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Aus Angst wird auf Zwarte Pieten verzichtet

Sinterklaasfest in Potsdam Aus Angst wird auf Zwarte Pieten verzichtet

Es wird nun doch keine Schwarzen Pieten und keinen Sinterklaas zum Holländischen Weihnachtsmarkt am 12. und 13. Dezember geben. Der Förderverein hat das Angebot des Versicherungsmaklers Jörg Beier ausgeschlagen, notfalls das gesamte Fest zu finanzieren.

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Das diesjährige holländische Weihnachtsfest im Holländischen Viertel von Potsdam findet nun doch ohne den Sinterklaas und seine Zwarten Pieten statt.

Quelle: Köster

Innenstadt , Darsteller haben ihre Schuhcrème im Koffer. Nun also doch: Der holländische Weihnachtsmarkt im Holländischen Viertel von Potsdam findet dieses Jahr ohne den Sinterklaas und seine „Zwarten Pieten“ statt.

Versicherungsmakler Jörg Beier, der mit Hilfe von 79 Spendern notfalls den städtischen Zuschuss von 16000 Euro und einen privaten Kostenanteil von 12000 Euro allein zusammengetragen hätte, um den Nikolaus und seine Helfer zu retten, akzeptiert den Verzicht des Fördervereins zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam auf seine Hilfe. „Ich hätte die gesamte Summe aufgebracht“, versichert der Versicherungsmakler: „Ich hätte erstmal als Unternehmer dafür gebürgt und dann das Geld eingesammelt. Und wenn am Ende noch was gefehlt hätte, hätte ich das selber beigesteuert.“ 45000 Euro kostet das Fest insgesamt; darin sind rund 17000 Euro Eintrittsgelder enthalten.

Organisatoren wollten Fördergelder nicht riskieren

Der Verein habe jedoch Angst vor öffentlichen Konfrontationen, sagt er. „Die Mitglieder haben sogar persönlich Angst. Die sind hochgradig sensibilisiert und stark angeschossen.“ Die Mannschaft um Hans Göbel wolle eine höchstrichterliche Sinterklaas-Entscheidung in den Niederlanden abwarten, wo bislang nur entschieden ist, dass man die Schwarzen Pieten nicht verbieten kann, selbst wenn es in Holland wie in Potsdam Rassismusvorwürfe gegen das Schwarzschminken weißer Schausteller gibt. Auch die Stadtverwaltung wartet auf eine solche Entscheidung.

Im kommenden Jahr wird sich der Verein nach den Worten Beiers aber erneut der Disskussion stellen und eine weiteren Anlauf zum Weihnachtsauftritt der Schwarzen Pieten machen, falls in den Niederlanden eine Entscheidung zu Gunsten der Sinterklaas-Tradition fällt. Potsdams Marketing-Chefin Sigrid Sommer sagte am Dienstag der MAZ, man werde im Falle eines Pro-Sinterklaas-Urteils neu über die Ablehnung der Zwarten Pieten nachdenken und abwägen, welche Argumente schwerer wiegen.

 

Mit der Entscheidung der Stadt, die 16000-Euro-Förderung des Festes zurückzuziehen, falls Sinterklaas und der Pieten in Erscheinung treten, ist der Verein nach wie vor nicht einverstanden. Er will das Fest aber retten und als holländischen Weihnachtsmarkt mit holländischen Schaustellern ohne den Nikolaus und seine Helfer durchführen. Pikant ist, dass die Darsteller sowieso in Potsdam sind. „Die haben ihre Schuhcrème im Koffer“, sagt Beier für den Fall, dass sich der Wind doch noch dreht. Aber das müsste dann schnell geschehen, denn der Makler muss nun seine potenziellen Spender fragen, ob sie ihre Unterstützung aufrecht erhalten, wenn das Sinterklaas-Gefolge nicht auftaucht. Immerhin ist auch ein 80 Jahre alter Rentner aus Potsdam-West dabei, „der 500 Euro geben wollte, obwohl er sich das eigentlich nicht leisten kann“, wie Beier sagt. „Mir kamen angesichts dieser Geste fast die Tränen.“

Der Makler ist persönlich enttäuscht, dass der Verein klein bei gibt im Angesicht der Proteste, die er als „politischen Lobbyismus“ sieht. Enttäuscht hat ihn auch die Reserviertheit der Händlergemeinschaft AG City: „Die wollen ihr gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung nicht aufs Spiel setzen.“

Angst vor Konflikten mit Protestierern auf dem Fest hätte Beier nicht gehabt; vergangenes Jahr fand die Gegendemo mit rund 30 Teilnehmern ja nur am Hafen der Weißen Flotte statt, wo der Sinterklaas ankam. Auf Wunsch des Fördervereins hätte Beier einen privaten Ordnungsdienst aufgestellt, der das Hausrecht im Holländischen Viertel „sanft, aber nachdrücklich“ durchgesetzt hätte.

Von Rainer Schüler

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