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Potsdam Ausstellung zur Potsdamer Glashütte
Lokales Potsdam Ausstellung zur Potsdamer Glashütte
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18:11 16.03.2018
Johannes Kunckel auf einem um 1690 entstandenen Gemälde. Quelle: Stiftung Stadtmuseum Berlin/Michael Setzpfand
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Potsdam

Eine Blütezeit brandenburgischer Glasmacherkunst ist das Thema einer Sonderausstellung, die am 27. August im Potsdam-Museum eröffnet wird. Die Schau mit dem Titel „Gläserne Welten – Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte“ ist die erste Sonderausstellung des Hauses, die sich umfangreich mit der Potsdamer Glashütte auseinandersetzt. Präsentiert werden nach Mitteilung des Museums fast 110 Exponate von 23 institutionellen und privaten Leihgebern sowie aus der hauseigenen Sammlung.

Pokal mit Darstellung einer Jagdgesellschaft; Zechlin, um 1745; Leihgabe des Vereins Freunde der SPSG. Quelle: Wolfgang Pfauder

Die gezielte Förderung der Glasmacherkunst war Teil eines Konjunkturprogramms, mit dem Brandenburgs Kurfürst Friedrich Wilhelm (1640-1688) dem vom Dreißigjährigen Krieg ruinierten Landstrich zu einem Neuanfang verhelfen sollte. Als er im Jahr 1674 eine Glashütte in Drewitz unweit von Potsdam gründete, steckte dahinter allerdings mehr als bloß wirtschaftliches Kalkül.

Auch aus heutiger Sicht ist es naheliegend, eine Hütte in der reich bewaldeten Umgebung der zweiten Residenzstadt anzulegen, statt aus dem weit entfernten Berlin liefern zu lassen. In erster Linie war die Gründung jedoch Teil der Idee des Kurfürsten, das „Eyland [zu] eine[m] Paradies“ zu gestalten.

Dieses Vorhaben bezog alle Lebensbereiche des Hofes mit ein, und dazu gehörte eine gut funktionierende Glasproduktion in der Nähe der Stadt. Glas war noch weit davon entfernt, ein Objekt des alltäglichen Gebrauchs zu sein, und so erzeugte die Drewitzer Hütte allein gläserne Kunstwerke für den Regenten.

Um ihre Konkurrenzfähigkeit zu garantieren, holte der Kurfürst erfahrene Glasmeister aus anderen Kurfürstentümern sowie dem Ausland nach Potsdam. 1678 erhielt Friedrich Wilhelm Nachrichten von einem Alchemisten am sächsischen Hof, der dort erfolgreich Phosphor hergestellt habe und auch in der Glaskunst nicht unbewandert sei.

Johannes Kunckel (1630-1703), geboren in Wittenberg bei Plön (heute Schleswig-Holstein), wirkte als Alchemist und Apotheker am Hof des Herzogs von Sachsen-Lauenburg und ab 1670 als „Chymico zu unserem geheimen Laboratorio“ am Hof des Kurfürsten von Sachsen in Dresden, wo er der Legende nach auch als Goldmacher experimentierte.

Goldrubinglas; Potsdam, Anfang des 18. Jahrhunderts; Glasmuseum Hentrich, Düsseldorf. Quelle: Fotostudio Fuis

Friedrich Wilhelm warb Kunckel 1678 ab und initiierte damit eine kurze, aber umso nachhaltigere Blütezeit der Glasproduktion in Potsdam. Kunckel gewann mit der Neuerfindung des Goldrubinglases die ausdrückliche Wertschätzung des Großen Kurfürsten, der dem Alchemisten die Pfaueninsel zur Errichtung eines Labors für ungestörte Glasexperimente schenkte.

Kurz zuvor hatte Friedrich Wilhelm eine zweite Glasmanufaktur in Potsdam gegründet, die noch näher als die Drewitzer am Stadtschloss lag: Die Hütte auf dem Hakendamm unweit des heutigen Potsdamer Hauptbahnhofs. Waren in Drewitz nur zögerliche Anfänge der später so berühmten Luxusglasproduktion gelegt, führten Kunckel und die eingewanderten Hofglasschneider die Potsdamer Hütte zu einer wahren Blüte.

Sie stellten feine Kristallgläser her, die mit den besten Produkten aus Italien und Böhmen mithalten konnten und sich durch Härte und durchscheinende Klarheit auszeichneten. Sie gehören zu den schönsten Beispielen der barocken Glaskunst.

Erst durch die persönliche Begegnung mit den fragilen Exponaten erschließt sich die Komplexität der handwerklichen Fähigkeit, mit der die vielfältigen Bildthemen in das transparente Material geschnitten wurden. Frühe Erzeugnisse brandenburgischer Glashütten sowie der fulminante Aufstieg der Potsdamer Hütte durch die Anstellung von Johann Kunckel bilden den Auftakt der Ausstellung des Museums.

Der im Imhof-Verlag publizierte Katalog zur Ausstellung enthält acht Essays sowie einen reichen Katalog- und Abbildungsteil. Die Publikation des Katalogs wird nach Mitteilung des Potsdam-Museums mit einer Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung realisiert.

Ausflug zur Baruther Glashütt

Die Ausstellung „Gläserne Welten. Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte“ ist im Potsdam-Museum vom 27. August bis zum 19. November zu sehen.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Neben Vorträgen über Johann Kunckels Glas-Laboratorium auf der Pfaueninsel (9. November) und zur Entwicklung der Coca-Cola-Flasche (12. November) wird am 30. September auch eine Reise in die Baruther Glashütte angeboten.

Für die Vorbereitung der Sonderausstellung wird das Potsdam-Museum in den nächsten Wochen kürzer als üblich geöffnet.

Die ständige Ausstellung zur Stadtgeschichte ist bis 26. August nur von 13 bis 17 Uhr zugänglich. Das Museums-Café Central öffnet weiter Di/Mi 10-17, Do-Sa 10-19, So 10-18 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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