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Potsdam Atelierhaus Panzerhalle in Bedrängnis
Lokales Potsdam Atelierhaus Panzerhalle in Bedrängnis
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10:02 18.12.2014
Die Künstlerinnen Anja Claudia Pentrop, Ilse Winckler, Bettina Semmer und Vera Oxford (v.l.) gestalteten am Mittwoch ein Transparent zur Begrüßung der im März 2015 erwarteten Flüchtlinge. Quelle: Christel Köster
Groß Glienicke
 

Michael M. Heyers suchte in Ruinen nach Ausstellungsflächen, Silvia Klara Breitenwieser fragte nach einer Kunsthalle für Potsdam, Birgit Cauer erinnerte an Christian Röhls "Wasserharfe", ein Wasserspiel mit 21Metallrohren in der Nähe des Staudenhofs, das zur Bundesgartenschau 2001 abgestellt und später abgesägt wurde.

Mieterhöhung für 1300 Quadratmeter Atelierfläche

Nun ist die Künstlergemeinschaft wieder einmal selbst in Bedrängnis. "Das Atelierhaus Panzerhalle kämpft um seinen Fortbestand", heißt es in einer Erklärung. Grund ist nach Angaben des Vereins eine zum Februar 2015 angekündigte erhebliche Erhöhung der Mieten durch den Kommunalen Immobilienservice (Kis) der Stadt. Für die insgesamt 1300 Quadratmeter Atelierfläche in der alten Waldschule soll die Jahresmiete demnach von bisher 46.800 Euro auf rund 81.300 Euro angehoben werden. "Die neu erhobenen Mietkonditionen treffen die Künstler existenziell", schreibt der Verein: "Nicht nur die neu hinzugekommenen jüngeren Kollegen müssen ernsthaft überlegen, ob sie ihr Engagement am Standort aufrecht erhalten können." Die Panzerhalle ist mit aktuell 24 Mitgliedern die größte Ateliergemeinschaft der Landeshauptstadt.

In ihrer Erklärung verweisen die Künstler auf einen Besuch von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu Beginn dieses Jahres. Hintergrund des Treffens sei die prekäre Lage der bildenden Kunst in Potsdam gewesen. Das Verschwinden bezahlbarer Atelierräume für bildende Künstler und beschränkte Ausstellungsmöglichkeiten sind bekanntlich seit langem eines der kulturpolitischen Krisenfelder in der Landeshauptstadt. Bei dem Treffen im Januar habe der Oberbürgermeister "die Nutzungskonditionen am Standort Panzerhalle bis 2018" bestätigt, schreiben die Künstler. Dabei sei vereinbart worden, dass der Verein in diesem Zeitraum ein Nutzungskonzept entwickelt, das die Immobilienentwicklung am Standort berücksichtigt.

Beschwerde wegen "Vorzugsmiete"

Grund der Mieterhöhung ist nach Mitteilung des Kis eine in der Zwischenzeit erfolgte Beschwerde des früheren Groß-Glienicker Stadtverordneten Andreas Menzel bei der Kommunalaufsicht. Nach Angaben von Kis-Geschäftsführer Bernd Richter gab es mit Blick auf die Panzerhalle eine Anfrage beim Land, ob es Aufgabe des Kis sei, Künstlern eine Vorzugsmiete von drei Euro pro Quadratmeter zuzugestehen. Daraufhin habe die Kommunalaufsicht den Kis aufgefordert, diese Bevorzugung zu beenden. Menzel bestätigte gestern, dass er sich an das Land gewandt hatte. Der Kis müsse große Ausgaben etwa für das Schulneubauprogramm bestreiten. "Da auf mögliche Mietmehreinnahmen ohne unabhängige Prüfungen zu verzichten, das geht nicht."

Bei der bisherigen Praxis günstiger Mieten für die Künstler handele es sich um "versteckte freiwillige Ausgaben". Sollte die Stadt ein Interesse an solch einer Mietsubvention haben, müssten die daraus resultierenden Mindereinnahmen für den Kis seiner Ansicht nach aus dem Etat des Kulturbereichs ausgeglichen werden.

Kulturausschuss tagt am Donnerstag

Im Kulturausschuss soll am Donnerstagabend ein Antrag mit ähnlicher Zielrichtung diskutiert werden. Unter dem Stichwort Atelierprogramm schlägt die Fraktion der Linken vor, zur Förderung der bildenden Kunst in der Landeshauptstadt ein Programm der Wirtschaftsförderung aufzulegen, das es "bildenden Künstlern als Teil der Kreativwirtschaft ermöglicht, sich in Potsdam anzusiedeln oder in Potsdam zu bleiben". Angeregt wird die Einrichtung eines "Finanzpools", der es "erlaubt, finanzielle Unterstützung für die Anmietung von Atelierräumen zu beantragen".

Etwa zeitgleich mit dem Besuch des Oberbürgermeisters bei den Künstlern gab es allerdings schon einen anderen politischen Vorstoß Menzels in Sachen Waldschule. Damals noch Mitglied der Grünen-Fraktion, stellte er den Antrag, in dem Komplex wieder eine Schule zu eröffnen. Dieser Antrag wurde selbst von der eigenen Fraktion zurückgewiesen. Die Stadtverwaltung stellte damals klar, dass eine Reaktivierung des Schulstandortes nicht geplant sei.

Panzerhalle - Waldschule

Die ersten Künstler zogen 1992 auf das frühere Kasernengelände der DDR-Grenztruppen an der Seeburger Chaussee in Groß Glienicke. Die Kolonie wuchs rasch. 1995 eröffneten sie in einer aus der Vorkriegszeit stammenden Panzerhalle ein gewaltiges Gemeinschaftsatelier, 50 Meter lang, zwölf Meter tief, acht Meter hoch. Zum alljährlichen Höhepunkt werden die Gemeinschaftsausstellungen der mittlerweile auf 20 Mitglieder angewachsenen Gruppe.
Als die Ateliergemeinschaft Panzerhalle mit der Eingemeindung Groß Glienickes 2003 nach Potsdam kommt, befindet sie sich längst im Überlebenskampf. Eine senatseigene Berliner Immobiliengesellschaft will die Brache verwerten, die Panzerhalle hat in den Plänen keinen Platz. Im Spätsommer 2007 verabschiedet sich die mittlerweile auf zehn Künstler geschrumpfte Gemeinschaft mit einer weiß gedeckten „Panzertafel“ von ihrem Riesenatelier. Statt mit Kunst ist die Halle zu der „Last Diner“ genannten Abschiedsfeier mit einer Monokultur kleiner märkischer Kiefern besetzt.
Das zweite Leben der Ateliergemeinschaft beginnt im Herbst 2007 mit dem Umzug in die wegen sinkender Schülerzahlen geschlossene Waldschule gleich nebenan. Aktuell hat der Verein Neues Atelierhaus Panzerhalle 24 Mitglieder. Daneben gibt es in dem Gebäude weitere unabhängige Gewerbemieter. Mit der Stadt- und Landesbibliothek, dem Naturkunde- und dem Potsdam-Museum nutzen drei große städtische Kulturinstitutionen Räume in der alten Waldschule als Depot und Magazin.
Zur kulturellen Nutzung der alten Waldschule kommt nun eine soziale: In einem Teil des Gebäudes sollen im März 2015 rund 100 Flüchtlinge untergebracht werden. vo

Von Volker Oelschläger

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