Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 9° Regenschauer

Navigation:
Armandos Kunst spiegelt Krieg und Gewalt

Ausstellungen in Potsdam Armandos Kunst spiegelt Krieg und Gewalt

Es sind existenzielle Fragen, die der in Potsdam lebende niederländische Künstler Armando mit seinen Werken aufwirft. Die Themen, um das seine Arbeiten immer wieder kreisen sind Krieg, Gewalt und Vernichtung. Das Potsdam-Museum und das Kunsthaus Potsdam zeigen Arbeiten eines großen Vertreters zeitgenössischer Kunst.

Voriger Artikel
Marita Erxleben inszeniert am HOT Potsdam
Nächster Artikel
Hilfestellung für die letzten Schritte im Leben

Gemaltes Inferno: „Damals“ von Armando aus dem Jahr 1997.

Quelle: Armando

Potsdam. Das Rot flimmert. Es wird immer röter, brennt über die gesamte Fläche des Bildes. Ein Inferno. Ist es ein Dachstuhl, der da abgefackelt wird, wie jüngst in der Flüchtlingsunterkunft in Bautzen? Oder was deuten die schwarzen Balken an, die in dem Rot versinken? Die Bilder des Potsdamer Künstlers Armando zeigen keine konkreten Bezüge zu aktuellen oder historischen Ereignissen. Und doch sind sie präsent – entstehen im Kopf des Betrachters, der nicht umhin kann, ob der aus den Bildern quellenden Farben und Formen das Grauen zu denken.

01c66cde-dc88-11e5-852f-fcbb03e35762

Es ist ein Kriegstrauma, das der in Potsdam lebende niederländische Künstler Armando in seinen Werken immer wieder verarbeitet. Die existenzielle Bedrohung des Menschen durch Gewalt.

Zur Bildergalerie

Potsdam-Museum und Kunstraum Potsdam zeigen Armando

Armandos Werke sind vom heutigen Samstag an in gleich zwei Ausstellungen zu sehen. Das Potsdam-Museum stellt bis zum 28. Mai 25 Gemälde, 17 Skulpturen und einen Zyklus mit 30 Fotografien aus – eine kleine Werkschau des niederländischen Künstlers, der seit 2009 in Potsdam lebt. Zu sehen sind Arbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden seit den 50er Jahren. Das Kunsthaus Potsdam präsentiert im gleiche Zeitraum neun Bilder und vier Skulpturen des 86-Jährigten, die erst in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind.

Maler, Bildhauer, Musiker und Schriftsteller

Armando gehört zu den bekanntesten niederländischen Vertretern zeitgenössischer Kunst.

Der in Potsdam lebende Künstler ist Maler, Bildhauer, Musiker und Schriftsteller. 1982 war er auf der Dokumenta VII in Kassel vertreten, 1984 bei der 41. Biennale in Venedig.

Bruchstücke. Potsdam-Museum, Am Alten Markt 9, Di, Mi, Fr von 10-17 Uhr, Do 10-19 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr.

Aktuelle Arbeiten. Kunsthaus Potsdam, Ulanenweg 9, Di, 11-15 Uhr, Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa, So 12-17 Uhr.

Das dargestellte Grauen in Rot trägt den Titel „Damals“. Armando hat es 1997 in Öl auf Leinwand gemalt – genau genommen, am 20. Juli 1997. Die meisten seiner Bilder tragen ein konkretes Datum, denn Armando arbeitet mit großem Tempo, in dem Emotionen auf die Leinwand übertragen werden. „Damals“ ist die Zeit des Nationalsozialismus, die Armando, der mit bürgerlichem Namen Herman Dirk van Dodeweerd heißt, als Kind im niederländischen Amersfoort erlebte. Dort hatten die deutschen Besatzer ein polizeiliches Durchgangslager errichtet, von wo aus Juden und politisch Verfolgte auf die Konzentrationslager verteilt wurden.

Krieg, Gewalt und Vernichtung treiben ihn um

Die Themen Krieg, Gewalt und Vernichtung haben Armando sein Leben lang nicht losgelassen. In Potsdam ist nun ein breites Spektrum seiner Versuche, dieses Trauma zu verarbeiten, zu sehen. „Es ist ein universelles Thema. Es ist die Tragik des Menschen“, sagt Armando und weißt ausdrücklich darauf hin, dass er kein Maler des Zweiten Weltkrieges sein will. Und in der Tat: Armando thematisiert Existenzielles.

Die Schau im Potsdam-Museum macht das deutlich. Mit „Bruchstücke“ ist die Ausstellung, die zuvor im Rotterdamer Chabot-Museum zu sehen war, überschrieben. „Bruchstücke nehmen in der Kunst Armandos eine wesentliche Rolle ein“, so die Direktorin des Potsdam-Museums, Jutta Götzmann. Immer wieder tauchen Fragmente auf, Formen die etwa an Körperteile oder Reste von Gegenständen erinnern. Sie erinnern daran, dass sie zu einem zerstörten Ganzen gehören, entwickeln zugleich ihr Eigenleben.

Die späteren Arbeiten werden teilweise grün

Armandos frühe Malerei lebt fast nur von drei Farben: Rot und den beiden „Nicht-Farben“ Schwarz und Weiß. Wodurch häufig eine beklemmende Wirkung entsteht – nicht zuletzt durch Titel wie „Monument für den Täter“, „Gefechtsfeld“ oder „Fluchtversuch“. Aber auch Landschaften bleiben bei Armando nicht unschuldig. Mit den Jahren verbreitert sich Armandos Farbpalette. Auf einigen der neuesten Arbeiten, die im Kunsthaus zu sehen sind, dominiert Grün – wie die Umgebung seines Potsdamer Ateliers.

Von Mathias Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg