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Archiv-Wiedereröffnung naht

Veranstaltungsetage soll bald fertig sein Archiv-Wiedereröffnung naht

Fast ein Jahr war das Archiv geschlossen, doch der Termin der Wiedereröffnung naht. Das freut die alternative Szene in Potsdam. Immerhin war das Kulturzentrum mal die drittgrößte soziokulturelle Einrichtung Potsdam - ehrenamtlich und ohne öffentliche Zuschüsse betrieben. Die MAZ hat sich auf der Baustelle umgeguckt.

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Sitzecke in der Kneipe - mit neuem Tresen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Nach einer fast einjährigen Schließung aus Brandschutzgründen hofft der Betreiberverein des Archivs in der Leipziger Straße in der Templiner Vorstadt auf eine baldige Wiedereröffnung. Einen Termin gibt es aber noch nicht. Bis zum 31. Oktober sollen laut Vereinssprecher Kay Kärsten die mit dem Bauaufsichtsamt vereinbarten dringendsten Umbauarbeiten erledigt sein. Im weiteren Prozedere vor der zunächst teilweisen Eröffnung folgen die Bauabnahme und ein Genehmigungsverfahren für den Veranstaltungsbetrieb.

Archiv-Sprecher Kay Kärsten in der Sitzecke der Kneipe. Im Hintergrund ein neu eingebauter Tresen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählten der Einbau von Brandschutztüren, die Öffnung von Fenstern und Notausgängen. Aus der früher recht düsteren Kneipe hat man nun einen Blick am Schinkelspeicher vorbei bis nach Hermannswerder und zu den Hochhäusern Am Kiewitt auf der anderen Seite der Havel. Bei Veranstaltungen werden die Fenster mit Schallschutzklappen verschlossen, die im Notfall blitzartig geöffnet werden können.

Der Flur im Erdgeschoss verbindet Café, Saal und Kneipe.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Stromleitungen im Erdgeschoss wurden komplett neu verlegt. Eine der heikelsten Operationen war laut Kärsten der Einbau einer elf Meter hohen, quer durch das Gebäude führenden Brandschutzwand, die den Veranstaltungsbereich vom Wohntrakt trennt. Vergleichsweise unkompliziert sei der Einbau der von der Stadt finanzierten Lüftungsanlage gewesen, deren Rohre sich nun an der Decke entlang durch die Räume des Erdgeschosses ziehen. Die Lüftungsanlage kostete laut Kärsten rund 35.000 Euro. Die übrigen 60.000 Euro für den ersten Bauabschnitt seien über Geld- und Materialspenden ins Haus gekommen. Vereinsmitglieder und -sympathisanten hätten tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. Die auf der Internetseite des Vereins dokumentierte Spendenkampagne werde fortgeführt. 47.000 Euro kamen laut Kärsten bislang über kleinere Einzelspenden meist zwischen zehn und 100 Euro zusammen.

Mit der Wiedereröffnung würden zunächst der Saal, die Kneipe und das Café für eine begrenzte Publikumszahl zugänglich. Große Teile des Archivs mit den Bandprobenräumen im Keller und dem Atelier im ersten Obergeschoss bleiben bis zum Einbau einer Brandmeldeanlage verschlossen, für die laut Kärsten 120- bis 140.000 Euro kalkuliert werden. Bis zum Einbau der Brandmeldeanlage soll es zu Veranstaltungen Brandwachen geben. Zum weiteren Sanierungsfahrplan werde der Verein bis zum Ende des Jahres in Absprache mit der Stadt ein Konzept erarbeiten. Nächster Schritt sei die Neudeckung des Dachs und die Ertüchtigung der Fassade. Danach soll der Brandschutz für das Atelier und den Keller folgen, in dessen Räumen vor der Sperrung mehr als 20 Bands geprobt haben.

Bauschild am alten Haupteingang des Archivs.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Vom Brauhaus zum Kulturzentrum

Das Archiv in der Leipziger Straße60 wurde im 18.Jahrhundert für die Königliche Hofbrauerei errichtet. Bis 1989 wurde es von der Bezirksfilmdirektion genutzt. Im Frühjahr 1994 wurde das leer stehende, denkmalgeschützte Haus von linken Jugendlichen besetzt, die dort ein Kulturzentrum etablierten. 1997 wurde das Zentrum mit dem Archiv-Verein als Betreiber legalisiert.

Zur Infrastruktur zählten 15 Bandprobenräume, Café, Kneipe, ein Saal und ein Gewölbe für Veranstaltungen, ein Atelier und eine Siebdruckwerkstatt, eine Turnhalle und Wohnungen mit rund 20 Bewohnern.

Mit offiziell 60.000 Besuchern pro Jahr war das Archiv die drittgrößte soziokulturelle Einrichtung Potsdams nach Waschhaus und Lindenpark. Im Gegensatz zu diesen wurde es ehrenamtlich und ohne öffentliche Zuschüsse betrieben.

Das Grundstück wurde dem Verein mietkostenfrei überlassen, der dafür die Instandhaltung des Objekts gewährleisten sollte. Allerdings fehlten bei einem Nutzungsvertrag mit Jahresfrist Sicherheiten und finanzielle Mittel.

Wegen Brandschutzmängeln wurden von 2008 bis 2012 schrittweise alle Publikumsbereiche geschlossen. Parallel liefen Verhandlungen zur Sicherung des Archivs. 2009 verabschiedeten die Stadtverordneten dazu einen Grundsatzbeschluss.

Für die Sanierung standen bei der Stadt 625.000 Euro bereit, ein Teil wurde bereits abgerufen. Im Juni 2013 wurde das Grundstück von der Stadt über einen Erbpachtvertrag an den Verein übertragen.

» www.archiv-potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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