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Auferstanden aus Ruinen durch Schmuggel

Nikolaikirche in Potsdam Auferstanden aus Ruinen durch Schmuggel

Der 2. Mai 1981 war ein besonderer Tag. Nach 36-jähriger Sanierung konnte Potsdams größte Kirche wieder eingeweiht werden. Beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Gotteshauses hatte die Gemeinde zu ungewöhnlichen Methoden gegriffen. So wurde der Zement per S-Bahn aus West-Berlin geschmuggelt. Am Sonntag lädt St. Nikolai zu Gottesdienst und Feier ein.

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Harald Geywitz ist Mitglied im Gemeindekirchenrat von St. Nikolai.

Quelle: Röd

Innenstadt. Fast wäre es ein Wunder geworden. Denn beim Bombenangriff in der Nacht des 14. April 1945 blieb die Nikolaikirche zunächst fast ohne Schaden – der Kuppel sei Dank. An ihrer Rundung glitten die Bomben einfach ab. Doch dann setzte der Beschuss der Artillerie der Roten Armee vom Brauhausberg aus ein. Unter den Trümmern der Kirche lagen Menschen begraben, die sich schutzsuchend dorthin geflüchtet hatten. Reste ihrer Gebeine fand man noch Jahre später. Die prächtige Kirche – erbaut nach dem Vorbild der Londoner St. Paul’s Cathedral – war nur noch ein Häuflein Elend.

Ansicht der kriegszerstörten Kirche

Ansicht der kriegszerstörten Kirche.

Quelle: Bundesarchiv

36 Jahre sollte es dauern, bis die Nikolaikirche wieder geweiht werden konnte. Am 2. Mai 1981 – also vor ziemlich genau 35 Jahren – hielt Bischof Albrecht Schönherr die Festpredigt. Viel Prominenz war da, auch aus dem Westen. Schließlich steckten allein neun Millionen D-Mark aus westdeutschen Kirchensteuermitteln in dem Bau – neben den Geldern aus dem Otto-Nuschke-Kulturfonds.

Festgottesdienst und Feier zum Jubiläum der Kirchweihe

Am Sonntag feiert die Gemeinde um 10 Uhr das Jubiläum der Kirchweihe mit einem Festgottesdienst. Propst Christian Stäblein hält die Predigt. Ab 11.15 Uhr gibt es in und vor der Kirche ein Fest mit Musik und Grillen.

Die Zerstörungen im April 1945 waren desaströs. Unter anderem stürzten die Außenkuppel und der südwestliche Turm ein. Der Portikus, der säulengestützte Vorbau vor dem Eingang, zerbarst und die Orgel brannte lichterloh.

Zu den Projekten der Gemeinde zählt der Bau der Orgel und die Arbeiten am Fries im Dreiecksgiebel am Portikus.

An jenem denkwürdigen 2. Mai 1981 lagen harte Jahre hinter den Gemeindemitgliedern. Zeitweise mussten sie sogar ins „Exil“ gehen. „Das Gemeindeleben spielte sich in dieser Zeit im 1909 erbauten Nikolaisaal in der Wilhelm-Staab-Straße ab“, erzählt Harald Geywitz, der Mitglied des Gemeindekirchenrats ist. Wie viele andere Ehrenamtler investiert er viel von seiner Freizeit in die wachsende Innenstadtgemeinde. Sie blüht auf, besonders seit der Eröffnung des Landtags gleich gegenüber. Die Erzählungen von den mühevollen Schritten des Wiederaufbaus muten vor dieser Kulisse fast unwirklich an. Die Anfangsjahre wirken wie eine Abenteuerstory. So mussten beispielsweise die zerschossenen Tamboursäulen mangels Sandstein mit Ziegeln aufgemauert werden. Den Zement dazu schmuggelte man per S-Bahn aus West-Berlin. Von 1956 bis 1959 folgte der Wiederaufbau der Kuppel in ihrer originalen Form, aber als Stahlfachwerkkonstruktion. Später wurden in den Kirchenraum Seitenwände aus Glas eingebaut, um so kleine Räume für das Gemeindeleben zu schaffen.

Harald Geywitz unter der riesigen Kirchenkuppel

Harald Geywitz unter der riesigen Kirchenkuppel. Der Blick von der Seitenempore ist besonders schön. Der anschließende Aufstieg auf die Aussichtsplattform ist zwar schweißtreibend, aber absolut lohnend.

Quelle: Idiko Röd

Das Highlight der Kirche – im wörtlichen Sinne – ist die Aussichtsplattform. Eine gewundene Treppe führt hinauf. Harald Geywitz geht voran, der Besucher folgt. Oben fühlt man sich wie ein Korkenzieher, aber die Aussicht ist unbeschreiblich. Die riesigen Engel auf den Türmen sind zum Greifen nah. Einen Schutzengel hatte auch die Kirche. Dass sie heute überhaupt noch steht, ist angesichts der vielfach kirchenfeindlichen Politik in der DDR keine Selbstverständlichkeit. Wie gelang es dennoch? „Mit Beharrlichkeit haben viele Menschen in den Jahrzehnten des Wiederaufbaus geholfen, aus West wie Ost, allen voran Manfred Stolpe“, erzählt Geywitz. Nur dank dieses „großen Miteinanders“ sei es gelungen, die große Schinkel-Kuppel – eines der Potsdamer Wahrzeichen – wieder neu erstehen zu lassen.

Von Ildiko Röd

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