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Arche-Kids gestalten ihren Kiez in Potsdam

Post gibt Verteilerkästen frei Arche-Kids gestalten ihren Kiez in Potsdam

Trafokästen und Stromverteiler sind in Potsdam schon besprüht – Profis hatten das in Auftragsarbeit gemacht. Jetzt hat die Post ihre Verteilerkästen in Drewitz und im Kirchsteigfeld freigegeben für Kinder des Hilfsvereins Arche: Die Kids hatten alle noch nie eine Farbsprayflasche in der Hand, aber viel Fantasie beim Gestalten von Naturmotiven.

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Konrad-Wolf-Allee: Erst helles Grün, dann dunkle Blätter, Bambusäste an die Seiten, Pandas vorn und hinten drauf.

Quelle: Rainer Schüler

Drewitz. Sie hatten noch nie eine Farbsprühdose in der Hand, aber sie lernen schnell. Kaum zwei Stunden dauert es, und der graue Kasten ist eine Dschungellandschaft geworden, eine Panda-Familie mittendrin. Das freut als erste an diesem Mittwochmittag die Postfrau, die aus den grauen Kästen gelbe Kisten holt mit Sendungen, die sie verteilen muss in Drewitz. Es freut aber auch die Kinder aus dem Kiez, die fasziniert beobachten, was die vermummten Gestalten in den weißen Schutzanzügen da machen, Atemmasken vorm Gesicht. Es klackert an der Ecke Konrad-Wolf-Allee und Oskar-Meßter-Straße: Die Sprüher aus der „Arche“ eine Ecke weiter schütteln ihre Belton-Dosen, damit die Farbe sich gut mischt mit dem Lösungsmittel, das so stinkt, dass die Hobbykünstler Malermasken tragen müssen. Einer hält eine zeitungsgroße Papierschablone an den Blechkasten, der seine Farbe eben erst von grau auf grün gewechselt hat.

Ein aufgelegter Palmwedel erzeugt die Dschungelstruktur des Panda-Bildes von Drewitz

Ein aufgelegter Palmwedel erzeugt die Dschungelstruktur des Panda-Bildes von Drewitz.

Quelle: Rainer Schüler

Mit Fächern einer Phönix-Zimmerpalme haben die Kids das Blattwerk wachsen lassen, in dem sich Pandas tummeln und Bambus brechen können. Für die artenbedrohten Kuschelbären aus Asien haben die Projektkinder am Montag drei Schablonen angefertigt, die erste für die weiße Umriss-Fläche der ganzen Panda-Familie, die zweite für die größeren schwarzen Flächen, die schon die Bären formen, die dritte für die Details, die Augen, Ohren, Pfoten. Von einem an die Wand gebeamten Foto haben sie das abgezeichnet und mit Skalpellen ausgeschnitten. Das Know-How dazu lieferte der Meredo-Verein Berlin, der Stromkastenstyling betreibt und das Potsdamer Projekt im Auftrag der Deutschen Post begleitet, bezahlt auch von der Post. „Es ist doch schön, wenn die Kids ihren Kiez auch selbst gestalten können“, freut sich Benjamin Kubel vom Meredo-Verein.

Am Rande von Alt-Drewitz ist eine Berglandschaft mit Adler und Wölfen gestaltet worden

Am Rande von Alt-Drewitz ist eine Berglandschaft mit Adler und Wölfen gestaltet worden.

Quelle: Rainer Schüler

„Die Post ist auf die Arche zugekommen, denn sie fördert uns seit langem“, sagt Jugendbereichsleiter Christoph „Chris“ Olschewski: „Wir sollten die grauen Postverteilkästen gestalten. Die einzige Vorgabe war: Natur.“

Die Arche in Potsdam

Der Verein Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e. V. ist ein von Pastor Bernd Siggelkow 1995 in Berlin-Hellersdorf gegründetes evangelikales Hilfswerk, das Freizeiteinrichtungen und Schulbetreuung für sozial benachteiligte Kinder in verschiedenen deutschen Städten betreibt.

Mit dem Ziel, Kinder stark zu machen, werden Angebote zur Gesundheitsförderung, Ferienfreizeiten und Weihnachtsprojekte gestaltet. Man bietet sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für Kinder an, die sonst überwiegend auf der Straße leben würden.

Seit 2008 gibt es „Die Arche“ auch in Potsdam. Sie begann an der Priesterweg-Grundschule mit der Schülerbetreuung in Unterrichtspausen, mit Hausaufgabenhilfe und kostenlosem Mittagessenessen, das 160 Schüler nutzen. Die „Arche“ sitzt in der Oskar-Meßter-Straße in der früheren Getränke-Hoffmann-Halle.

Täglich nutzen dort bis zu 80 Kinder und Teens die Nachmittagsbetreuung mit verschiedenen Angeboten wie Hausaufgabenhilfe, Theater- und Kreativworkshops, Sport, Mädchen- und Jungenabenden und Kinderpartys. Die Arche hat sowohl einen Bereich für die jüngeren, als auch für die älteren Kids. In den Ferien wird ein offenes und individuell gestaltetes Programm angeboten. Regelmäßig werden mit den Kindern Ausflüge unternommen.

So entschied sich dein Teil der 13 Arche-Jugendlichen für die Pandas in den Tropen, die anderen für eine Berglandschaft mit Adler und Wölfen und die dritten für den klassischen Sonnenuntergang am Strand. Regelrecht fotorealistisch wirkt die Bergkulisse; die Schablone für das Fell der Wölfe ist extrem filigran; so fein, dass keiner weiß, ob man es ein zweites Mal benutzen kann. „Im Normalfall bekommt man drei bis Bilder mit den Papierschablonen hin“, berichtet Kubel. Aber findet es auch gut, wenn die Werke der jungen Arche-Künstler Unikate bleiben. Die Künstler selber sind begeistert und schicken alle paar Minuten Handy-Fotos ihrer Werke in die Welt.

Extrem detailliert ist das Fell der Wölfe geworden

Extrem detailliert ist das Fell der Wölfe geworden. Die Kreuzchen im Bild markieren die Eckpunkte der Schablonen, die exakt dieselben Position auf dem Hintergrundbild haben müssen.

Quelle: Rainer Schüler

Von Rainer Schüler

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