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Attacke aus Marburg

Potsdamer Kulturloge sucht nach einem neuen Namen Attacke aus Marburg

Die von Studentinnen der Fachhochschule Potsdam gegründete Kulturloge wird ihren Namen wegen eines drohenden Rechtsstreits ändern. Das gab die Loge gestern auf MAZ-Anfrage bekannt.

Hintergrund ist ein bundesweit ausgetragener Konflikt zwischen einem Bundesverband und einer Bundesarbeitsgemeinschaft, deren Mitglieder jeweils nach dem Tafelprinzip frei bleibende Plätze in Kulturveranstaltungen an Gäste mit geringem Einkommen vermitteln.

Der Bundesverband formierte sich um die erste, 2008 initiierte Kulturloge in Marburg, die den Begriff markenrechtlich schützen ließ und von neuen Logen erwarten, dass sie mit der Übernahme des Titels auch nach den Prinzipien der Marburger Loge arbeiten. Nach Angaben von Hilde Rektorschek, der 1. Vorsitzenden, hat der Bundesverband 23 sogenannte Mitgliedskulturen, weitere drei Kulturlogen seien von Lionsclubs gegründet worden. „Als Vorsitzende der Bundesvereinigung“, so Rektorschek gestern, habe sie der Kulturloge Potsdam „am 2. Februar schriftlich untersagt, diesen Namen zu nutzen“.

Die Potsdamer Kulturloge erklärte gestern, das sie von Rektorschek „einmal telefonisch über die Existenz einer Lizenz und deren Bedingungen aufmerksam gemacht“ worden sei, „welche sich jedoch nicht für uns auf Potsdam übertragen ließen“. Zu den Bedingungen aus Marburg zählt nach Angaben der Potsdamer, dass sich Gäste nicht direkt bei der Loge, sondern nur bei Sozialpartnern der Loge wie der Arbeiterwohlfahrt oder der Volkssolidarität anmelden können. Damit aber könnte für potenzielle, nicht diesen Sozialpartnern verbundene Gäste eine Hürde entstehen.

In der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kulturlogen sind bundesweit 13 Initiativen vereint, die eine strikte Umsetzung des Marburger Konzepts ablehnen. Angela Meyenburg, die mit der Berliner die größte Kulturloge der Bundesrepublik vertritt, erklärte: „Die reine Lehre aus Marburg funktioniert in einer Großstadt wie Berlin nicht.“ Der Kulturloge Berlin wurde laut Rektorscheck ebenso wie Hamburg, Ruhr, München und Leipzig durch einen Rechtsanwalt aus Marburg eine Abmahnung ausgesprochen, weil sie nicht wegen des Namens angefragt hätten, ein anderes Logo führten und nicht nach den Grundsätzen der Kulturloge arbeiteten.

Das Potsdamer Projekt wurde von der Härte des Tons überrascht: „Wir hofften auf eine gütliche Einigung und waren uns nicht bewusst, dass es solche starken Differenzen gibt. Für uns steht die Idee der niedrigschwelligen Kulturvermittlung im Mittelpunkt und wir sind der Meinung, dass wir alle für die gleichen Ziele einstehen.“ Als Konsequenz steht nun die Suche nach einem neuen Namen: „Da wir nicht weiter für Verwirrung sorgen und uns ebenso ausdrücklich von der Arbeit des Bundesverbandes distanzieren möchten, werden wir den Namen Kulturloge Potsdam nach einer Findungsphase nicht weiterführen. Zudem möchten wir unsere Arbeit wie bisher inhaltlich fortsetzen und unsere Freizeit und Energie nicht mit Markenrechtsauseinandersetzungen vergeuden.“ Die Potsdamer Kulturloge bittet auch die MAZ-Leser, sich an der neuen Namensgebung zu beteiligen. Vorschläge können bis 12. Mai per presse@kulturloge-potsdam.de eingereicht werden.

Die Potsdamer Kulturloge stellte sich am 15. April in der Biosphärenhalle erstmals der Öffentlichkeit vor. Zu ihren Partnern zählen zahlreiche Kultureinrichtungen, aber auch Sportvereine wie der SV Babelsberg 03 und der 1. FFC Turbine Potsdam. Nicht dabei sind bislang mit dem Hans-Otto-Theater und dem Nikolaisaal die größten städtischen Kultureinrichtungen, die auf MAZ-Anfrage auf eigene spezielle Angebote für Gäste mit geringem Einkommen verwiesen (MAZ berichtete). Bei der Potsdamer Kulturloge haben sich seit dem 15. April 58 Gäste angemeldet, an die 161 Karten vermittelt werden konnten. (Von Volker Oelschläger)

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