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Potsdam Schöne Aussichten vom Flatowturm in Babelsberg
Lokales Potsdam Schöne Aussichten vom Flatowturm in Babelsberg
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00:21 09.08.2018
Serie Arbeiten wo andere Urlaub machen,Heinz Chudoba Aufsichtsmitarbeiter auf dem Flatowturm im Babelsberger Park. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Fast könnte man meinen, Rapunzel lehnt sich aus dem Turm und wirft ihren langen, blonden Zopf aus dem Fenster. Das Bild des berühmten Märchens der Gebrüder Grimm ploppt bei vielen Gästen im Kopf auf, wenn sie den Flatowturm im Babelsberger Park das erste Mal sehen, erzählt Turm-Aufseher Heinz Chudoba mit einem Augenzwinkern. Und doch passt die Assoziation. Läuft man am Ufer des Tiefen Sees entlang, ragt der beige 46 Meter hohe Turm auf dem Hang fast märchenhaft mit den blauen Spitzen heraus. Um ihn herum stehen ein paar alte Bäume. 1853 wurde der Turm im neogotischen Stil nach Plänen von Johann Heinrich Strack errichtet und diente dem Kaiserpaar Wilhelm und Augusta als Gästehaus und Ort für ihre Kunst- und Kulturgüter.

Unauffällig präsent sein

Der 65-Jährige steht am Turm-Eingang vor der kleinen Brücke, die über den trockengelegten, sternförmigen Wassergraben führt. Heinz Chudoba hat die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er trägt eine dunkelblaue Weste und eine gebügelte Faltenhose. Früher, vor seiner Pensionierung, war er Kriminalbeamter beim LKA, seit 2013 ist er Aufseher im Turm. „Ich habe mich schon immer für brandenburgisch-preußische Geschichte interessiert“, erzählt er. Und so weit seien die Jobs auch gar nicht voneinander entfernt, findet er. Hier passe er schließlich auch auf. „Meine Aufgabe ist es, präsent zu sein – aber unauffällig“, sagt er. Auch wenn es nicht seine Aufgabe ist, im Turm herumzuführen, so kann er doch das ein oder andere Detail erzählen. „Viele Gäste versuchen, sich erstmal über uns zu orientieren – da gebe ich gerne Hilfestellung“, berichtet Chudoba.

Er zeigt auf das Mobiliar unten im Spielzimmer. Die meisten sind Original-Stücke. „Man kann sich sehr in die Zeit hineinversetzten und hineinfühlen – das macht für mich den Charme des Turmes aus“, sagt er. Insgesamt vier Etagen können die Besucher anschauen – Museumstafeln erklären Hintergründe. „Der Turm ist ein Gesamtkunstwerk, alles hier ist inszeniert“, sagt Heinz Chudoba, während er die schmale Wendeltreppe hinaufgeht. 148 Stufen sind es bis zur Spitze – die Zahl hat sich bei ihm eingebrannt. Mehrere hundert Stufen steigt er am Tag hinauf und wieder hinab. „Die Fitnesseinheit ist also gleich inklusive“, scherzt Heinz Chudoba.

Viele Sichtachsen

Nicht nur Touristen auch viele Babelsberger, die schon 30 oder 40 Jahre hier leben, kommen her, um sich den Turm anzusehen. Der eine kommt, weil ihn die Geschichte dahinter interessiert, der andere möchte die Aussicht genießen. Heinz Chudoba hat seinen eigenen Blick auf den Turm: „Man muss ihn erobern, sich auf die Geschichte einlassen“, sagt er. Zimmer um Zimmer, Etage um Etage erweitert sich fächerartig die Aussicht. „Es ist wie im Theater: Die Spannung wird aufgebaut und am Ende gibt es auf der Empore die Belohnung“, erklärt er.

Fast wie im Märchen: Flatowturm im Babelsberger Park. Quelle: Bernd Gartenschläger

Vom Balkonzimmer kann man beispielsweise auf das Marmorpalais und das Belvedere blicken. In der letzten Etage – das ist Heinz Chudobas Lieblingsraum – eröffnen sich weitere geführte Sichtachsen etwa auf das Jagdschloss am Stern. Steigt man noch ein paar Stufen höher, erreicht man das Dach des Turmes. „Hier liegt einem Potsdam zu Füßen, hier kann man Potsdam erfahren“, schwärmt er. Für ihn ist es einer der besten Blicke, den man auf die Landeshauptstadt haben kann. Bei guter Sicht könne man sogar die Herlitz-Bauten in Falkensee erspähen.

Wenn der letzte Gast gegen halb sechs geht, schließt er zum Schluss den Turm ab. „Man hat seine innere Ruhe und ist zufrieden“, berichtet er von seinem Gemütszustand zu dieser Zeit. Von den Besuchern bekommt er hier viel zurück, sagt er. Immer wieder fallen Sätze wie „Das muss aber angenehm sein, hier zu arbeiten“ oder „Sie haben aber einen schönen Arbeitsplatz“, erzählt er. Für Heinz Chudoba ist es aber nicht nur der schönste, sondern eben auch der interessanteste und aufschlussreichste Arbeitsplatz.

Der Flatowturm im Babelsberger Park kann jeweils am Samstag und Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr bis Ende Oktober besichtigt werden. Letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schließzeit. Zwischen November und April ist er gänzlich geschlossen. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Von Anne Knappe

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