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Anti-Stromtrassen-Initiative hofft und bangt

Planverfahren wird genau beobachtet Anti-Stromtrassen-Initiative hofft und bangt

Gemischte Gefühle in Marquardt: Einerseits haben die Einwohner das Wort des OB, dass die ungeliebte Stromautobahn aus dem Dorf verschwindet. Andererseits brauchen sie viele Unterschriften im Planfeststellungsverfahren, das die Erneuerung der Leitung an alter Stelle prüft. Die Frist dafür endet bald.

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Stromautobahn durchs Dorfidyll: Seit nahezu 80 Jahren überspannt die 110-kV-Leitung einen Teil von Marquardt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Marquardt. Halbzeit in Marquardt. Noch zwei Wochen lang können die Einwohner des Potsdamer Ortsteils bekunden, dass das Thema Hochspannungsleitung in dem 700 Jahre alten Dorf von großem Belang ist. Bis zum 9. August sind die Unterlagen des auf Druck der Bürgerinitiative angelaufenen und vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe durchgeführten Planfeststellungsverfahrens einzusehen, unter anderem in der Kulturscheune. Etwa 20 Personen haben die Gelegenheit bereits wahrgenommen.

Wie berichtet, will der Stromriese Eon-Edis die 80 Jahre alte Freileitung, die Marquardt teils überspannt, erneuern. Die Bewohner kämpfen dafür, dass die Stromautobahn um den Ort herumgeführt wird. Doch der Konzern beharrte lange auf Plänen, die 110-Kilovolt-Freileitung weiterhin über Marquardter Dächer zu spannen. Inzwischen rollt das Verfahren zweigleisig: Einerseits hat das Landesamt zu entscheiden, ob es einer Erneuerung auf der bestehenden Trasse zustimmt oder es ablehnt; andererseits laufen offenbar vielversprechende Gespräche zwischen der Landeshauptsstadt und Eon-Edis, wonach die Leitung aus dem Ort verschwinden und an die B 273 verlegt werden soll. Mehrmals bekundete Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in der Öffentlichkeit: „Die Kuh ist vom Eis.“ Das Planfeststellungsverfahren laufe weiter und könne beendet werden, wenn die Verträge mit Eon-Edis unterschrieben sind, sagte Jakobs am Sonnabend. „Die Verhandlungen sind durch.“

Laut Josef Grütter, Chef der Bürgerinitiative „Freileitung raus“, vertrauen die Marquardter dem Stadtoberhaupt und seiner Aussage, dass das Planfeststellungsverfahren nur noch der Form halber durchgezogen wird. Zurücklehnen könne man sich aber nicht, mahnt Grütter. „Wenn keiner Einspruch erhebt, sagt Eon-Edis womöglich: ,Es gibt keinen Widerstand – warum bauen wir nicht doch auf der alten Trasse?’ Da wären sie fein raus.“ Die BI bittet die Marquardter daher, das Verfahren im Auge zu behalten und ihr Veto einzulegen. „Das Planfeststellungsverfahren bleibt eine ernste Angelegenheit. Wir können nicht so tun, als ob nichts gewesen wäre. Die Kuh ist erst dann vom Eis, wenn die Leitung an der neuen Stelle außerhalb des Ortes steht.“ Wann endgültige Entscheidungen fallen, ist unklar. Marquardt könnte für Eon-Edis in Brandenburg eine Art Präzedenzfall werden, so Grütter. „Wobei es in diesem Konzern bereits vorgekommen ist, dass alte Trassen aufgegeben und um Orte herumgelegt wurden, etwa bei Aschaffenburg. Diese Beispiele werden von Eon-Edis oft und gern lobend erwähnt – wenn wir sie hingegen zitieren, interessiert das nicht.“

Die Pläne liegen aus

  • Einzusehen sind die Unterlagen des Planfeststellungsverfahren an folgenden Stellen:
  • Landeshauptstadt Potsdam, Bereich Stadtentwicklung-Verkehrsentwicklung, Haus 1, Hegelallee 6-10, Raum 816, während der Dienststunden Montag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr; Dienstag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, Mittwoch von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr; Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr; Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0331/2 89 25 41 außerhalb dieser Zeiten.
  • Bibliothek in der Kulturscheune Marquardt , Fahrländer Straße 1c: Mittwoch, 31. Juli, von 15 bis 17 Uhr, Samstag, 3. August, von 10 bis 12 Uhr; Mittwoch, 7. August von 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung mit Wolfgang Grittner unter Tel. 033208/5 72 79 auch außerhalb dieser Zeiten.
  • Ehemaliges Gemeindebüro Golm , Reiherbergstraße 31, dienstags von 18 bis 19 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung mit Ulf Mohr unter Tel. 0331/50 01 31 auch außerhalb dieser Zeiten.

Mit Sorge beobachtet die Bürgerinitiative dieser Tage eine Entwicklung auf Bundesebene. „Gerade ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz geändert worden“, so Grütter. „Die Grenzwerte für 110-kV-Leitungen wurden in diesem Zuge erhöht, geradezu verdoppelt und die Strahlung so als ungefährlich dargestellt.“ Dass die Novelle mit den Stimmen von CDU und FDP verabschiedet wurde, findet Grütter besonders pikant: Erst am Wochenende hatte sich die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche in Marquardt angesagt und auf die Seite der Freileitungsgegner gestellt.

Von Nadine Fabian und Ricarda Nowak

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