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Potsdam Auf der Suche nach den besten Filmen
Lokales Potsdam Auf der Suche nach den besten Filmen
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09:45 23.02.2017
Die Studentenjury sichtet seit Anfang Februar täglich sechs Stunden Filmmaterial. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Qualität vor Quantität gilt beim Potsdamer Filmfestival Sehsüchte in diesem Jahr. Mehr als 1000 Filme erreichten das Organisationsteam bestehend aus Masterstudenten der Filmuni „Konrad Wolf“ bis zum Einsendeschluss im Januar.

Das sind zwar weniger Filme als im Vorjahr, dank einer kleinen Teilnahmegebühr beteiligten sich in diesem Jahr aber nur die, die auch wirklich auf die Festival-Leinwand wollen. „Aus 65 Ländern erhielten wir Einreichungen, darunter ganz Europa inklusive Russland aber auch amerikanische Länder“, berichtet Sehsüchte-Pressesprecher Stefan Babuliack.

Mehrere Jury-Gruppen für verschiedene Film-Kategorien

Inzwischen sind die Filmebewerter in Vollzeit dabei, alle 1000 Einsendungen zu sichten. Die Studentenjury nimmt so eine Vorsortierung für die Fachjury vor und erstellt dann das Festivalprogramm. Einige von ihnen widmen sich in der Kategorie „Future“ den Kinder- und Jugendfilmen und suchen in der Sparte „Spotlight Produktion“ Filme, die besonders durch eine herausragende Organisation und beispielhafte Finanzierung bestechen.

Positive und negative Highlights

Eine andere Gruppe begutachtet täglich 350 Minuten Filmmaterial in den Sektionen Spielfilm, Musikvideo, Genre- und Dokumentarfilm. „Bei einigen Filmen schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen“, berichtet Student Stefan Wirth.

Glücklicherweise gibt es unter den Bewerbern aber auch das andere Extrem. „Ich bin erstaunt, was junge Filmemacher für tolle Sachen machen können“, erzählt er weiter. Etwa 130 Streifen schaffen es am Ende tatsächlich in das Programm des Festivals. Nur eine Handvoll von ihnen wird von der noch unbenannten Fachjury prämiert.

Das Festivalmotto ist zweideutig

Was sie alle vereint, ist das Motto des diesjährigen Sehsüchte-Festivals: surfaces (zu deutsch „Oberflächen“). Es regt zum Spiel mit verschiedenen Bedeutungsebenen an. Denn auch das Motto an sich ist zweideutig. Immerhin enthält es einen weiteren englischen Begriff. „Faces“ heißt auf Deutsch „Gesichter“.

Einige Filme nahmen die Aufforderung, schlicht und einfach nur Oberflächen zu filmen an. Das sei besonders in Musikvideos und bei Animationen beliebt, berichtet die Studentenjury. Aber auch auf Vorurteile beispielsweise zu den Themen Rassismus und Homophobie hätten sich viele Filmemacher anhand des Mottos bezogen.

„Oft muss man sogar seine Lieblinge rausschmeißen“

Bewertet wird am Ende von der Jury aber nicht nur, ob ein Film zum Motto passt. Alle eingereichten Werke haben eine Chance, im Festivalprogramm aufgenommen zu werden. Denn die Studentenjury diskutiert hart. „Oft muss man sogar seine Lieblinge rausschmeißen“, berichtet Studentin Leonie Below, „aber es geht ja nicht nur darum, was einem persönlich gut gefällt, sondern was sich gut für das Festival eignet.“

Filmgeschichte erleben und Kontakte knüpfen

Auf Diskussionen hoffen die Studenten auch während des sechstägigen Festivals, das am 26. April startet. Immerhin heißt Filme schauen für sie, nicht nur im Kino sitzen und Popcorn essen. Das Festival soll vor allem dazu dienen, Kontakte zwischen Studierenden, Filmemachern aber auch Produzenten und Drehbuchschreibern zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Deshalb gehören zum Rahmenprogramm auch ein gemeinsames Frühstück der kreativen Köpfe, eine Werkschau der polnischen Partneruniversität und Abendveranstaltungen.

Außerdem soll die Geschichte des Festivals wieder mehr zelebriert werden. Es wird nicht nur Führungen durch die benachbarten Filmstudios geben. Mit der Wiederbelebung der „Retrospektive“ widmen sich die Studierenden ganz konkret der Sehsüchte-Historie. „Diese Sektion wird vom Filmkulturerbe-Studiengang kuratiert und zeigt die besten Filme von ehemaligen Studenten und des Festivals“, kündigt Babuliack an.

Zur Geschichte des Studentenfilmfestivals

Das Festival startete 1972 unter dem Namen „FDJ-Studentenfilmtage“. In den ersten Jahren wurden ausschließlich hochschuleigene Produktionen gezeigt. 1977 öffnete es sich erstmals für Hochschulen im „befreundeten“ Ausland der DDR. In den 1980ern zeigte man schließlich auch Filme aus Westdeutschland.

Mit der Wende wurde das Festival in das „Neue Potsdamer Filmfest“ integriert und fand nicht mehr eigenständig statt. Unabhängig und unter dem Namen „Sehsüchte“ wurde das Festival erst 1995 von Studierenden der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam wieder eingeführt.

Das Logo, eine rote Flamme, schmückt das Festivalbanner seit 2002. Im Jahr 2005 übernahm der Masterstudiengang Medienwissenschaft der Babelsberger Filmuniversität Konrad Wolf die komplette Organisation. Heute ist Sehsüchte das größte Filmfestival für Studierende in ganz Europa.

Von Victoria Barnack

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