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Auf der Alm die Stimme entdeckt

„Hildegard lernt fliegen“ im Nikolaisaal Auf der Alm die Stimme entdeckt

Anlässlich der Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Luzern musizierten „Hildegard lernt fliegen“ und das Filmorchester Babelsberg am Freitag im Nikolaisaal. Die Zusammenarbeit der Musiker war nur in Teilen gelungen.

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Die Schweizer Formation „Hildegard lernt fliegen“ spielt hauptsächlich Eigenkompositionen.

Quelle: Foto: Reto Andreoli

Potsdam. Der Name des Sextetts „Hildegard lernt fliegen“ signalisiert schon, hier sind Spaßvögel und Abenteurer am Werk. Der musikalische Kopf der Truppe, Andreas Schaerer, hat – wie es heißt – als Kind auf der Alm in der Schweiz Schafe gehütet und dabei aus Einsamkeit und Übermut mit seiner Stimme gespielt. Nach einer Gesangsausbildung kann der heute 41-Jährige in so ziemlich allen Lagen singen und obendrein steckt in seiner Kehle ein ganzes Orchester. Während er mit der Zunge die Rhythmussektion imitiert, vermag er mit den Lippen wie eine Klarinette zu greinen oder wie ein Posaunenchor zu röhren.

Auch als Komponist schöpft der Sprudelkopf aus einer übervollen Wundertüte. Sein Avantgarde-Jazz-Sextett unternimmt seit 2007 wilde Achterbahnfahrten zwischen aufgekratzter Rockoperette, romantischen Bänkelliedern und dadaistischem Popanz und wurde 2015 mit dem „Jazz-Echo-Preis“ belohnt. Beim Auftritt am Freitagabend im Nikolaisaal anlässlich der seit 15 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und dem schweizerischen Luzern gab es keinen freien Platz. Auch Gäste aus der Partnerschaft lauschten ihren Landsleuten.

Die Zusammenarbeit der sechs Nachfahren von Kurt Weill, Frank Zappa und Bobby McFerrin mit dem 60-köpfigen Filmorchester Babelsberg war aber dann doch keine so gute Idee. Unter der Leitung von Scott Lawton präsentierten die Musiker sechs Stücke, die einfach nur überhitzt und überinstrumentiert klangen. Die komplexen Motive des Stimmakrobaten wurden oft von den vielen Bläsern und Streichern nur gedoppelt, die Feinheiten einzelner Instrumentengruppen und des Orchesterklangs gingen im nervösen Sound unter.

Ein Viertel der Bühne war allein mit perkussivem Instrumentarium zugestellt, das von bis zu sechs Armpaaren bearbeitet wurde. Dabei lieferte schon Schaerers Beatboxing dichte steppende Rhythmen. Emotionaler Höhepunkt der recht kurzen Darbietung war das Dirigat des Solisten Schaerer, der Scott Lawton für ein Stück vom Pult vertrieb. Von oben sang und performte er in ein Mikrofon in Richtung Orchester und erteilte gleichzeitig mit ausladenden zuckenden Bewegungen die Einsätze. Schaerer strahlt kaum Innerlichkeit aus, er ist ein Musiker, der auf der Bühne den Stress liebt und bis in die Fingerspitzen unter Strom steht. Ein Übermaß an musikalischen Energien und detailfreudigen Einfällen rechtfertigt noch lange kein Großformat.

Von Karim Saab

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