozessauftakt in Potsdam gegen Rassismus demonstriert. Anlass der Veranstaltung war der bevorstehende Prozess gegen eine Brandenburger Neonazi-Zelle aus Nauen um Maik Schneider.

Die Nauener Neonazi-Gruppe um Maik Schneider>>

Ab 18 Uhr hatte sich die Demonstrationsteilnehmer nach und nach auf dem Alten Markt vor dem Landtag versammelt. Gegen 18:30 Uhr gab es den ersten Redebeitrag. Dann zogen die Demonstranten über die Friedrich-Ebert-Straße bis zur Heinrich-von-Kleist-Schule.

Erster Zwischenstopp vor der Heinrich-von-Kleist-Schule

Erster Zwischenstopp vor der Heinrich-von-Kleist-Schule.

Quelle: Friedrich Bungert

Hier ging Maik Schneider zweieinhalb Jahre zur Schule. Dort „tat er all das, was jeder Schüler tat“, tönte es aus dem Lautsprecherwagen, den die Landtagsfraktion Die Linke zur Verfügung gestellt hatte. Doch schnell seien seine Ansichten deutlich geworden. „Er machte nie einen Hehl daraus“, hieß es weiter. Schneider soll Neonazi-Symbole getragen haben. Oder aber er beleidigte Menschen, die nicht mit seiner politischen Meinung konform gingen. In dem Redebeitrag wurde die Aufklärung vieler ungeklärter rassistischer Übergriffe gefordert, auch habe die Schule nach Ansicht der Demo-Veranstalter falsch reagiert. Viel zu lange ließ man ihn gewähren, so die Anschuldigung.

Maik Schneider ist nur die „Spitze des Eisbergs“

Anschließend verlief die Demonstration weiter bis hin zum Nauener Tor und von dort über die Hegelallee zum Jägertor, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Erneut wurde das Thema Rassismus erörtert. „Wir stehen vor dem Problem, vor dem wir schon seit Jahren stehen“, ertönte es aus dem Lautsprecherwagen. Ein Maik Schneider sei dabei nur die Spitze des Eisberges. Ebenfalls sei eine Demo nur ein kleiner Anfang, vielmehr müsse man reden – überall, ob auf der Arbeit, mit Freunden oder anderen Menschen, um dem Rassismus entgegenzutreten.

In dem Aufruf zur Demonstration hieß es zuvor bereits, dass man sich dem Rassismus konsequent entgegenstellen werde. „Rassismus ist nicht allein das Problem rechter Terrorzellen, es ist ein Problem des Alltags, ein Problem der deutschen Mitte“, so die Veranstalter.

Abschlusskundgebung am Jägertor in Potsdam

Abschlusskundgebung am Jägertor in Potsdam.

Quelle: MAZonline

Längere Verkehrsbeeinträchtigungen gab es nicht, lediglich kurzzeitige Straßensperrungen – „aus Sicherheitsgründen“, so Polizeisprecher Reinhold Hüpkes. Der hatte die Zahl der Demonstranten auf 110 Menschen geschätzt und abschließend von einer störungsfreien Demonstration gesprochen. Lediglich 14 Einsatzkräfte waren am Abend im Einsatz. Außerdem gab er zugleich an, dass vorerst seitens der Pogida, denen auch Rassismus vorgeworfen wird, aktuell keinerlei Anmeldungen vorlägen.

Eine Demonstrantin war Monika Kelly. Die Potsdamerin lässt kaum eine Demonstration gegen Rassismus in Potsdam aus. Es ist ein Weg für die Frau mittleren Alters, um dem Problem entgegenzusteuern. „Rassismus geht gar nicht, für mich sind alle Menschen gleich. Man hat als Mensch niemanden auszugrenzen“, so die Teilnehmerin.

Eine Demo erreicht auch die Menschen, die sich nicht einreihen

Dass Rassismus ein Thema ist, das keineswegs verschwiegen werden darf, ist den Veranstaltern wichtig. Viele Menschen, etwa jene, die auf die gerade einen Stadtbummel machten oder aber nach der Arbeit auf die öffentlichen Verkehrsmittel warteten, habe man zumindest etwas erreichen können. Da reiche schon die Neugier aus. „Die Menschen sprechen darüber, auch dann, wenn sie vielleicht erstmal nur an der Seite stehen“, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

In der linken Szene erwartet man nun den anstehenden Prozess. „Der NSU-Prozess in München zeigt ja, dass immer wieder relevante und spannende Details zum Vorschein kommen“, so ein Teilnehmer.

Donnerstag Prozessbeginn gegen Neonazis aus Nauen

Ab Donnerstag müssen sich nun der NPD-Mann Maik Schneider, Dennis W. und Christopher L., die aktuell in Untersuchungshaft sitzen und zwei weitere Mitglieder der Gruppe vor dem Landgericht in Potsdam verantworten. Aller Rechtsextremisten aus Nauen sollen „in Wahrnehmung des Gruppenwillens“ gehandelt haben. Bildung einer kriminellen Vereinigung, Sachbeschädigung, schwere Brandstiftung – so lautet die Anklage. Mit einer möglichen Verurteilung der Neonazis aber, machten die Linksautonomen in ihrem Demoaufruf deutlich, seien die Probleme rund um das Thema Rassismus lange nicht aufgearbeitet.

Lange Liste von Anschlägen

Auf das Konto der Nauener Neonazi-Zelle gehen laut Anklageschrift mehrere Anschläge. So sollen die mutmaßlichen Mitglieder unter anderem für den schwersten rechtsextremistischen Brandanschlag in Brandenburg verantwortlich sein, der in den letzten Jahren verübt wurde: Im August 2015 stand eine Turnhalle in Nauen in Flammen. Sie brannte komplett aus. Schon früh war klar, dass es einen rechtsextremen Hintergrund geben könnte. Die Sporthalle sollte vorübergehend als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden. Mutwillig hatten die Täter das Feuer gelegt, zuvor sogar Gas in die Halle geleitet. Der Schaden geht in die Millionen. Brandenburgs Ministerpräsident sprach angesichts der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Brandenburg gar von „Terrorismus“.

» Die lange Liste des rechten Terrors in Nauen

 

Von MAZonline

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