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Potsdam Babelsberger inszeniert Miniaturwelten
Lokales Potsdam Babelsberger inszeniert Miniaturwelten
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01:15 03.03.2019
Romantik im Babelsberger Park vor dem Flatowturm: Hobbyfotograf Mike Rosenkranz hat ständig neue Ideen. Quelle: Mike Rosenkranz
Babelsberg

Da liegt er mitten auf der Straße, das Kinn dicht über dem kalten Asphalt, die Ellenbogen angewinkelt. Normalerweise hat Mike Rosenkranz diese orange-gestreifte Auflage für die Terassenstühle dabei, damit der harte Untergrund, sich nicht so sehr in den Körper bohrt.

Der 55-Jährige liegt beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ZMS) in der Zeppelinstraße vor einem Gullideckel und blickt durch eine Kamera. Auf dem Gulli hat er fünf Figuren, kaum größer als ein Fingernagel, aufgestellt.

Er hat einen Rucksack, ein Stativ dabei und kleine Figuren in der Tasche. Der Babelsberger ist Hobbyfotograf und knipst, wann immer es geht, witzige Motive mit Miniaturfiguren. „Es kostet Überwindung“, sagt er. Neulich ist er für das perfekte Miniatur-Foto zur Uni nach Golm gefahren, zu diesem einen Vermessungskreuz. „Da bin ich extra Sonntagfrüh hingefahren, wenn keiner da ist – die Studenten halten mich doch sonst für bekloppt“, lacht er. Wenn er alleine auf der Dach-Terrasse sitzt, die zu seiner Babelsberger Wohnung gehört, dann ist das anders. „Da brauche ich keine Hemmungen haben“, erzählt er.

MAZ-Leser voten für die Bilder

Mit seinen originellen Ideen kam Mike Rosenkranz von allen 2885 Einsendungen beim MAZ-Fotowettbewerb „Augenblicke 2018“ sogar unter die Top zehn der besten Bilder. Sein „Nussknacker“ mit den drei Feuerwehrmännern ringsherum überzeugte beim Online-Voting die MAZ-Leser. „Eigentlich wollte ich gar nicht mitmachen“, erzählt er. Er hatte schon einmal zwei Anläufe gewagt – und nicht mehr mit der Auszeichnung gerechnet.

Mit diesem Foto überzeugte Rosenkranz (hier steht er vor seinem eigenen Bild) die Jury beim MAZ-Fotowettbewerb. Quelle: Bernd Gartenschläger

Schon immer hat Mike Rosenkranz gerne fotografiert. Wenn die Verwandten aus dem Harz nach Potsdam kamen, wo er seit der Wende lebt, fertigte er immer witzige Fotomontagen an. Er ist gelernte Kartograph und studierter Vermessungsingenieur. In Seddin hatte er lange Jahre ein eigenes Büro, heute arbeitet er bei einer Vermessungs-Firma in Fichtenwalde.

Das Vorbild kommt aus London

Als Erfinder der „Little People“ (übersetzt Modelleisenbahnfiguren) gilt der britische Streetart-Künstler und Fotograf Slinkachu.

Seit 2006 präsentiert er seine Installationen im Straßenraum von London – von alltäglichen Szenen bis hin zu Szenen, die zum Nachahmen anregen sollen.

Seine Werke präsentiert Slinkachu in Ausstellungen und Bildbänden, auch um damit am Ende Geld verdienen zu können.

„Ursprünglich wollte ich mal alle Figuren sammeln, die etwas mit Vermessung zu tun haben“. Beim Einkaufen packte er so das erste Mal Playmobil-Vermesser in den Einkaufswagen ein, bis er zu Hause im Internet über diese Eisenbahnfiguren stolperte. Das war 2016. „Dass ich dann Fotos mache und so daran hängen bleibe, hätte ich nicht gedacht“, sagt er. Seit 2017 hat er sogar eine kleine „Fanpage“ auf Facebook eingerichtet. Seine Chefin war so begeistert von seinem Hobby, dass sie einen Kalender mit seinen Fotos für die Kunden anfertigen ließ. Auch für Freunde erstellt er inzwischen regelmäßig einen Kalender.

Längst geht es über das berufliche Interesse hinaus. Sein Repertoire umfasst Sumoringer, Angler mit Fischen, Gärtner, Putzfrauen. „Eine Schubkarre kann man immer gebrauchen“, sagt er und zieht ein kleines rotes Exemplar aus einem der Werkzeugkästen, in denen er die Schachteln mit den Figuren aufbewahrt. Mittlerweile hat er um die 1000 Figuren gesammelt.

Vom Mars zum Flatowturm

Er inszeniert, was ihm gerade so in den Kopf kommt. Astronauten, die auf einem Schokoriegel in den Weltall fliegen; Leonardo da Vincis Abendmahl; Feuerwehrmänner, die Blumen gießen – weil es im letzten Sommer so heiß war – oder ein Brautpaar, welches vor dem Flatowturm in Babelsberg posiert.„Meine Frau kommt auf solche Foto-Touren aber nicht mit“, erzählt er lachend.

Mike Rosenkranz setzt zwei Zentimeter große Figuren in Potsdam in Szene. Die Idee dazu stammt von dem Londoner Street-Art-Künstler Slinkachu.

Auch im Urlaub hat er immer Figuren dabei. Angler, wenn es an den Hafen geht. Schwimmer, wenn er am Strand ist. Manchmal sind die Szenen schnell dargestellt, bei anderen Versuchen friemelt er einige Stunden, bastelt einen Hintergrund, nimmt den Laptop als Hintergrund zur Hilfe oder befestigt Fäden an den Figuren, die er anschließend im Bildbearbeitungsprogramm wieder wegretuschiert.

Die größte Herausforderung: „Die stehen nicht von alleine.“ Mike Rosenkranz muss sie immer befestigen. Wimpernkleber hat seine Frau empfohlen, Zauberwachs das Internet. Am besten klappt es mit Leim. Das hat er ausprobiert. „Ich möchte sie danach ja wieder abnehmen können.“ Aber egal wo er ist, ausblenden kann er mögliche Motive nicht mehr. Denn hinter jeder Ecke, könnte schließlich ein schöner Hintergrund für die nächste Inszenierung sein.

Von Anne Knappe

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