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Potsdam Auf der Suche nach verschollenen Soldaten
Lokales Potsdam Auf der Suche nach verschollenen Soldaten
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00:17 11.05.2017
Wolfgang Ditting mit der Gräber-Dokumentation. Quelle: Volker Oelschläger
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Potsdam

In einer Gedenkveranstaltung wird heute auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof am Bassinplatz des 72. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus gedacht. Ein regelmäßiger Teilnehmer dieser alljährlichen Veranstaltung ist der Potsdamer Wolfgang Ditting. Er war 1994 Mitgründer des „Arbeitskreises Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“: „Bis 1990 gab es überhaupt keinen Grund zur Besorgnis, dass sich Deutsche um diese Grabstätten und Denkmäler kümmern müssten“, sagt der 77-Jährige.

Er sah sich persönlich in der Pflicht

Doch mit dem beginnenden Abzug der russischen Truppen nach dem Mauerfall sei es in Ostdeutschland immer häufiger zu Grabschändungen ebenso wie zu Übergriffen auf Militärangehörige gekommen. Schließlich ergaben sich Lücken in den gesetzlichen Regelungen zur Pflege der Anlagen. Ditting, bis zum Mauerfall Ökonom an der Akademie für Staat und Recht in Babelsberg und seit 1952 Mitglied der damaligen Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF), sah sich persönlich in der Pflicht.

In einem ersten Schritt stand eine flächendeckende Bestandsaufnahme der mehr als 1000 Gedenkorte für das gesamte Gebiet der früheren DDR. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei schwierig angelaufen: „Ehrenamtliche Arbeit wurde als Störfaktor behandelt.“ Mehrere Jahre recherchierte der Arbeitskreis für eine Dokumentation: „Gestützt auf Publikationen aus der DDR-Zeit und andere Unterlagen sind wir zu jedem einzelnen Objekt gefahren, um mit Fotografien belegen zu können, wie es dort aussieht.“

Bürgermeister und Landräte baten um Entschuldigung

Eine Auswahl der 3500 Aufnahmen umfassenden Fotosammlung wurde in allen neuen Bundesländern, aber auch in der Russischen Botschaft in Berlin gezeigt. Nach dieser Ausstellung seien bei der Botschaft Dutzende Entschuldigungsschreiben von Bürgermeistern und Landräten wegen des beklagenswerten Zustandes von Gedenkstätten und Friedhöfen eingegangen, berichtet Ditting.

2005 erschien im Wostok-Verlag Berlin die vom Arbeitskreis herausgegebene Broschüre „Sowjetische Gräberstätten und Ehrenmale in Ostdeutschland heute“. Immer häufiger machten sich Initiativen vor Ort die Rechercheergebnisse des Arbeitskreises im Streit um den Umgang mit Gedenkstätten zu eigen.

Friedhofsregister und Unterlagen zur Truppenbewegung helfen

Im selben Jahr bekam der Arbeitskreis aus einer Hinterlassenschaft der früheren Wünsdorfer Kommandozentrale der sowjetischen Truppen in der DDR einen Schriftsatz mit 1500 ungeklärten Auskunftsersuchen von Angehörigen verschollener Armeeangehöriger. In 500 Fällen wurde rasch geklärt, dass sich die Gräber nicht in Deutschland befinden können. 800 Fälle konnten laut Ditting schließlich „zweifelsfrei“ ermittelt werden. Wichtige Recherchenhilfen seien Friedhofsregister und die mittlerweile komplett veröffentlichten Unterlagen über sowjetische Truppenbewegungen im Zweiten Weltkrieg.

Mittlerweile ist die Identifikation von Soldatengräbern Schwerpunkt der Arbeit des gerade noch drei Mitglieder starken Arbeitskreises. 2016 wurden laut Ditting 185 Auskunftsersuchen recherchiert. Dabei konnten 30 Grabstellen ermittelt, in weiteren 115 Fällen der jeweilige Friedhof bestimmt werden. 33 Fälle würden im Ausland vermutet, sieben Fälle erwiesen sich als unlösbar.

Putin dankte dem Arbeitskreis

Seit 1998 arbeitet der Arbeitskreis unter dem Dach der Brandenburgischen Freundschaftsgesellschaft, der Nachfolgeorganisation der DSF. Im Dezember 2012 wurde dieser Freundschaftsgesellschaft in einem von Präsident Wladimir Putin unterzeichneten Schreiben für die Arbeit des Arbeitskreises gedankt. Insgesamt seien auf dem Termin in der Russischen Botschaft zehn Initiativen mit solch einer Urkunde gewürdigt worden, sagt Ditting. Doch der Arbeitskreis sei die einzige rein ehrenamtliche gewesen.

Wolfgang Ditting, der auf seinen Recherchereisen auf eigene Kosten rein rechnerisch mehrfach die Erde umrundete, versteht seine Arbeit als Friedensdienst. „Soldatengräber sind die wahren Prediger des Friedens“, hat Nobelpreisträger Albert Schweitzer gesagt, „und ihre Bedeutung als solche wird immer zunehmen.“

Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestage der Befreiiung

Die Landeshauptstadt und die Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft laden heute um 11 Uhr zur traditionellen Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Bassinplatz ein.

Unter dem Motto „Eine Blume für jedes Rotarmistengrab“ sind alle Bürger und Gäste der Stadt eingeladen.

Auf dem Ehrenfriedhof am Bassinplatz sind 680 Sowjetsoldaten beigesetzt. Gedacht wird der 27 Millionen Sowjetbürger, die im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. vo

Von Volker Oelschläger

Heute vor 72 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Dazu findet ein Gedenken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof am Bassinplatz statt. Eine weitere Aktion: Die Stolpersteine, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Nazi-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert und vertrieben wurden, werden geputzt. Was zudem in Potsdam passiert, erfahren Sie hier.

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