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Potsdam Architekt will Neustädter Tor wieder aufbauen
Lokales Potsdam Architekt will Neustädter Tor wieder aufbauen
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09:51 22.10.2013
So sah das Neustädter Tor mit den Obelisken vor dem Zweiten Weltkrieg aus. Es hatte den Charakter eines Stadttors, war aber zu eng für den Automobilverkehr. Quelle: Archiv
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Innenstadt

Das Neustädter Tor an der Havelbucht war mal ein wichtiger Zugang zur barocken Stadt und die Breite Straße eine baumbestandene Allee mit Schauarchitektur. Heute steht vom Tor nur noch ein einsamer Obelisk; und die Straße ist in den kritischen Augen des Potsdamer Architekten Ludger Brands "stadträumlich missbraucht" und "größtenteils banalisiert" worden: eine "fragmentierte Schnellstraße" mit gesichtslosen Zeilenbauten, "einheitsgrau" renoviert.

Brands Blick-Skizze stadtauswärts zur Zeppelinstraße. Der rechte Obelisk steht noch – versetzt –, der linke würde neu gebaut. Quelle: Ludger Brands

Das soll nach Brands Plänen wieder anders werden. Auf bis zur letzten Sitzreihe gefüllten Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend in der provisorischen Garnisonkirchkapelle erntete der Fachhochschul-Professor fast nur Zuspruch für seine Ideen, wie man das Stadtbild der Vorkriegszeit in moderner Fassung rückgewinnen könnte. Brands möchte dazu die Häuserfluchten durch neue Gebäude wieder an die Straße ziehen und die Straße selbst mit drei Reihen Bäumen wieder zu einer Allee mit Aufenthaltsqualität machen.

Märkisches Ägypten: das Neustädter Tor

  • Das anfangs ganz schmucklose Tor war 1722 im Zuge der ersten Stadterweiterung angelegt worden, verlor aber wegen der Erweiterung Potsdams schon 1733 seine Aufgabe, als man den Palisadenzaun nach Westen bis an die Havelbucht verschob und das Tor damit hinter die neue Mauer geriet. Eine Wache aber blieb hier trotzdem stationiert.
  • 1752 erhielt es durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff die Gestalt mit den ägyptisch anmutenden Obelisken, bekrönt von Adlern.
  • 1945 in der Bombennacht schwer beschädigt, wurde der einzig stehen gebliebene Obelisk 1969 abgetragen, im Zuge der Rekonstruktion der damaligen Wilhelm-Külz-Straße aber 1981 wieder aufgebaut.
  • Potsdams Stadtmauer hatte von Anfang an keine wirkliche Schutzfunktion. Sie diente mit ihren fünf Toren nur der Zollerhebung und sollte die Flucht von Soldaten verhindern, die in den königlichen Militärdienst gepresst worden waren.
  • 1718 gab es zunächst nur einen Palisadenzaun, der ab 1733 zur Mauer wurde. Ende des 19. Jahrhunderts trug man die Mauer ab.
  • Reste von ihr gibt es noch in der Großen Fischerstraße und am Restaurant „Stadtwächter“.
tadt nach Westen. Die Breite Straße soll Baumreihen erhalten – sie war auch früher eine Allee. Quelle: LUDGER BRANDs (VISUALISIERUNG)

Es gäbe je eine Baumreihe an den Straßenrändern und eine auf dem Mittelstreifen. Der heute zwischen Schopenhauer- und Lindenstraße auf einer Freifläche falsch stehende Rest-Obelisk des einstigen Tores würde bis kurz vor die Schopenhauerstraße verschoben, fast genau dahin, wo er hingehört. Auf der Wasserseite der Breiten Straße soll Brands zufolge ein neuer Zwillingsobelisk entstehen, der so aussieht wie der jetzige, welcher auch nur ein Nachbau des kriegszerstörten Vorgängers ist. Brands könnte sich vorstellen, dass er wieder mit den frei erfundenen ägyptischen Hieroglyphen bedeckt wird. Der Abstand beider Obelisken wäre größer als einst. Es würde kein Torhaus mehr geben, sondern nur eine Mauer, die auf jeder Seite drei Durchgänge hat; je zwei für Fußgänger, eine für Radler, doch würden sich diese Mauern an neu zu bauende Häuser anschließen, womit der Stadtmauereindruck wieder entstünde. Die stark aufgeweiteten, für Brands "autobahnartigen" Einmündungen der Schopenhauerstraße und der Straße Wall am Kiez auf die Breite Straße sollen schmaler werden. Wie auf der Veranstaltung bekannt wurde, hat die Stadt auf "unabsehbare Zeit" aber kein Geld für die Weiterplanung der Breiten Straße.

Von Rainer Schüler

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