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Ausstellung über Max Baur: Das alte Potsdam im Blick

Kultur in Potsdam Ausstellung über Max Baur: Das alte Potsdam im Blick

Das Potsdam-Museum bereitet eine umfangreiche Retrospektive zu Max Baur (1898-1988) vor, der zu den bedeutendsten Potsdamer Fotografen zählt. Ab 13. April sollen in der Sonderausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera. Max Baur. Fotografie“ mehr als 300 Werke des Lichtbildners gezeigt werden.

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„Vision“ von Max Baur, um 1950.

Quelle: Gartenschläger

Potsdam/Innenstadt. Einem Trugbild gleich erhebt sich die Kuppel der Kirche St. Nikolai im Gewölk über den Trümmern des alten Potsdam – über den Resten des Stadtschlosses, des Ehrenhofs, des Fortunaportals, über nutzlos gewordenem Mauerwerk einstiger Bürgerhäuser, über der Ruine der großen Stadtkirche selbst mit ihren zerschossenen Wänden, mit dem abgestürzten Engel und dem eingefallenen Dach. „Vision“ hat Max Baur (1898-1988) diese um 1950 in Überblendtechnik angefertigte Fotomontage genannt.

Max Baur in den Parkanlagen am Schloss Charlottenhof, um 1950,

Max Baur in den Parkanlagen am Schloss Charlottenhof, um 1950,

Quelle: Lichtbild-Archiv Max Baur

Als das hypnotische Werk zuletzt im Sommer 2010 in einer Max-Baur-Ausstellung in den Römischen Bädern von Sanssouci gezeigt wurde, hatte der Wiederaufbau der nach dem Zweiten Weltkrieg fast verschwundenen historischen Innenstadt gerade begonnen. Der erste Spatenstich für den Stadtschlossneubau lag nur wenige Wochen zurück, an die Häuserzeile entlang der Alten Fahrt mit dem Palast Barberini vis-à-vis zur Nikolaikirche war noch gar nicht zudenken.

Max Baur, der von 1934 bis 1953 in Potsdam wirkte, prägte die Erinnerung an das alte, das unzerstörte Potsdam mit einer geradezu versessen auf Licht und Schatten bedachten Bildsprache wie kein anderer Fotograf weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Nach Einschätzung von Jutta Götzmann,

Max Baur, Panorama von der Heiligengeistkirche, zwiischen 1934–1944

Max Baur, Panorama von der Heiligengeistkirche, zwiischen 1934–1944.

Quelle: Lichtbild-Archiv Max Baur

Direktorin des Potsdam-Museums, ist Baur „einer der bekanntesten und bedeutendsten Fotografen Potsdams“. „Ich denke, fast jeder alte Potsdamer hat zu Hause einen Max Baur“, sagt Judith Granzow, die Chefin der Fotoabteilung des Museums. Baur selbst schrieb 1963 an seinen Verleger: „Mir persönlich liegt es fern, mich als Bildautor herausgestellt zu sehen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es bestimmt nur wenige Potsdamer gibt, denen mein Name: Max Baur nicht zu einem feststehenden Begriff geworden ist.“

Sanssouci

Sanssouci: Merkur | Marmorfigur an der großen Fontäne, zwischen 1934–1944.

Quelle: Lichtbild-Archiv Max Baur

Im April präsentiert das Museum in einer Sonderausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera. Max Baur. Fotografie“ über zwei Etagen eine umfangreiche Retrospektive mit einer Vielzahl von bekannten, aber auch noch nie gezeigten Stadtlandschaften sowie Motiven aus den Gärten von Sanssouci, der zweiten großen Leidenschaft des Lichtbildners. Die Ausstellung wird allerdings bedeutend weiter gefasst. Gezeigt werden teils in Auftragsarbeit entstandene Architekturfotografien und künstlerische Stillleben, Landschaftspanoramen mit Regenbögen, Stromschnellen und einsam aufragenden Birken vor gewittrigem Himmel, kahle Bäume im Regen, Makroaufnahmen von Pflanzen teilweise experimentell mit übereinander belichteten Negativen wie bei jenem „Visionen“-Motiv mit der unzerstörten Nikolaikirche.

Andrea Aulich (MBS) und Patricia Werner (Ostdeutsche Sparkassenstiftung) mit Judith Granzow und Jutta Götzmann (vl)  vom Potsdam-Museum

Andrea Aulich (MBS) und Patricia Werner (Ostdeutsche Sparkassenstiftung) mit Judith Granzow und Jutta Götzmann (v.l.) vom Potsdam-Museum.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Maßgeblich unterstützt wurde die Ausstellung durch Antonia Gottwald, die bei Kiel lebende Enkelin des Fotografen, und das Lichtbild-Archiv Max Baur, sowie durch das Bundesarchiv Koblenz. Etwa die Hälfte der 300 Bilder in der Ausstellung kommen laut Granzow aus der Sammlung des Museums. Nach einer schriftlichen Förderzusage, die am Dienstag von der Ostdeutschen Sparkasse und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse an das Museum übergeben wurde, ist auch der Druck des Katalogs finanziert, der laut Götzmann „weit über die Ausstellung hinaus reichen wird“.

Die Umschlaggestaltung folgt der bekannten Lesart von Baur als dem Porträtisten von Potsdam und Sanssouci: Auf der einen Aufschlagseite steht ein Innenstadtpanorama mit Alter Fahrt, Burgstraße und Altem Markt, fotografiert vom Turm der Heiligengeistkirche, auf der anderen die Figur des Merkur an der Großen Fontäne von Sanssouci.

Baur-Enkelin liest aus Briefwechsel mit Hesse

Die Ausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera“ ist im Potsdam-Museum vom 13. April bis zum 26. August zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 200 Seiten und einem Bildteil mit 111 Bildtafeln zum Preis von 24,90 Euro.

In der ersten Veranstaltung zur Ausstellung liest die Enkelin Max Baurs, Antonia Gottwald, am 13. April aus einem Briefwechsel des Fotografen mit Hermann Hesse.

Das Potsdam-Museum hat mit 1000 Werken die bedeutendste Max-Baur-Sammlung im Land Brandenburg.

Von Volker Oelschläger

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