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Potsdam Aus der Werkstatt des Alchemisten
Lokales Potsdam Aus der Werkstatt des Alchemisten
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02:20 19.05.2018
Uta Kaiser, Jutta Götzmann und Johannes Haerkötter mit dem um 1795 entstandenen Gemälde vom Marmorpalais mit dem Judenberg im Hintergrund. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Das Potsdam-Museum meldet spektakuläre Zugänge für die Sammlung. Ein um 1795 angefertigtes Ölgemälde zeigt den Rumpfbau des Marmorpalais noch ohne die erst später errichteten Seitenflügel. Im Hintergrund erhebt sich der mit Windmühlen besetzte Judenberg, auf dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts inmitten einer lennéschen Parkanlage das Pfingstberg-Belvedere erbaut werden sollte.

Über das spiegelglatte Wasser zieht eine Gondel: „Da hat sich Friedrich Wilhelm II. über den Heiligen See schippern lassen – vielleicht sogar zu seinem Lieblingsort, der Pfaueninsel“, sagt Uta Kaiser, wissenschaftliche Mitarbeiterin für bildende und angewandte Kunst am Potsdam-Museum.

Direktorin Jutta Götzmann bezeichnete das Bild am Mittwoch bei der ersten öffentlichen Präsentation als „wunderbare Bereicherung unserer Sammlung“. Es sei das erste Landschaftsbild vom Marmorpalais im Bestand des Museums. Die Geschichte der aus Privatbesitz erworbenen Vedute mit den Initialen CW ist noch unerforscht.

Eine sehr ähnliche Landschaftskomposition findet sich in dem Standardwerk „Potsdamer Veduten“ von Hans-Joachim Giersberg und Adelheid Schendel. Kaiser vermutet, dass diese auf 1793 datierte Radierung eines unbekannten Künstler als Vorlage für das Ölbild diente. Finanziert wurde der Ankauf über eine Spende der Fielmann AG.

Götzmann kündigte an, das Bild werde schon bald Gegenstand einer weiteren Spendenkampagne sein. Denn es habe starken Restaurierungsbedarf.

Kunckels Becher (Mitte) ist seit dem Zweiten Weltkrieg das erste ausstellungsfähige Goldrubinglas in der Sammlung des Potsdam-Museums. Bisher konnten zu diesem Thema nur Leihgaben anderer Häuser gezeigt werden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Eine zweite Spende des Optik-Discounters reanimiert eine Spezialsammlung des Museums, der durch den Zweiten Weltkrieg fast vernichtet wurde. Die von Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) begründete Potsdamer Glasmanufaktur sei „nicht nur regional sondern auch international bekannt“, so die Museumschefin.

Das Potsdam-Museum hatte sich diesem Aspekt der brandenburgischen Kulturgeschichte erstmals 2017 mit der Sonderausstellung „Gläserne Welten – Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte“ gewidmet. Eine besondere Rarität der hiesigen Glasmacher war das vom Alchemisten Johannes Kunckel (1630-1703) erfundene Goldrubinglas.

Fünf dieser besonderen Becher hatte Museumsgründer Paul Heiland (1870-1933) für die Sammlung ersteigert. Doch vier davon sind seit dem Krieg verschollen. Der letzte Becher sei so „glaskrank“, dass er nicht mehr ausgestellt werden könne, sagt Götzmann. Krankes Glas, erklärt Johannes Haerkötter als Filialleiter von Fielmann Potsdam, „verliert seinen Glanz, wird matt und porös, bis es schließlich zerfällt“.

Der Erwerb des auf 1700 datierten Goldrubinglases aus der Frauenauer Sammlung Schaich für das Potsdam-Museum über eine Fielmann-Förderung und die mit dem Erwerb verbundenen wissenschaftlichen Erkundungen waren für Haerkötter auch persönlich interessant: „Sie können sicher verstehen, dass es mich als Optiker interessiert, wie Glas entsteht.“

Zu dem Gemälde vom Marmorpalais mit der Gondel und der von Uta Kaiser vermuteten Geschichte dazu steht der kleine Goldrubinpokal möglicherweise in einer besonderen Beziehung.

Nach Ansicht von Jutta Götzmann ist es durchaus möglich, dass der Becher in Kunckels Alchemistenwerkstatt auf der Pfaueninsel hergestellt wurde. Haerkötter bestellte Grüße vom Konzernchef Günther Fielmann: Das Unternehmen sei für weitere Wünsche des Potsdam-Museums offen.

Eine Frage der Optik

Die zielgerichtete Erweiterung der Sammlung sei ohne private Unterstützung kaum möglich, sagt Museumsdirektorin Jutta Götzmann. Fielmann Potsdam habe dem Haus schon mehrfach wertvolle Hilfe gegeben.

2009 konnte das Museum eine um 1900 gefertigte wertvolle Porzellanvase mit der Lustgartenfassade des Stadtschlosses erwerben. 2010 folgten vier Ölskizzen und ein Aquarell von Carl Kayser-Eichberg (1873-1964), 2011 folgten wertvolle Gemälde von Otto Heinrich (1891-1967) und von Johannes Rudolphi (1877-1950).

Unterstützung anderer Art bot der Optiker 2017 zur Eröffnung der Ausstellung „Gläserne Welten“. Seither gibt es an der Museumskasse spezielle Lupen für Sehschwache, die auf die Brille gesteckt Objekte und Erläuterungen um den Faktor 2,5 vergrößern.

Von Volker Oelschläger

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