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Attikafiguren sollen auf Potsdamer Landtag

Bündnis will Skulpturen aus Berlin zurückholen Attikafiguren sollen auf Potsdamer Landtag

Ab März könnten etappenweise fünf restaurierte Figuren auf dem Dach des neuen Landtags in Gestalt des Stadtschlosses aufgestellt werden, darunter der berühmte Herkules des Bildhauers Johann Gottlieb Heymüller. Das kündigte der Vorsitzende des Fördervereins, Michael Schöne, an. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sieht keinen Handlungsbedarf.

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Noch stehen die Attikafiguren, die ursprünglich für das Potsdamer Stadtschloss geschaffen wurden, auf dem Dach der Humboldt-Universität.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Es wäre ein wichtiges Signal im Tauziehen um die umstrittene Rückführung von acht originalen Attikafiguren aus Berlin. Dafür machen sich die Stadtverordneten von CDU und Aktionsbündnis Nordwest stark und haben sich mit ihren Kollegen in der Hauptstadt verbündet. Der Fall soll „im übernächsten Kulturausschuss“ diskutiert werden, sagte Uwe Lehmann-Brauns, Leiter des Arbeitskreises Kultur und Europa im Abgeordnetenhaus. Das wäre im Februar. Der gebürtige Potsdamer unterstützt die Rückgabe der Dauerleihgaben, die seit Jahrzehnten die Humboldt-Universität zieren. „Das ist ein Testballon, wenn die SPD dagegen ist, sehe ich wenig Chancen“, sagte der erfahrene Berliner Kulturpolitiker. Er war am Montag auf Einladung von Horst Heinzel (CDU/ANW) von der Spree an die Havel gekommen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Die Fraktion hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im September 2013 beauftragt, zur Rückholung der Figuren Gespräche mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) als Eigentümerin und der Landesregierung aufzunehmen. Der Antrag genießt laut Heinzel „breite Zustimmung“ in der Bevölkerung. „Am 29. Januar erwarten wir dazu Jakobs Bericht.“

Hunderte Spolien integriert

  • Von den ursprünglich 76 Attikafiguren sollen eines Tages 38 das Landtagsschloss schmücken, so haben es die Abgeordneten selbst beschlossen.
  • Mehr als 300 Spolien genannte historische Bauteile wie Kapitelle und Reliefstücke sind bisher in die Fassade des Neubaus integriert worden.
  • Nach Angaben der Schlösserstiftung stehen 18 erhaltene Schlossfiguren in den Depots, von ebenso vielen existieren Fragmente.
  • Bereits durch Spenden restauriert sind etwa die eleganten Heymüller-Skulpturen Herkules und Minerva.

Die Strategierunde im Café Heider komplettierten die Landtagsabgeordneten Steeven Bretz und Saskia Ludwig (beide CDU). In Sachen Attikafiguren vermisse man „eine starke Stimme aus Potsdam, ein politisches Signal des OB“, sagte Bretz. „Wir wollen den Antrag stellen, dass Brandenburg den Leihvertrag kündigt. Die Regierung ist ja schließlich Mitglied im Stiftungsrat“, sagte Ludwig. „Wir als Verein werden jedenfalls keine Duplikate der Figuren finanzieren, das sieht unsere Satzung nicht vor“, so Schöne.

Nach dem Abriss des 1945 schwer zerstörten Potsdamer Stadtschlosses kamen die acht geretteten Sandsteinfiguren, die antike Liebespaare darstellen, auf die Dächer der Seitenflügel der Humboldt-Uni. Der am 26. August 1966 dazu geschlossene Vertrag ist nur aus „wichtigen Gründen“ kündbar. Diese könnte etwa der Bauherr des Landtagsschlosses geltend machen. Doch laut SPSG-Sprecher Frank Kallensee liegt bisher „kein offizielles Begehren der Brandenburger Landesregierung“ vor. Außerdem setze die Rückgabe der Skulpturen an die SPSG „eine denkmalrechtliche Erlaubnis voraus“. Die versagt die Berliner Denkmalbehörde bisher.

Stiftungsgeneraldirektor Hartmut Dorgerloh sieht ohnehin keinen Handlungsbedarf. Er hat in der Vergangenheit mehrfach für einen sinnvollen Denkmalzusammenhang plädiert, den er in der Potsdamer Schlosskopie keineswegs, in Berlin aber sehr wohl gegeben sieht. Auch die repräsentative Dreiflügelanlage des Palais Prinz Heinrich Unter den Linden war im Krieg teilweise ausgebrannt. Anfang der 60er Jahre wurde sie für die universitäre Nutzung wiederaufgebaut. Wie Dorgerloh votieren übrigens auch andere Experten – im wissenschaftlichen Beirat der SPSG und in einem Gutachten des Berliner Landesdenkmalamtes. Dort arbeitet man zudem daran, die acht Attikafiguren als Teil des zu DDR-Zeiten restaurierten Denkmalensembles unter Schutz zu stellen. Insofern sei Landeskonservator Jörg Haspel eher „ein Unglück“ für die Debatte, meinte Lehmann-Brauns. Er regte gestern eine öffentliche Diskussion mit allen Beteiligten an. Ziel müsse es doch sein, die Authentizität eines Bauwerkes wiederherzustellen. In diesem Fall sei das möglich. Vielleicht könne man ja auch einen Austausch arrangieren. Nach seiner Kenntnis lagern in Potsdamer Depots auch Spolien des Berliner Schlosses wie etwa die Skulptur des Moritz von Oranien und eine Adlersäule.

PRO

Rückkehr wäre ein Signal
Jürgen Stich will die Figuren wieder in Potsdam haben.

Es gibt keinen wirklich nachvollziehbaren Grund, warum die originalen Schloss-Figuren nicht wieder nach Potsdam zurückkehren sollten. Sie standen bis zum Abriss der Hohenzollern-Residenz auf dem Gebäude. Dass Berlin den Stein-Göttern Exil gewährte, so lange ihre Heimat zerstört war, ist anerkennenswert. Aber nun steht das Potsdamer Schloss wieder, zwar als Neubau, aber doch mit einigen, geretteten Originalelementen. Dazu gehören zweifelsfrei auch die Attikafiguren, die jetzt noch die Berliner Humboldt-Uni zieren. Ihre Rückkehr wäre auch ein Signal dafür, dass die Abriss-Orgien der DDR-Zeit keinen Schlussstrich unter die Geschichte Potsdams gesetzt haben. Einiges konnte gerettet werden, soll das am Ende nun umsonst gewesen sein?

» Mit der MAZwebcam das Stadtschloss immer im Blick

KONTRA

Es gibt Wichtigeres
Volker Oelschläger meint, die Rückkehr ist nicht dringend.

Es gibt Wichtigeres als eine möglichst rasche originalgetreue Nachbildung jener Figurengruppe, die sich einst auf der Attika des historischen Stadtschlosses befand – Schulneubauten für 250Millionen Euro allein in Potsdam beispielsweise. Auch das neu errichtete Schloss ist keine originalgetreue Rekonstruktion. Die Maße des Knobelsdorffschen Originals mussten gedehnt und gequetscht werden, damit der Landtag Platz in diesem Gebäude findet. Doch ein Kompromiss für diese zentrale Baustelle war wichtig, weil sich die weitere Gestaltung der Innenstadt daran orientiert. Bei den Attikafiguren hingegen besteht die Chance, gelassener über Rekonstruktion oder Neugestaltung zu diskutieren. Die acht ausgeliehenen Figuren sollten einstweilen in Berlin bleiben.

Von Carola Hein

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Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, haben in der nächsten Woche ein Gipfeltreffen anberaumt, um über eine mögliche Rückhol-Aktion zu beraten. Ein Blick in den Leihvertrag macht die Lage nicht einfacher.

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