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Auf nach Sansibar! Aber erstmal aufstehen

Städtepartnerschaft Potsdam-Sansibar Auf nach Sansibar! Aber erstmal aufstehen

Potsdams Städtepartnerschaft mit Sansibar muss gepflegt und besiegelt werden. Unsere Reporterin Ildiko Röd begleitet eine Delegation aus der Landeshauptstadt. Der erste Schock: 4.30 Uhr abfahrtsbereit sein. Später erklärt ihr ein Moslem im Flugzeug, wie man über den Wolken nach Mekka betet. Zur Not vor der Bordtoilette.

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Quelle: Ildiko Röd

Sansibar/Potsdam. Montag, erster Reisetag

Also, es ist ja so: Ich bin eine richtig begeisterte Frühaufsteherin. Vor Tau und Tag hüpfe ich gut gelaunt aus den Federn, um einen Zehnkilometer-Waldlauf zu absolvieren. Danach mampfe ich ein Öko-Müsli, um anschließend gestiefelt und gespornt glücklich um 6.15 Uhr in die Redaktion aufzubrechen. Glauben Sie nicht? Gut, dann haben Sie recht. Entsprechend groß war.meine „Freude“, als die Städtepartnerschaftsbeauftragte Isabell Sommer ankündigte: „Unser Gemeinschaftstaxi holt Sie um 4.30 Uhr ab!!!“ Yippie! Geht’s vielleicht noch früher, bitte?

4.30 Uhr: Wie durch ein Wunder habe ich es geschafft aufzustehen. Ich sitze vor dem Lichthaus in der Hegelallee auf der Treppe. Und warte, und warte. Anruf Isabell Sommer: „Der Taxifahrer hat uns versetzt und ist nicht gekommen - ich habe aber Ersatz organisiert.“

Irgendwann kommt der Ersatz angerollt, ein normales Taxi statt des bestellten Großraumtaxis. Aber große Kofferräume werden generell überbewertet. Man kann sein Gepäck auch sehr gut auf dem Schoß halten. Neben mir auf der Rückbank sitzen OB-Referentin Franziska Schumann und Frau Sommer, in Drewitz steigt die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) zu. Der Taxifahrer kurvt wie Weltmeister, um die Zeit aufzuholen. Sansibar - wir kommen.

Gruppenfoto in Tegel: Thomas Nolte , Neubauexperte bei der Pro Potsdam, ringt sich so was wie ein Lächeln ab. „Um diese Zeit fällt es mir schwer, begeistert auszusehen.“

Um 6.50 Uhr startet der Flieger Richtung Paris.Einige in der Gruppe - so wie ich. - sind totale Sansibar-Neulinge. Im Vorfeld haben die Erfahrenen wie Cordine Lippert von der Klimapartnerschaftsstelle , Isabell Sommeroder Claudia Dombrowsky und Kilian Kindelberger von der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft den Anfängern Tipps gegeben Gegen die Mücken „Antibrumm“ oder - als absolute Keule gegen Tropen-Getier - das Spray „NoBite“. Eher NoBillig, aber hoffentlich effektiv. Blaue langärmlige Kleidung sollte man in der Dämmerstunde auch nicht tragen, weil das die Quälgeister anscheinend magisch anzieht.

Und sonst? Sollten Frauen sich eher züchtig kleiden und Männer bei offiziellen Anlässen ebenfalls korrekt gekleidet auflaufen. Nur weil es auf Sansibar brüllheiß sein kann, heißt als nicht, dass die Gastgeber es schätzen, wenn man in Badelatschen und Shorts ankommt.

Dieses Bild einer Schlange am Flughafen Nairobi hat unsere Reporterin vom Flughafen aus geschickt – dort hatte sie kurz WLan-Empfang

Dieses Bild einer Schlange am Flughafen Nairobi hat unsere Reporterin vom Flughafen aus geschickt – dort hatte sie kurz WLan-Empfang

Quelle: privat

Der Flug nach Paris geht relativ schnell. Oberbürgermeister Jann Jakob (SPD) entspannt mit einem Buch des Österreichers Robert Seethaler: „Der Trafikant“. Darin geht es um einen Wiener Tabakwarenhändler, bei dem Sigmund Freund seine Zigarren einkauft. Freud soll den Trafikanten in Liebesdingen beraten.

Als wir uns Paris nähern, denke ich, dass ich vielleicht auch auf die Couch muss: Akuter Frustverarbeitungsbedarf. Die Glitzermetropole präsentiert sich in 50 Shades of Grey - alles nur Nebel und Regen „Londoner Wetter in Paris“, scherzt Jakobs. Die Damen in der Gruppe sind trotz der Menschenmassen im Transitbereich dann plötzlich bester Laune. Der Grund heißt Gucci, Balmain, Yves Saint Laurent und eine schicke Parfümerie - willkommen im Laden-Paradies. Natürlich wird nur geschaut und nicht geshoppt, aber schön ist es trotzdem, findet auch Julia Diebel, Sprecherin de Filmuniversität Konrad Wolf.

Und schon ist es wieder Zeit, die Bordkarte zu zücken. Um 10.55 geht’s weiter nach Nairobi. Die Stewardessen von Kenya Airlines sind in schickes Weinrot gekleidet und sehen teilweise aus wie Models. Ein paar der selbstbewussten Schönheiten laufen durch die Gänge, als wäre es ein Catwalk.

Plötzlich ein ungewöhnlicher Anblick: ein Moslem verrichtet sein Gebet - direkt vor der Herrentoilette. Zuerst habe ich Hemmungen, ihn anzusprechen, als er fertig ist. Aber Adam - so heißt der junge Mann von den Komoren- Inseln bei Madagaskar - ist super-offen und freundlich. „ Ich freue mich, wenn mich Leute auf meine Religion ansprechen, viele halten Moslems ja mittlerweile alle für Terroristen. Dabei sind das doch Verrückte: Unser Glauben würde uns nie gestatten, eine Bombe in die Hand zu nehmen.“

Muslime beten immer Richtung Mekka. Doch woher weiß Adam hier oben im Flugzeug, wo das ist? „ Wenn man nicht sagen kann, wo Mekka liegt, darf man in jede Richtung beten“, erklärt er.

Adam betet im Flugzeug, vielleicht nach Mekka hin – wenn man nicht weiß, wo Mekka ist, dürfe man in jede Richtung beten, erklärt er

Adam betet im Flugzeug, vielleicht nach Mekka hin – wenn man nicht weiß, wo Mekka ist, dürfe man in jede Richtung beten, erklärt er.

Quelle: privat

Seit Stunden herrscht schon Schummerlicht in der Kabine, obwohl draußen die Sonne vom blitzblauen Himmel knallt. Die Scheibentönung lässt Sandmännchen-Stimmung aufkommen. Viele dösen, zählen die Stunden. Gegen 14 Uhr erreicht das Flugzeug endlich Afrika an der libysch-ägyptischen Küste. Professor Thomas Weinke vom Bergmann-Klinikum, der die Rollos an seinem Fensterplatz offengelassen hat, konnte spektakuläre Szenen erleben. „Wir sind direkt über Venedig geflogen.“ Später wird er den gestauten Nil bei Assuan sehen - dieser Glückspilz!

Zwischen Potsdam und Sansibar

Zwischen Potsdam und Sansibar

Quelle: privat

ENDLICH! Als man schon geglaubt hatte, dass es gar nicht mehr wahr wird, setzt die Maschine nach acht Stunden Flug zum Landeanflug an. Karibu Kenya - der Gruß am Eingang des Flughafens. Heißt wahrscheinlich Willkommen, dafür muss man kein Sprachforscher sein. Eine Stunde Zeitverschiebung zu Deutschland. Hier ist es 20 .30 Uhr, zu Hause 19 .30 Uhr. Auch hier wieder eine der unendlichen Schlangen vor der Sicherheitskontrolle. Ich weiß nicht, wie oft ich heute schon, meinen Bauchbeutel ab- und wieder angeschnallt habe...

Gegen Mitternacht steht dann die letzte Etappe auf dem Programm . Der relativ kurze Flug nach Sansibar - falls ich dann noch die Kraft habe, über die Gangway zu kriechen .....

Von Ildiko Röd

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