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Auf den Spuren der Sowjetarmee

Führungen durch „Berlins Taiga“ Auf den Spuren der Sowjetarmee

Der Potsdamer Touristiker Holger Raschke organisiert Führungen auf den Spuren der Roten Armee. Sein Interesse gilt dem Alltag in der fast 50 Jahre währenden Besetzung der Region durch die Sowjetarmee. Rundgänge durch Potsdam streifen neben bekannten Gedenkorten wie dem Schloss Cecilienhof auch die Innenstadt mit Landtagsschloss und Staudenhof.

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Denkmal auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof am Bassinplatz in Potsdam.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. „Berlins Taiga“ ist der Name eines jungen Babelsberger Unternehmens, das Touren auf den Spuren einer sowjetisch geprägten Vergangenheit in Berlin und Brandenburg anbietet. Der Name ist mit der Bezeichnung der endlosen Wälder Sibiriens Anspielung auf das weitläufige Umland der Bundeshauptstadt, die über ein halbes Jahrhundert als Frontstadt im Kalten Krieg zu den Brennpunkten der Weltpolitik gehörte.

„Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 und dem endgültigen Abzug der russischen Armee 1994 aus Deutschland hatte die Region eine fast 50-jährige sowjetische Geschichte“, sagt Holger Raschke (34), der in Jüterbog aufwuchs, einer Gegend, „in der die Sowjetarmee omnipräsent war“: „Rundherum gab es endlose Kasernenstädte, abgeschirmte Militärobjekte und gigantische Übungsplätze.“ Heute seien die Kasernen in Teltow-Fläming „Lost Places“ – verlorene Orte – und die verlassenen Truppenübungsplätze Wolfsrevier.

Touristiker Holger Raschke

Touristiker Holger Raschke.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Raschke studierte an der Universität Potsdam Soziologie und Humangeografie und im Anschluss daran Tourismusmanagement an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. In seiner Masterarbeit untersuchte er „das touristische Potenzial des sowjetischen Erbes in Brandenburg“ am Beispiel des Landkreises Teltow-Fläming und der Landeshauptstadt Potsdam.

Ein Drittel Potsdams war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee besetztes Sperrgebiet, schätzt Raschke. Der Neue Garten sei erst 1952 wieder für die Bevölkerung freigegeben worden. Zeitweise seien in Potsdam 30- bis 40 000 sowjetische Soldaten stationiert gewesen, bis zum Anfang der 1990er Jahre sei die Zahl auf rund 15 000 gesunken.

Im Vergleich zu dieser enormen Präsenz auch im Alltag der Stadt seien gut 25 Jahre nach dem Mauerfall nur noch wenige offensichtliche Spuren geblieben, sagt der Touristiker. Als Beispiel dafür nennt er die Hegelallee und die Kurfürstenstraße als eine Achse, die mit dem längst abgerissenen Haus der Offiziere samt dem verschollenen Lenindenkmal begann und am Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft endete, das den meisten nur noch als Logenhaus geläufig sei.

In seiner Masterarbeit stellte Raschke fest, dass Potsdam mit Schauplätzen wie dem Schloss Cecilienhof als Ort des Potsdamer Abkommens und der als Agentenbrücke legendären Glienicker Brücke ein „Ort mit großer zeithistorischer Bedeutung“ sei. Die Gedenkstätte Leistikowstraße, früher Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes, bekommt in seiner Einschätzung gute Noten als „Anknüpfungspunkt“ für den „Dark Tourism“, den Tourismus zu „dunklen Orten“, zu Orten des Schreckens. Für die Bestnote fehle jedoch „ein Teilstück authentischer Grenzanlage“.

Ihn interessiere für seine Touren das Alltagsgeschehen, sagt Raschke: „Wie hat sich die Präsenz der sowjetischen Truppen ausgeprägt auf die Region, wie war das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung, wie war der Alltag der sowjetischen Soldaten

Führungen bietet „Berlins Taigga“ zunächst für Potsdam und Berlin an, später sollen auch andere Regionen Brandenburgs folgen. Ein Rundgang durch die Landeshauptstadt mit dem Titel „Sowjetisches Potsdam – Durch das Rote Potsdam“ beginnt in der Mitte mit ihren historischen Häutungen. An der Alten Fahrt bereits rekonstruierte Gebäude der zum Kriegsende vernichteten historischen Innenstadt, dahinter das in den 1970er Jahren errichtete Fachhochschulgebäude, das in Raschkes Erzählung zum Zeugnis des Kalten Krieges wird. So sei der tief gelegte Wirtschaftshof im Staudenhof ursprünglich als Atomkriegsbunker geplant worden. Weitere Stationen dieser Tour sind der sowjetische Ehrenfriedhof am Bassinplatz, das KGB-Städtchen am Neuen Garten mit der Gedenkstätte Leistikowstraße, das Schloss Cecilienhof und die Glienicker Brücke.

Einstige Kasernen stehen nicht auf dem Programm, der Lebensalltag der in Deutschland stationierten Truppen wird allerdings thematisiert. Eine Zweiklassengesellschaft mit privilegierten Offizieren und drangsalierten niederen Rängen, die so gar nicht den sozialistischen Gleichheitsidealen entsprach.

Berlins Taiga im Internet

Ausführliche Informationen zur „Berlins Taiga“ mit Geschichten, Tourenangeboten und Themenschwerpunkten vom Zweiten Weltkrieg bis zu „Lost Places“ gibt es auf der Seite www.BerlinsTaiga.de im Internet.

Nächste Termine für die Führung „Sowjetisches Potsdam“ sind am Sonnabend und Sonntag jeweils um 11 Uhr ab Hauptbahnhof Potsdam, Treff am Ausgang Babelsberger Straße. Teilnahme nur nach Anmeldung auf der Internetseite Berlins Taiga oder per Telefon 0160/5 111 887.

Von Volker Oelschläger

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