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Babelsberger zwingen Pegida zur Umkehr

Demo-Abend in Potsdam Babelsberger zwingen Pegida zur Umkehr

Mit einer friedlichen Sitzblockade haben rund 800 Menschen am Mittwochabend den Demozug der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung durch Babelsberg verhindert. Insgesamt waren mehr als 1000 Anti-Pegida-Anhänger auf den Beinen. Obwohl ihre Demo am Mittwoch floppte, wollen die Pegida-Anhänger erneut nach Babelsberg kommen.

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Vor dieser Sperre scheute die Polizei: In der Großbeerenstraße verhinderte eine Sitzblockade den Umzug der Potsdamer Pegida.

Quelle: dpa-Zentralbild

Babelsberg. Mit einer Sitzblockade haben am Mittwochabend rund 800 Potsdamer den Umzug der Pegida durch Babelsberg verhindert. Rund 100 davon, meist junge Leute, setzten sich auf die Großbeerenstraße, hinter sich einige hundert weitere Gegendemonstranten, die den „Spaziergang“ der knapp 100 Islamgegner vom Bahnhof Medienstadt zum S- Bahnhof Babelsberg kurz hinter dem Filmpark zum Erliegen brachten. Unter den Pegida-Gegnern waren Familien mit Kindern sowie zahlreiche Senioren. Ein Großteil dieser Personen kam den mehrfachen Aufforderungen der Polizei nicht nach, die als rechtswidrig eingestufte Blockade zu beenden. Die Polizei begann, die Teilnehmer der Blockaden zu identifizieren, um Strafverfahren einleiten zu können.

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17. Februar 2016: Zum sechsten Mal haben sich islamfeindliche Pegida-Anhänger in Potsdam versammelt. Das Ziel: Ein Spaziergang durch Babelsberg. Doch der wurde mit Hilfe einer Sitzblockade von Gegendemonstranten schnell unterbrochen. Eine Chronologie des Abends in Bildern.

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Lesen Sie im Liveticker nach, wie der Abend lief.

Sie hatte zwar rund 1000 Beamte aus sechs Bundesländern sowie zwei Wasserwerfer und zwei Räumpanzer aufgeboten und die schwere Technik auch in der Nähe der Blockade, löste die verbotene Sperre aber nicht auf. Polizeipräsident Hans Jürgen Mörke erklärte, die Straße sei nicht geräumt worden, weil auch Kinder an der Sitzblockade teilgenommen hätten. Einsatzleiter Michael Scharf sagte, man wolle keine Gewalt gegen die Pegida-Gegner einsetzen und habe auch deren Böllerattacken toleriert. Zwei Ausweichrouten lehnte die Polizei nach der Sondierung durch einen Hubschrauber aber ab, weil sie dort die Sicherheit der Pegida nicht garantieren konnte.

Die machte kehrt und hielt mit halbierter Mannschaft am Bahnhof Medienstadt eine Abschlusskundgebung ab, die schnell weiter an Zuspruch verlor.

Am Bahnhof Medienstadt begann und endete die Pegida-Demo

Am Bahnhof Medienstadt begann und endete die Pegida-Demo.

Quelle: Julian Stähle

Wegen des abgebrochenen Spaziergangs kündigte der Potsdamer Pegida-Organisator Christian Müller eine 7-Tage-Kundgebungswoche für Babelsberg an, um sein Demonstrationsrecht durchzusetzen. Der MAZ sagte er, die Polizei wolle diese schon mal angedrohte Demo-Woche „um jeden Preis vermeiden“ und werde den nächsten Spaziergang sicher durchsetzen.

Er hatte den Demo-Marathon vor der Schlaatzer Veranstaltung vom 3. Februar angedroht und so den dortigen „Spaziergang“ erzwungen. Den Gegendemonstranten vom Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ sprach er das Recht fortwährender Störveranstaltungen ab; sie behindern seiner Ansicht nach das Demonstrationsrecht der Pegida, das die Polizei garantieren müsse. Die hatte vier eigene Hundertschaften im Einsatz und Verstärkung aus Berlin, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, woher auch die beiden Wasserwerfer kamen.

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Zum sechsten Mal haben sich islamfeindliche Pegida-Anhänger in Potsdam versammelt. Das Ziel: Ein Spaziergang durch Babelsberg. Doch der wurde mit Hilfe einer Sitzblockade von Gegendemonstranten schnell unterbrochen. Eine Chronologie des Abends in Bildern.

Quelle: Julian Stähle

Der Protest der Pegida-Gegner war noch nie so zahlreich wie am Mittwochabend. Knapp 1000 Menschen hatten sich bei sieben Gegenveranstaltungen versammelt, die sich in der Nähe der beiden Bahnhöfe und entlang der Umzugsstrecke postierten. Zu Auseinandersetzungen kam es im Umfeld der Sitzblockade, von wo zwei vorläufige Festnahmen vermeldet wurden. Eine dritte gab es in der Nähe des Lutherplatzes, wo Polizisten einen Verdächtigen aus der linken Szene aus einer Kneipe holten und sich wütende Proteste zuzogen. Die „Haut-Ab!“-Rufe galten hier nicht den Pegida-Demonstranten, sondern der Polizei.

Die dürfte in ähnlicher Stärke aufmarschieren, wenn am kommenden Mittwoch die Pegida im Bornstedter Feld demonstriert, einem früheren Kasernengelände, dass nach der Bundesgartenschau von 2001 der am schnellsten wachsende Ortsteil von Potsdam wurde.

Bereits bevor der „Pogida“-Aufzug begann, waren Einsatzkräfte aus den Gegenversammlungen heraus mit Böllern und Flaschen angegriffen worden. Darüber hinaus wurde versucht, Fahrer von Einsatzfahrzeugen sowie die Besatzung des Polizeihubschraubers mittels Laserpointer zu blenden. Eine Beamtin wurde dadurch verletzt.

Einkaufswagen und Fahrradständer sollten auf der Großbeerenstraße die Pegida und die Polizei blockieren

Einkaufswagen und Fahrradständer sollten auf der Großbeerenstraße die Pegida und die Polizei blockieren.

Quelle: Julian Stähle

Im weiteren Verlauf hatten Personen aus der autonomen Szene verschiedene Seitenstraßen im Umfeld der geplanten Aufzugsstrecke mit Müllcontainern, Einkaufswagen und Gerümpel blockiert. Zum Teil waren Mülltonnen in Brand gesetzt worden. Zu den dafür verantwortlichen Personen wurden ebenfalls Ermittlungen eingeleitet. Nach Ende der Versammlungen wurde in einem Szenelokal eine Person in Gewahrsam genommen. Der junge Mann hatte Einsatzkräfte bei der Personalienfeststellung nach einer Beleidigung gegenüber Einsatzkräften behindert.

Insgesamt hat die Polizei von mehreren Personen die Personalien festgestellt. Bei einem Ordner der „Pogida“ stellten die Beamten verbotene Quarzhandschuhe fest. Bei einem Teilnehmer einer der Gegenveranstaltungen stellten Einsatzkräfte im Vorfeld ein ebenfalls verbotenes Einhandmesser sicher. In beiden Fällen wurden Strafverfahren eingeleitet.

Von Rainer Schüler

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Sanssouci-Bild verwendet
Nach der Pegida-Demo vom vergangenen Mittwoch im Schlaatz marschieren die Islamfeinde  kommenden Mittwoch in Rehbrücke am Stadtrand von Potsdam.

Die Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung, die sich in Potsdam Pogida nennen, demonstrieren am Mittwoch erneut. Der Demo-Zug startet am Bahnhof Rehbrücke. Es hat sich bereits viel Gegenprotest angekündigt. Unterdessen provoziert Pogida mit einer Werbung auf Facebook. Nicht zum ersten Mal.

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