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Ausflug in die kleine Sowjetunion

70 Jahre Collegium musicum Potsdam Ausflug in die kleine Sowjetunion

Das Collegium musicum Potsdam ist das älteste und mittlerweile mit bis zu 80 Musikern auch das größte Orchester der Landeshauptstadt. Gegründet wurde es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Jahr feiert es sein 70-jähriges Bestehen. Das nächste Konzert – mit Melodien aus Gruselfilmen – gibt es am Sonnabend in der Biosphärenhalle.

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Weihnachtskonzert des Collegiums musicum 1960 im Potsdamer Nikolaisaal.

Quelle: Archiv/CMP

Babelsberg. In den 1980er Jahren spielte das Collegium musicum mehrfach vor den Soldaten der Sowjetarmee in Krampnitz. Barbara Scholz erinnert sich noch sehr gut an diese Fahrten in die „kleine Sowjetunion“, wie sie es nennt: „Die Zäune waren grün, die Bordsteinkanten geweißt, und als wir den Saal mit dieser morschen Bühne betraten, schlug uns eine Wolke aus Filz, Schweiß und Machorka entgegen.“ 2000 Männer saßen da im Dämmerlicht in strammer Haltung, erwartungsvoll am Anfang und zum Ende so begeistert, dass es sich kaum beschreiben lässt.

Das Collegium musicum Potsdam ist das älteste und mit bis zu 80 Musikern auch das größte Orchester der Landeshauptstadt. Gegründet von Hans Chemin-Petit (1902-1981) unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, feiert es in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Die erste Probe war am 12. Juni 1945, der Krieg war kaum vier Wochen vorbei, „in einem stark zerstörten Hause, der Wohnung des ehemaligen Bürgermeisters Beyrichen“ in der damaligen Moltkestraße, Chemin-Petit beschrieb es in seinem Manuskript „Erlebtes 1944-45“.

Noch im Juni 1945 gab das Collegium musicum erste Hauskonzerte. Chemin-Petits Tochter Andrea Witte, die dem Orchester bis heute verbunden ist, hat Eintrittskarten und Programme der Anfangszeit aufbewahrt, darunter eine musikalische Feierstunde im Lyzeum am 20. Oktober 1945, eine Morgenfeier des Bildungsausschusses der SPD Babelsberg mit Bruno H. Bürgel und dem Collegium am 17. Februar 1946 im Thalia-Theater und ein Festprogramm zum einjährigen Bestehen des von Chemin-Petit mitbegründeten Kulturbundes Anfang Juli 1946.

Von Mitgliedern des Orchesters gesammelte Fotografien zeigen das Collegium musicum wie im Zeitraffer bei einem Konzert vor dem Chinesischen Teehaus bei den Parkfestspielen Pfingsten 1960 unter der Leitung von Otto Wendt, der dem Orchester seit 1955 vorstand, bei einem Weihnachtskonzert 1960 im Nikolaisaal und 1992 bei einem Konzert in Potsdams Partnerstadt Bonn. Nach dem Weggang Chemin-Petits in den 1950er Jahren firmierte das Collegium zeitweise als „Sinfonieorchester der Werktätigen“. Geprobt wurde im „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ (DSF), dem heutigen Logenhaus in der Kurfürstenstraße.

Die aktuelle Probenstätte im Bethlehemkirchsaal in der Babelsberger Schulstraße bezog das Collegium 2001 auf Vermittlung von Pastorin Gisela Opitz (1931-2005). Zu der Zeit hatte Knut Andreas bereits den Taktstock übernommen, der den betagten Klangkörper ideenreich und ehrgeizig verjüngte, vergrößerte und fest in der vielfältiger gewordenen Orchesterlandschaft der Landeshauptstadt verankerte. Zu den Standards des bis heute von nebenberuflich musizierenden Enthusiasten zwischen 16 und 82 Jahren formierten Klangkörpers zählt neben den regelmäßigen Sinfoniekonzerten etwa das beliebte Open-Air-Konzert „Klassik am Weberplatz“.

Gespür für außergewöhnliche Spielstätten bewies das Collegium musicum nicht zuletzt mit der Entdeckung der Buga-Biosphäre als Konzerthalle: Nach der Potsdamer Erstaufführung der Operette „Drei alte Schachteln“ von Walter Kollo im Januar präsentieren die Musiker dort am Sonnabend ein „Gruselkonzert“ mit Schaurigem von „Psycho“ bis zum „Weißen Hai“.

Info: Gruselkonzert in der Biosphäre Potsdam am Sonnabend; Familienkonzert für Kinder ab sechs Jahren um 19 Uhr, Erwachsenenkonzert um 22 Uhr; Einlass um 17 bzw. 20.30 Uhr. Karten gibt es noch an den MAZ-Verkaufsstellen.

Von Volker Oelschläger

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